Kommentar

Veganuary: Aldi, dm und Co nutzen veganen Trend als reine Werbekampagne

Auch Aldi, Dm & Co machen bei der Aktion Veganuary mit - doch was steckt tatsächlich dahinter?
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Auch Aldi, Dm & Co machen bei der Aktion Veganuary mit - doch was steckt tatsächlich dahinter?

Veganuary, eine britische Organisation, ruft im Januar zu veganer Ernährung auf. Auch der deutsche Handel macht mit - und nutzt den Trend fürs Marketing, findet RUHR24-Redakteurin Lisa.

  • Vegane Ernährung ist weiterhin Trend - es geht um Gesundheit und Klimaschutz.
  • Die britische Organisation Veganuary ruft dazu auf, sich im Januar vegan zu leben.
  • Auch der deutsche Handel nutzt die Aktion und rührt kräftig die Werbetrommel.

Dortmund - Immer mehr Menschen ernähren sich vegan, sei es aus gesundheitlichen oder aus klimaschutztechnischen Gründen. Die britische  gemeinnützige Organisation Veganuary nutzt diesen Trend und will immer mehr Menschen dazu inspirieren, eine rein pflanzliche Ernährung auszuprobieren. 

Im Januar, pünktlich zum Zeitpunkt der guten Vorsätze, ruft sie jedes Jahr dazu auf, zumindest einen Monat vegan zu essen. Nun ist die Aktion auch in Deutschland angekommen. Und das lassen sich auch Unternehmen wie Aldi, Globus, Rossmann und dm nicht entgehen - und nutzen den Trend allein zu Marketingzwecken.

Veganuary: Handel startet das neue Jahr vegan

Veganuary - ein Wortspiel aus "vegan" und "January" - so nennt sich die Organisation aus Großbritannien. Ihre Mission: Menschen zu inspirieren und zu unterstützen, vegane Ernährung auszuprobieren. Langfristig wollen sie eine globale Bewegung schaffen. Schon hier könnte man sich fragen, ob es wirklich notwendig ist, aus allem eine Geschäftsidee zu machen. Doch das sei mal dahin gestellt. Denn manche Menschen brauchen bei gewissen Umstellungen und Veränderungen den entscheidenden Schubs.

Und wenn es Prominente schon vormachen, dann fällt es manch einem vielleicht ein bisschen leichter mit der veganen Ernährung. Das kann nicht schaden. Zuletzt hatten sich bereits Schauspieler Joaquin Phoenix, YouTube-Star Rezo und GZSZ-Sternchen Anne Menden der veganen Aktion angeschlossen. Was der deutsche Handel jetzt allerdings daraus macht, lässt sich diskutieren.

Aldi, Dm und Rossmann nutzen Veganuary fürs Marketing

Und es scheint zu funktionieren. Das Ziel der Veganuary-Organisation war es, in Deutschland 350.000 Menschen dazu zu bewegen, sich auf ihrer Plattform anzumelden und sich dadurch der Aktion anzuschließen. Bereits am 4. Januar war das Ziel erreicht, wie es in einem Post auf Twitter heißt.

350.000 Menschen, die beschlossen haben, sich einen Monat lang vegan zu ernähren. Das bedeutet für Aldi, Globus oder dm: 350.000 potenzielle Kunden, die bei ihren veganen Produkten richtig zuschlagen. Deshalb haben sich die Unternehmen einfach mal gedacht, den veganen Trend als Werbemaßnahme zu nutzen, um die Geschäfte im Januar anzukurbeln. 

Denn mehr alsGreenwashing steckt wahrlich nicht dahinter. Zumindest fällt es einem sehr schwer, Discountern wie Aldi auf einmal ein Tier- und Umweltbewusstsein abzukaufen.

