Neue Gebührenordnung

Kosten beim Tierarzt explodieren: Eine Behandlung wird besonders teuer

Die Tierarzt-Kosten werden ab 22. November deutlich steigen. Abhilfe soll eine Tierkrankenversicherung schaffen – diese steht aber in der Kritik.

Dortmund – Neben steigenden Gas- und Strompreisen müssen Tierhalterinnen und Tierhalter nun auch noch mit deutlichen Mehrkosten beim Tierarzt rechnen. Dafür sorgt die erste Änderung der Gebührenordnung (GOT) der Bundestierärztekammer seit 23 Jahren. Für Tierbesitzer bedeutet dies, dass sie in Zukunft deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen. 

Eingetragener VereinBundestierärztekammer
Gründung1954
Mitglieder17 Landestierärztekammern mit 43.461 Tierärzten (2020)

Preis-Schock beim Tierarzt: Katzenhalter zahlen mehr als das Doppelte

Besonders erheblich ist der Kostenanstieg bei Katzen. So kostet eine einfache Untersuchung für Samtpfoten ab dem 22. November 23,62 Euro statt wie bislang 8,98 Euro. Dies bedeutet eine Preissteigerung um rund 163 Prozent. Bei Hunden liegt das Plus bei rund 75 Prozent. Für die Grunduntersuchung müssen Hundehalter künftig 23,62 Euro statt 13,47 Euro berappen.

Fast verdoppeln werden sich die Preise beim Tierarzt für Impfungen bei Katzen und Hunden von 5,77 Euro auf 11,50 Euro. Verhältnismäßig geringer sind die Preisdifferenzen bei Röntgenaufnahmen und stationärer Unterbringung (jeweils rund 12 Prozent). Dies geht aus einem Informationsschreiben der Bundestierärztekammer hervor.

BehandlungKosten bisher Kosten ab November
Erste und zweite Röntgenaufnahme (jeweils)26,53 Euro32,07 Euro
Kastration19,24 Euro30,32 Euro
Allgemeine Untersuchung (Stubenvögel)7,04 Euro11,26 Euro
Allgemeine Untersuchung (Hunde)13,47 Euro23,62 Euro
Quelle: Tierärzte Thüringen

Tierarzt-Kosten explodieren – Verbraucherschützer warnen vor verstecken Zahlungen

Verbraucherschützer warnen dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) zufolge, dass je nach Art der Behandlung noch weitere versteckte Tierarzt-Kosten auf die Tierbestizer warten können.

So sind Beratung, Zeitaufwand, Narkose- und Schmerzmittel nicht in den gestiegenen Grundkosten enthalten. Auch der Zeitpunkt (z.B. Nacht- oder Notdienst) beeinflusst die Gebühren. Außerdem beanschlagen Tierärzte eine Umsatzsteuer von 19 Prozent pro Behandlung.

Der Deutsche Tierschutzbund geht davon aus, dass nun deutlich mehr Tierhalter eine Tierkrankenversicherung abschließen werden. Die Kosten beim Tierarzt würden von vielen unterschätzt und eine Versicherung sei eine gute Möglichkeit, um diese auszugleichen. Diese sind allerdings teuer und sollten im Vorfeld verglichen werden, denn nicht alle Versicherungen bieten den gleichen Schutz an (mehr Service-News bei RUHR24).

Explodierende Tierarzt-Kosten: Erste Anpassung seit 23 Jahren

Die Bundestierärztekammer bittet alle Tierhalter um Verständnis für die steigenden Tierarzt-Kosten und verweist in seinem Schreiben darauf, dass „die Höhe der Anpassung noch nicht einmal dem Inflationsausgleich entspricht und dementsprechend äußerst maßvoll ist“. Die erste Verordnungsänderung seit 1999 solle vor allem dazu führen, dass sich neuere medizinische Verfahren in der GOT wiederfinden.

Tierarzt-Kosten explodieren ab dem 22. November.

Besonders schwerwiegend werden sich die Preissteigerungen dem Tierschutzbund zufolge in der Landwirtschaft bemerkbar machen. Das Problem sei vor allem die geringe Bereitschaft der Landwirte, kranke Tiere behandeln zu lassen. Diese hätten wirtschaftlich nämlich einen zu geringen Wert. