Wegen Corona und Ukraine-Krieg

Nach Öl und Mehl: Nächstes Produkt wird wegen Ukraine-Krieg knapp im Supermarkt

Die Knappheit zahlreicher Produkte in Supermärkten und Discountern reißt nicht ab. Bald schon könnten Fischstäbchen betroffen sein.

NRW – Fischfreunde aufgepasst! Nach Mehl, Öl oder Getreide wird nun wohl das nächste Produkt knapp, das für viele Deutsche regelmäßig auf dem Speiseplan steht. Ein Werk, das im Jahr massenhaft Fischstäbchen produziert, schlägt Alarm – und das aus gutem Grund.

ProduktFischstäbchen
FormLänglich-quaderförmige Fischfilets
Verbrauch in DeutschlandJährlich 27 pro Kopf (2017)

Fischstäbchen: Engpass wegen internationalen Lieferschwierigkeiten

In Supermärkten und Discountern könnte bald das nächste Produkt schwer zu ergattern sein. Verbraucher sollten sich angesichts der vorherrschenden Krisen auf internationaler Ebene auf deutlich selteneren Fischstäbchen-Genuss einstellen – obwohl die Stäbchen laut dem Handelsblatt unter Berufung auf das Tiefkühlinstitut zu den Lieblingsfischprodukten der Deutschen zählen.

Bei Frozen Fish International in Bremerhaven ist die Lage momentan sehr angespannt. Das zur Iglo-Mutter Nomad Foods gehörende Werk produziert im Jahr 48.000 Tonnen Fischstäbchen und 20.000 Tonnen Schlemmerfilets und ist gerade deutlich spärlicher besetzt als sonst. Wie das Handelsblatt berichtet, habe der Konzern 440 Mitarbeiter aus Produktion und Technik teilweise in Kurzarbeit geschickt.

Fischstäbchen: Wirtschaftssanktionen gegen Russland erschweren Liefersituation

Angesichts der Probleme, die den internationalen Fischhandel momentan schwer belasten, ist der Schritt keine wirkliche Überraschung. Schließlich sei die „Versorgungskette mit Alaska-Seelachs massiv ins Stocken geraten“, erklärt Matthias Keller, Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels, gegenüber dem Handelsblatt.

Auch der russische Angriffskrieg in der Ukraine und die damit verbundenen wirtschaftlichen Sanktionen seien einer der Gründe für den Mangel an Rohfisch in deutschen Verarbeitungsbetrieben. Die Lieferketten seien stark eingeschränkt, notwendige Rohstoffe werden knapper und teurer.

Fischstäbchen: Alaska-Seelachs aus Russland steckt in China fest

Das Filetieren des Fisches findet zudem häufig in China statt, wo die hohen Corona-Zahlen zu Lockdowns und massiven Beschränkungen im Alltag- und Arbeitsleben geführt haben. Anschließend werden die Filetblöcke nach Deutschland geliefert, wo sie weiter zum Endprodukt verarbeitet werden. Danach gelangt der verarbeitete Seelachs in die Regale von Aldi oder Lidl.

Doch durch den Corona-Lockdown in Shanghai, wo sich der weltweit größte Containerhafen befindet, sitzen gerade 600 Containerschiffe fest, erklärt Iglo. „Das Problem ist derzeit, wie der Rohfisch zu den deutschen Verarbeitungsbetrieben kommt“, so Sabine Eichner, Geschäftsführerin des Deutschen Tiefkühlinstitus.

Wegen Lieferschwierigkeiten und Rohstoff-Knappheit könnten Fischstäbchen knapp und teurer werden.

Fischstäbchen: Rohstoffe zur Verarbeitung durch Ukraine-Krieg knapp

Doch damit nicht genug: Das für die anschließende Panierung so wichtige Sonnenblumenöl und Weizenmehl stammt aus der Ukraine – beide Güter sind bekanntermaßen seit Beginn des Krieges schwieriger zu liefern und daher nicht nur bei Aldi, Lidl, Rewe und Co. knapp geworden.

Die Produktion von Fischstäbchen ist somit sowohl direkt vom Ukraine-Krieg als auch von der Corona-Pandemie betroffen. Die Knappheit der für die Herstellung notwendigen Produkte führt damit zwangsläufig auch zu höheren Produktionskosten sowie gestiegenen Verkaufspreisen.

Fischstäbchen-Knappheit: Experten und Handel geben vorerst Entwarnung

Dass Fischstäbchen aus deutschen Tiefkühlregalen verschwinden könnte, erscheint nach derzeitiger Lage aber unwahrscheinlich. Iglo, das vor allem von amerikanischen Fischereien beliefert wird, erklärte, dass die beliebte Fischspeise „voll verfügbar“ und die Lager „gut gefüllt“ seien. Dem Handelsblatt zufolge sollten sich deutsche Fischliebhaber sich in Zukunft aber dennoch auf höhere Fischstäbchen-Preise einstellen.

Dass sich weder Handel noch Verbraucher Sorgen machen müssen, bekräftigt auch Matthias Keller. Schließlich sterbe das Fischstäbchen nicht aus, es sei „nur weniger verfügbar derzeit.“ Momentan sind deutsche Tiefkühlhersteller allerdings dabei, die Abhängigkeit zu russischem Alaska-Seelachs zu reduzieren und nach Fisch-Alternativen Ausschau zu halten.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Shotshop

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