Desinfektion mit Licht?

Gegen das Coronavirus mit UV-C-Licht: So gefährlich ist die Alternative zum Luftfilter

UV-C-Licht soll das Coronavirus auf Oberflächen und in der Luft abtöten. Das ist zumindest die Idee einiger Unternehmen. Experten halten allerdings wenig von der Methode.

Dortmund – Die Wissenschaft arbeitet weltweit auf Hochtouren an Methoden, wie man sich gegen das Coronavirus schützen kann. Eine Lösung könnte der Einsatz von ultraviolettem Licht sein. Entsprechende Geräte sind inzwischen bereits bei Händlern wie Amazon und Co. für jedermann zu kaufen – was nicht ganz ungefährlich ist.

Behörde:Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)
Gründung:1. November 1989
Hauptsitz:Salzgitter in Niedersachsen
Übergeordnete Behörde: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Coronavirus abtöten: Geräte mit UV-C-Strahlung sollen helfen

Dass UV-C-Strahlung hilfreich ist, um Oberflächen, Luft oder Wasser zu desinfizieren, ist nichts Neues. Seit Jahren wird die Methode beispielsweise im medizinischen oder wissenschaftlichen Bereich eingesetzt. Seitdem das Coronavirus das Weltgeschehen fest im Griff hat, ist die UV-Technologie plötzlich von besonderem Interesse.

Unter anderem forschen Institute wie die Universität Duisburg-Essen intensiv am Einsatz von UV-C-Strahlen – und einige Unternehmen wittern bereits eine Geschäftsidee. Konzerne wie Signify oder LED24-7 werben fleißig für Produkte zur Luft- und Oberflächendesinfektion mit UV-C-Strahlen. Auch bei Amazon sind einige Geräte für den Hausgebrauch zu finden.

Coronavirus mit UV-C-Strahlen bekämpfen: Experten warnen vor der Methode

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sieht diese Angebote äußerst kritisch – vor allem, wenn die Geräte für die private Nutzung angeboten werden. Denn UV-C-Strahlen gelten laut BfS als extrem schädlich für den Menschen. So warnt die Behörde unter anderem vor folgenden Gefahren beim Einsatz solcher UV-Entkeimungsgeräte:

  • UV-C-Strahlung kann das Erbgut schädigen und ist darum krebserregend für den Menschen.
  • UV-C-Strahlung kann unterschiedliche gesundheitsschädliche Wirkungen in den Augen und auf der Haut verursachen. Zum Beispiel kann die Haut oder die Netzhaut im Auge regelrecht verbrannt werden – und das schon bei geringer Intensität.

BfS rät davon ab, UV-Strahlen einzusetzen, um das Coronavirus abzutöten

Zwar sei es richtig, dass UV-C-Strahlung grundsätzlich dazu geeignet sei, Bakterien und Viren abzutöten, zur „Heilung von Covid-19 ist UV-Strahlung nicht geeignet“ heißt es vonseiten des BfS. Und weiter: „Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) widerspricht daher derzeit kursierenden Meldungen, wonach UV-Strahlung zur Bekämpfung der Erkrankung beitragen könne, und rät davon ab, sich intensiver UV-Strahlung auszusetzen, um das Coronavirus loszuwerden.

Außerdem warnt die Behörde ausdrücklich davor, die UV-Entkeimungsgeräte am Körper einzusetzen. Das Problem: Die ultravioletten Strahlen sind zwar auch Bestandteil der Sonnenstrahlen, doch werden diese ähnlich wie auch ein Teil der UV-B-Strahlen auf natürliche Weise von der Erdatmosphäre gefiltert. Kommt der Mensch mit künstlich erzeugten Strahlen in Berührung, kann das zum Problem für die Gesundheit führen.

Riskante Methode soll das Coronavirus in Klassenzimmern und Büros abtöten

So heißt es auch auf der Webseite von LED24-7, ein Unternehmen das unter der Marke UVCclean zahlreiche Geräte zur Desinfektion mit UV-C-Strahlen verkauft: „Langanhaltende Einwirkung von UVC Strahlung kann Verbrennungen nach sich ziehen. Beim Betrieb von ultravioletten Desinfektionslampen sollten sich keine Menschen, Tiere und Pflanzen in den zu desinfizierenden Räumen befinden.“ Die Sprache ist hier von Direktstrahlern, wie sie beispielsweise schon bei einem Reiseunternehmen aus Witten eingesetzt werden.

Weniger riskant sollen allerdings die neusten Produkte des Unternehmens sein. So werden unter anderem verschiedene Geräte zur Luftreinigung angeboten, die auch für den Einsatz im Büro, Wartezimmer, Geschäften, Schulen und Kitas geeignet sein sollen. Doch wie soll das funktionieren?

Luftreiniger mit UV-C-Strahlen dienen als „Maske für den Raum“

Bei den Produkten handelt es sich um eine Art Luftreiniger, der die Luft aus dem Raum saugt. Im inneren, abgeschirmten Teil des Gerätes werden dann potenzielle Viren aus der Luft mit kurzwelligem UV-C-Licht bestrahlt und abgetötet, um dann anschließend die „gereinigte“ Luft wieder in den Raum abzugeben.

In Großbritannien wird erstmal im Kampf gegen Corona ein UV-Roboter eingesetzt, der Viren an einem Bahnhof beseitigen soll.

Das Unternehmen bewirbt die UV-Reinigungsgeräte, die es in unterschiedlichen Größen gibt, als „Maske für den Raum“. Indem die Bestrahlung im Inneren des Gerätes stattfindet, können sich laut LED24-7 weiterhin bedenkenlos Menschen im Raum aufhalten, während die Geräte aktiv sind. Ein ähnliches Angebot und Versprechen findet man auch bei dem niederländischen Unternehmen Signify.

Coronavirus mit UV-Strahlung abtöten: Studienlage ist spärlich

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen sieht das Umweltbundesamt (UBA) den Einsatz von UV-C-Licht in Räumen ebenfalls kritisch. „Wenn diese Geräte dann von anwesenden Personen im Raum aus welchen Gründen auch immer geöffnet werden und die Lampe ist noch an, kann das zu schweren Verbrennungen auf der Haut und auch zu Verätzungen am Auge führen“, so Heinz-Jörn Moriske vom UBA gegenüber Deutsche Welle.

Auch stehe die Wissenschaft hinsichtlich der Luftdesinfektion durch UV-C noch ganz am Anfang, so der Experte. Es gebe noch keine genauen Angaben, wie viele Geräte bei welcher Raumgröße im Einsatz sein müssen oder inwiefern UV-C-Strahlen besser als Luftreiniger mit mechanischen Filtern seien. Heinz-Jörn Moriske sieht die neuartigen Geräte deshalb wenn überhaupt nur als Ergänzung zum regelmäßigen Lüften.

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder, Niaid/Europa Press/dpa, Collage: RUHR24.de

Mehr zum Thema