Veganuary: Billig-Fleisch trifft veganes Tofuwürstchen bei Aldi & Co

Denn so liegt im Kühlregal vonAldi Nord und Süd nicht unweit von dem veganen Veggie-Aufschnitt und den Tofu-Würstchen, das Putenschnitzel und das Rinderhackfleisch. Und bei Preisen von knapp 5 Euro pro Kilo dürfte klar sein: besonders gute Tierhaltung darf dabei niemand erwarten. Wie passt das also zusammen? Vegane Ernährung, die gut für Gesundheit und Klima sein soll, und auf der anderen Seite Billigfleisch, das weder gut für Körper noch die Natur ist.

Dennoch bewirbt der Discounter auf seiner Startseite im Internet den veganen Monat und brüstet sich damit, sich der Aktion Veganuary angeschlossen zu haben. Das offizielle Ziel von Aldi Nord: Veganuary mit zahlreichen Kommunikationsmaßnahmen und einer eigenen veganen Themenwoche unterstützen, um den Menschen zu zeigen, dass vegane Ernährung nicht teuer sein muss. Das interne Ziel scheint indes zu sein: klingelnde Kassen und aufpoliertes Image. Denn es werden auch Produkte als vegan beworben, die es normalerweise ohnehin schon sein sollten: Tiefkühl-Gemüse, Nüsse, Senf und Marmelade.

Dm und Rossmann locken mit Gewinnspielen zu Veganuary

Doch nicht nur Discounter wie Aldi wollen von dem hiesigen veganen Trend profitieren, auch Drogerien wieRossmann und dm machen bei der Aktion von Veganuary mit. Die Eigenmarke dm-Bio von dm ruft zum Beispiel auf ihrem Instagram-Account zum Mitmachen auf. Besonders einfach gehe das natürlich mit den entsprechenden Produkten von dm.

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Rossmann hingegen berichtet auf Social-Media von den Erfahrungen, die das Team, das sich Veganuary angeschlossen hat, in dem veganen Monat macht. Gleichzeitig verspricht die Drogerie einen Monat lang Rezepte und Tipps, wie es sich leichter vegan leben lässt. 

Aber immerhin: Irgendwie nimmt man es den Rossmann und dm ein klein wenig mehr ab, dass sie sich auch nach Januar für eine vegane Lebensweise einsetzen. Denn vor allem dm erweitert kontinuierlich sein rein pflanzliches Sortiment und engagiert sich auch abseits der Lebensmittel, wie zum Beispiel in seiner Kosmetikabteilung, für den Klimaschutz.

Veganuary - wenns hilft, warum nicht

Und nicht nur Aldi, Rossmann und Dm kommen mit veganen Sonderangeboten um die Ecke, auch Dr. Oetker plant eine weitreichende Werbeaktion rund um ihre pflanzliche Creme Vega sowie Globus, der ebenfalls den veganen Trend für das Marketing nutzen will. Wie glaubwürdig das ist und ob die Werbekampagnen nicht mehr als Greenwashing der jeweiligen Unternehmen sind, sei mal dahingestellt. 

Dennoch erscheint es wenig glaubwürdig und vor allem wenig mit der Mission von Veganuary gemein zu haben. Während die eine bessere Welt und ein besseres Klima wollen, sollen bei Aldi & Co der Rubel rollen, ob das nun mit veganer Ernährung oder mit den Billig-Würstchen funktioniert, ist letztendlich egal.

Denn wirklich konsequent wäre es, wenn auch die Unternehmen auch bei ihren anderen Produkten auf Dinge wie Tier-, Klima- und Umweltschutz achten würden. Und letztendlich hilft einer schlanken Figur oder dem Klima nur eins: Weniger kaufen, weniger Konsum, weniger Fleisch, einfach weniger von allem. Doch das wollen Industrie und Handel natürlich nicht hören.

Aber immerhin, ein gutes hat die Aktion Veganuary ja doch: Denn wenn sich auch nur wenige tatsächlich von der Aktion inspirieren lassen und künftig über ihre Haltung zur Ernährung nachdenken, hat es sich ja auch ein Stück weit gelohnt. Auch, wenn sie ihr Tofu dann bei Aldi kaufen.

Dieser Artikel entspricht der Meinung der Autorin und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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