Tierschutz oder Tierleid?

Supermärkte im Tierschutz-Test: So schneiden Aldi, Lidl und Edeka ab

Tierschutzmaßnahmen in Supermärkten
+
Tierschutzmaßnahmen in Supermärkten

Die Albert Schweitzer Stiftung hat den Tierschutz in deutschen Supermärkten getestet. Manche Resultate sind überraschend.

  • Die Albert Schweitzer Stiftung hat Tierschutzmaßnahmen in Supermärkten getestet.
  • Beim Tierschutz-Ranking wurden elf große Einzelhändler überprüft.
  • Supermarktlieblinge schneiden im Tierschutz-Ranking nicht sehr erfreulich ab.

Immer mehr Supermärkte bringen alternativen zu Tierprodukten auf den Markt. Trotzdem werden Tierprodukte noch immer im Überfluss gekauft. Wie es um den Tierschutz in den Supermärkten wirklich steht, ist fraglich. Die Albert Schweitzer Stiftung, die sich ausgiebig mit diesem Thema auseinandersetzt, hat jetzt mehrere Supermärkte auf ihre Tierschutzstandards getestet.

Tierschutz-Ranking der Albert Schweitzer Stiftung

Hierbei werden die Maßnahmen der Supermärkte auf den Prüfstand gestellt. Einen Schwerpunkt bei den Tierschutz-Richtlinien bilden zum Beispiel zwölf Tiergruppen und damit verbundene Problemfelder wie etwa die Kastenstände für Schweine oder die Anbindehaltung etwa bei Milchkühen.

Mahi Kloserhalfen, Präsident der Stiftung, erklärt, dass er eine klare Tendenz zu mehr und besseren Maßnahmen im Tierschutz feststellt aber es insgesamt noch viel Luft nach oben gebe. Viele Händler haben in den letzten Jahren eigene Tierschutz-Richtlinien veröffentlicht.

Aber häufig mangele es an konkreten Plänen, die tierquälerischen Praktiken in der Nutztierhaltung zu beenden. Laut einer Pressemitteilung der Albert Schweitzer Stiftung wird das Tierschutz-Ranking der Lebensmitteleinzelhändler deshalb regelmäßig wiederholt.

Tierschutz-Ranking: Einige Ergebnisse überraschen

Die elf größten deutschen Lebensmitteleinzelhändler konnten insgesamt in vierzehn Themenbereichen Punkte sammeln. Die vorderen Plätze zwei bis vier belegten dabei Aldi, Lidl und Kaufland. Alle drei Unternehmen liegen beim Ranking ziemlich dicht beieinander.

Aldi Nord und Aldi Süd landeten mit einem hauchdünnen Vorsprung auf dem zweiten Platz. Das verdankt Aldi unter anderem einer relativ soliden Negativliste. Das bedeutet, dass Aldi unter anderem konsequent auf Hummer, Kaninchen oder Produkte exotischer oder geschützter Tiere verzichtet. Discounter Lidl landet auf Platz drei des Rankings. Das Unternehmen punktet mit seinem Einsatz für bessere Standards in der Junghennenaufzucht.

Kaufland hingegen ist es nicht gelungen, genügend Punkte zu sammeln, um es auf die Top-Plätze zu schaffen. Der Lebensmitteleinzelhändler schafft es nur auf Platz vier. Allerdings sind alle zuvor genannten Supermärkte Mitglied im Initiativkreis des Tierschutzstandards Aquakultur.

Allerdings kündigte Aldi an, die Preise für Milchprodukte weiter senken zu wollen - zum Entsetzen der Landwirte. Mit Tierschutz hat das ebenfalls wenig zu tun.

Tierschutz: Edeka und Netto landen hinten im Ranking

Ziemlich überraschend ist die Platzierung von Edeka und Netto. Denn die liegen deutlich weiter hinten im Tierschutz-Ranking. Damit hat wohl keiner gerechnet: Edeka schafft es nur auf den siebten PlatzNetto sogar nur auf den neunten. Beide Supermärkte konnten im Tierschutz-Test überhaupt nicht glänzen, denn sie haben laut der Stiftung keine umfassenden Tierschutz-Vorgaben. 

Der erste Platz geht übrigens an den Lebensmitteleinzelhändler Tegut, der hauptsächlich in Hessen und Thüringen vertreten ist.

Die Ergebnisse des Tierschutz Rankings von der Albert Schweitzer Stiftung 2020

Das Fazit der Tierschutz Stiftung

Des Tierschutz-Tests zufolge zieht die Albert Schweitzer Stiftung ein weniger erfreuliches Fazit. Alle Unternehmen könnten maßgeblich beeinflussen, welche Tierschutzstandards sie bevorzugen. Dennoch kommen die meisten dieser Verantwortung demnach nur mangelhaft nach. Die meisten Händler haben sich in den letzten Jahren jedoch bereits auf einen guten Weg gemacht.

Es sei erfreulich, dass viele von ihnen überhaupt Tierschutz-Richtlinien formuliert oder auch veröffentlicht haben. Aber jetzt wäre es Zeit, diese auch konkret umzusetzen, damit sich tatsächliche Fortschritte für den Tierschutz ergeben, sagt Mahi Klosterhalfen, Präsident der Stiftung. Die Albert Schweitzer Stiftung kündigt an, die Supermärkte in zwei Jahren erneut auf den Prüfstand zu stellen, um die Fortschritte der Unternehmen unter die Lupe zu nehmen.

Nina Grundmann