Verbraucher verunsichert

Tönnies: Fleisch-Produkte erkennen - so klappt's im Supermarkt

Viele Menschen fragen sich, ob sie noch Fleisch von Tönnies kaufen sollen. Aber wie erkennt man es und in welchen Produkten steckt's? Wir geben Tipps.

  • Nach einem massiven Ausbruch des Coronavirus in einem Fleischverarbeitungsbetrieb der Firma Tönnies, sind mehr als 1500 Mitarbeiter infiziert.
  • Der Ausbruch bringt auch die prekären Arbeitsbedingungen der Fleischindustrie ins Licht der Öffentlichkeit.
  • Wer Fleisch der Firma Tönnies vermeiden will, muss viele Marken im Regal liegen lassen.

NRW/Rheda-Wiedenbrück - Es steckt in den Eigenmarken von Aldi und Lidl, in Tillmann's Toastys, in Böcklunder Würstchen oder in der Wurst von Zimbo und Gutfried - das Fleisch aus den Schlachtereibetrieben von Tönnies. Wer auf Produkte verzichten will, die Fleisch aus der Fabrik enthalten, in denen sich jüngst über 1500 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infizierten, muss genau hinschauen. Denn über Umwege gelangt das Fleisch in so manche Produkte.

Unternehmen:

Tönnies Holding GmbH & Co. KG

Zentrale:

Rheda-Wiedenbrück

Mitarbeiterzahl:

9007 (2018)

Gründung:

1971

Geschäftsfeld:

Lebensmittelindustrie, Schlachtbetrieb für Schweine, Verarbeitung von Schweine- und Rinderfleisch, Wurstwaren

Marktanteil: 

27 Prozent beim Schweinefleisch

Die Folgen des Coronavirus-Ausbruchs bei Tönnies sind gravierend. 1553 Mitarbeiter sind nachweislich infiziert und für die ganze Region im Norden von NRW gelten strenge Maßnahmen: Es wurde erneut einLockdown für den Kreis Gütersloh verhängt (Infos im NRW-Live-Ticker). Und viele Verbraucher fragen sich: Kann ich Fleisch und Wurst aus dem Schlachtbetrieb von Clemens Tönnies, der auf Schalke zurückgetreten ist, noch kaufen?

Fleisch von Tönnies: Ansteckung mit Coronavirus unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen

Dabei geht es zum einen um eine mögliche Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus über den Verzehr von Wurst und Fleisch von Tönnies. Zum anderen aber auch darum, dass viele Käufer auch aus ethischen Gründen nun auf die Produkte verzichten möchten. 

Denn die immens niedrigen Preise für Wurst- und Fleischwaren sind offenbar - neben der immer wieder in der Kritik stehenden Tierhaltung - nur durch prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen der Mitarbeiter in der Fleischindustrie möglich.

Tönnies: Coronavirus auf dem Fleisch

Zumindest bezüglich der Ansteckungsgefahr geben die meisten Experten derzeit Entwarnung. So heißt es vonseiten der Verbraucherzentrale NRW: Nach derzeitigem Wissensstand sei es unwahrscheinlich, dass Lebensmittel Quelle einer Infektion mit dem Virus sein könnten. Es gebe keine nachgewiesenen Fälle, in denen sich Menschen durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel mit dem Coronavirus infiziert hätten. 

Allerdings gibt es auch einzelne Stimmen, die vor dem Fleisch warnen. So soll der Chef des Hygieneinstituts in Berlin, Prof. Klaus-Dieter Zastrow, gegenüber der Bild geäußert haben, dass Fleisch sei "brandgefährlich", da das Fleisch mit Arbeitern in Kontakt gekommen sei, welche mit dem Coronavirus infiziert sind.

Tönnies: Aldi und Lidl haben Fleisch des Betriebs im Sortiment

Was bleibt, sind die Umstände, unter denen die Fleisch- und Wurstwaren produziert werden. Die Arbeiter leben oft in überfüllten Sammelunterkünften. Der Lohn ist mager und Abstands- und Hygieneregeln sind in den Betrieben offenbar nur schwerlich einzuhalten. Umstände, die seit langem so bestehen. Doch seit dem heftigen Corona-Ausbruch bei Tönnies werden sie auch in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen.

Nach dem Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies sind mobile Testteams unterwegs, um Angestellte der Firma Tönnies zu Hause in ihrer Quarantäne aufzusuchen und zu testen.

Das Unternehmen Tönnies mit Hauptsitz inRheda-Wiedenbrück (NRW) schlachtet vor allem Schweine. Laut Unternehmenswebsite produziert Tönnies 850 Tonnen Tiefkühl- und Frischfleisch pro Tag. 

Dabei findet von der Schlachtung, über die Zerlegung der Tiere bis hin zum verpackten Produkt alles an einem Standort statt. Mit den fertigen Produkten werden vor allem Aldi, der seine Preise zusätzlich zur Mehrwertsteuersenkung noch weiter senkt, und Lidl beliefert. Aber auch in anderen Produkten steckt das Fleisch von Tönnies. 

Wie lange das noch so bleibt, ist allerdings fraglich. Viele Supermärkte, darunter Rewe, Aldi und Edeka, haben angekündigt, die Zusammenarbeit mit Tönnies einschränken zu wollen. Lidl will sie sogar komplett stoppen.

Marke, die zu Tönnies gehören - Neben Aldi und Lidl auch Zimbo oder Gutfried

Diese Marken und Eigenmarken enthalten Fleisch aus der Tönnies-Fabrik und werden in vielen Supermärkten wie zum Beispiel bei Aldi, Lidl, aber auch bei Edeka oder Rewe verkauft: 

  • Tillmann’s (z.B. Toasty)
  • Landjunker (Eigenmarke Lidl)
  • Meine Metzgerei (Eigenmarke Aldi Süd)
  • Zur Mühlen Gruppe (z.B. Böcklunder Würstchen)

Besonders schwer durchschaubar, welche Produkte Fleisch aus den Betrieben von Tönnies enthalten, ist es für Verbraucher bei den Produkten der "Zur Mühlen Gruppe". Denn von dem Hersteller von Fleisch und Wurstwaren stammen in Deutschland wiederum diese Marken: 

  • Gutfried
  • Zimbo
  • Böklunder
  • Lutz
  • Könecke
  • Redlefsen
  • Schulte

Laut Verbraucherzentrale würden zudem drei Kennzeichen auf den Produkten auf Fleisch vom Tönnies-Konzern hindeuten: NW 20202 EG, NW 20028 EG, NW 20045 EG. Stiftung Warentest hat derweil Schweinefleisch unter die Lupe genommen. Auch Produkte von Tönnies waren dabei.

Bewertungen im Internet können verwirrend sein - doch Vorsicht: Es gibt viele Fake-Bewertungen bei Amazon und anderen Anbietern. So Sind sie zu erkennen. Der Discounter Aldi warnt aktuell sogar davor, Fleisch zu kaufen.

Häufung von Coronavirus-Fällen auch in anderen Schlachtbetrieben

Nach Angaben des NDR arbeiten 100.000 Menschen in Deutschland in der Fleischindustrie - beim Branchenriesen Tönnies, bei Westfleisch oder auch bei Vion und Danish Crown. Auch bei Westfleisch gab es eine Häufung von Coronavirus-Infektionen. Allerdings nicht in der Größenordnung wie nun bei Tönnies. 

Die Umstände, unter denen in erster Linie Leiharbeiter am Fließband Schweine zerlegen, ist aber in allen industriellen Fleischverarbeitungsbetrieben ähnlich.

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch/dpa