Infektionsgefahr bei Fleisch?

Was bei Kauf und Verzehr von Fleisch nach der Coronavirus-Masseninfektion jetzt zu beachten ist

Nach den Coronavirus-Infektionen in einigen NRW-Fleischbetrieben fragen sich viele Kunden, ob man sich durch Fleisch infizieren kann - hier ein Faktencheck.

  • Die Meldungen über massenweise Corona-Infektionen in Schlachtbetrieben häufen sich.
  • Verbraucher sind nun zunehmend verunsichert, ob man sich durch Verzehr von Fleisch infizieren kann.
  • Experten gehen davon aus, dass es theoretisch denkbar ist - geben aber bei Einhaltung gewisser Regeln Entwarnung.

Nordrhein-Westfalen - Erst der Coronavirus-Ausbruch in einem Schlachthof von Westfleisch im Kreis Coesfeld Anfang Mai. Nun, nur wenige Wochen später, ist wieder ein Fleischereibetrieb Zentrum einer Masseninfektion. Diesmal der Schlachtbetrieb Tönnies im Kreis Gütersloh

Unternehmen:

Tönnies Holding GmbH & Co. KG

Zentrale:

Rheda-Wiedenbrück

Mitarbeiterzahl:

9007 (2018)

Gründung:

1971

Geschäftsfeld:

Lebensmittelindustrie, Schlachtbetrieb für Schweine, Verarbeitung von Schweine- und Rinderfleisch, Wurstwaren

Marktanteil: 

27 Prozent beim Schweinefleisch

Die Vorfälle bei Tönnies verunsichern viele Bürger in NRW. Sie fragen sich zum einen, welche Auswirkungen der Corona-Ausbruch auf die erst kürzlich wiedergewonnenen Lockerungen haben könnte. So sprach NRW-Ministerpräsident Armin Laschet von "dem größten, bisher nie dagewesene Infektionsgeschehen in Nordrhein-Westfalen" und kündigte zugleich einen flächendeckenden Lockdown an, sollte sich das Infektionsgeschehen weiter ausbreiten. 

Coronavirus: Kann man sich bei Fleisch infizieren?

Zum anderen fragen sich aber auch viele Verbraucher, ob von Fleisch eine Infektionsgefahr ausgeht. Kann man sich von Fleisch aus den betroffenen Schlachthöfen mit dem Coronavirus anstecken? Kann Fleisch noch bedenkenlos gegessen werden?

Theoretisch ja, so die Meinung einiger Experten vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Die Gefahr sei allerdings sehr gering. Laut Angaben der Verbraucherzentrale gibt es derzeit keine nachgewiesenen Fälle, dass sich Menschen durch den Verzehr oder etwa durch den Kontakt mit kontaminierten Lebensmittel mit Covid-19 infiziert haben. 

Coronavirus durch den Verzehr von Fleisch übertragbar? Experten geben Entwarnung

Außerdem gehe man nach derzeitigem Wissensstand immer noch davon aus, dass sich beispielsweise Nutztiere wie Schweine und Hühner nicht mit dem Coronavirus infizieren können und somit der Erreger auf den Menschen nicht übertragen werden kann. „Coronaviren können sich zudem in oder auf Lebensmitteln nicht vermehren, sie benötigen dazu einen lebenden tierischen oder menschlichen Wirt“, sagt Professor Andreas Hensel, Präsident des BfR.

Und weiter: "Es gibt keine Hinweise für Coronaviren, dass es durch den Verzehr von Lebensmitteln, wie Fleisch und daraus hergestellten Produkten, zu einer Infektion des Menschen kommt", so Andreas Hensel in einer Pressemitteilung von Freitag (19. Juni). Doch besteht ein gewisses Restrisiko, sich durch das Fleisch mit dem Coronavirus infizieren zu können. Dies tritt jedoch an einer anderen Stelle auf. 

Corona-Erreger überleben auf Fleisch nicht lange

So ist eine Schmierinfektion über Oberflächen, die kurz zuvor mit dem Coronavirus verunreinigt worden sind, durchaus denkbar. Bei Fleisch kann eine Verunreinigung durch die Erreger beispielsweise während der Schlachtung oder bei der Fleischzerlegung entstehen. Allerdings haben die Coronaviren in der Umwelt nur eine geringe Stabilität haben, sodass eine Infektion nur für einen sehr kurzen Zeitraum wahrscheinlich ist. 

Eine Schmierinfektion über ein Stück Fleisch ist theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich.

Bis das Fleisch oder die Wurst also in der Fleischtheke oder beim Verbraucher im Einkaufswagen landet, sind die Erreger höchstwahrscheinlich schon wieder abgestorben. Für den Verbraucher ist die Infektionsgefahr dadurch sehr gering. 

Schmierinfektion mit Corona über Fleisch unter gewissen Umständen durchaus möglich

Eine Schmierinfektion ist beispielsweise bei einer gesunden Person möglich, die ein kontaminiertes Stück Fleisch anfasst und sich dann direkt an den Mund, die Nase, die Augen oder die Schleimhäute fasst. Neben der Fleischverarbeitung kann ein Stück Fleisch beispielsweise auch kontaminiert werden, wenn eine infizierte Person auf das Fleisch hustet oder niest. Beim Desinfizieren der Hände machen Menschen übrigens häufig etwas falsch - das sind die häufigsten Fehler bei der Händedesinfektion. 

Allerdings gilt auch hier wieder zu beachten, dass die Viren nicht lange auf Oberflächen überleben. Die Experten des BfR geben also Entwarnung. Fleisch kann weiterhin weitgehend bedenkenlos gegessen werden (mehr News aus dem Service-Ressort von RUHR24).

Tipps für sicheren Umgang mit Fleisch

Dennoch können auch hier einige Maßnahmen beachtet werden, sodass man wirklich auf Nummer sicher geht. So hat die Verbraucherzentrale ein paar Tipps für den sicheren Umgang mit Fleisch zusammengestellt:

  • Rohes Fleisch sollte kühl transportiert und aufbewahrt werden: im besten Fall nicht wärmer als 4 Grad Celsius.
  • Ein Erhitzen der Lebensmittel verringert das Infektionsrisiko zusätzlich, da das Coronavirus hitzeempfindlich ist. Laut dem BfR am besten an allen Stellen zwei Minuten lang auf mindestens 70 Grad.
  • Kreuzkontaminationen (die Übertragung von einem Lebensmittel auf ein anderes) z. B. über Schneidebretter oder Messer gilt es durch gründliche Reinigung mit warmem Wasser und Spülmittel, die richtige Lagerung und Zubereitung zu verhindern.

Das ohnehin geringe Infektionsrisiko über Fleisch oder auch andere Lebensmittel lässt sich somit weiter reduzieren. Und auch, wenn Verbraucher konsequent die Hygieneregeln beachten: Beim Einkauf sollte man sich die Hände desinfizieren und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Vor und während der Zubereitung oder beim Anrichten von Fleisch sollte man sich grundsätzlich die Hände waschen.

Rubriklistenbild: © Christin Klose / dpa, Collage: RUHR24

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