Neues Gesetz

Urlaub: 10.000 Euro Bußgeld droht ab Mai 2022 bei vielen Angeboten

Auf Kaffeefahrten werden Senioren oft abgezockt. Doch damit soll jetzt Schluss sein: So sollen Verbraucher durch ein neues Gesetz geschützt werden.

NRW – Kaffeefahrten, im Amtsdeutschen auch „Wanderlager“ genannt, gerieten in den vergangenen Jahren immer wieder in das Visier von Polizei und Ordnungsämtern. Der Grund: Auf diesen von unterschiedlichen Veranstaltern durchgeführten Verkaufsveranstaltungen wurden immer wieder Seniorinnen und Senioren übers Ohr gehauen. Damit soll jetzt Schluss sein.

KaffeefahrtTagesreise mit anschließende Verkaufsveranstaltung
AdressatenRentnerinnen und Rentner
ZweckVerkauf häufig überteuerter, unbrauchbarer Produkte

Kaffeefahrten: Strenges Verbraucherschutz-Gesetz soll Abzocke von Senioren verhindern

Der Bundestag hat am frühen Freitagmorgen (22. April) ein Gesetz zur Stärkung des Verbraucherschutzes im Wettbewerbs- und Gewerberecht verabschiedet. Am 28. Mai tritt dieses dann offiziell in Kraft (mehr Service-News auf RUHR24).

Damit sollen Verbraucherinnen und Verbraucher laut Beschlussvorlage unter anderem künftig „vor unlauteren geschäftlichen Handlungen“ geschützt werden – insbesondere bei Kaffeefahrten, das heißt organisierten Tagesreisen für Senioren per Bus oder Schiff mit angeschlossener Verkaufsveranstaltung.

Gerade auf Kaffeefahrten sollen konkret aggressive und irreführende Verkaufspraktiken durch das Gesetz bekämpft, die „Anzeigepflicht für Veranstalter“ ausgedehnt sowie ein „Vertriebsverbot für Nahrungsergänzungsmittel und Medizinprodukte“ eingeführt werden.

Kaffeefahrten: Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln und Medizinprodukten zukünftig verboten

Damit hatten dubiose Verkäufer in der Vergangenheit immer wieder Senioren das Geld aus der Tasche gezogen. Hinter dem Vertrieb überteuerter Nahrungsergänzungsmittel und Medizinprodukte, die unter teils massiver psychologischer Druckausübung verkauft wurden, versteckte sich die eigentliche Absicht der Veranstalter zahlreicher Kaffeefahrten.

Im neuen Gesetz sind auch hohe Bußgelder verankert, die dann fällig werden, wenn Veranstalter weiterhin Nahrungsergänzungsmittel und Medizinprodukte an unbescholtene Senioren verkaufen wollen. Laut Gesetzestext liegen die Bußgelder bei Verstößen zwischen 1000 und 10.000 Euro. Unlautere Geschäfte krimineller Veranstalter sollen so verhindert werden.

Auf Kaffeefahrten werden Senioren häufig abgezockt.

Kaffeefahrten: Hohe Bußgelder sollen kriminelle Verkaufsmethoden sanktionieren

Die damalige Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) fand dazu klare Worte: „Es muss endlich Schluss damit sein, dass vor allem ältere Menschen häufig bei sogenannten Kaffeefahrten unter Druck gesetzt und über den Tisch gezogen werden.“

Verstöße gegen die Datenschutzgrundverordnung, das Infektionsschutzgesetz während Corona und fragwürdige Verkaufsmethoden ließen in der Vergangenheit Verbraucherschützer immer wieder hellhörig werden. Solche Geschäftsgebaren krimineller Veranstalter sollen jetzt endlich der Vergangenheit angehören.

Das neue Gesetz solle Verbraucher „vor diesen miesen Geschäftspraktiken“ besser schützen, so Lambrecht weiter. Es bliebt abzuwarten, ob die Regelung dubiose Veranstalter in Zukunft tatsächlich davon abhalten wird, Senioren abzuzocken. Schließlich bildet Abzocke die Geschäftsgrundlage zahlreicher Kaffeefahrt-Veranstalter.

Rubriklistenbild: © Manuel Geisser/Imago

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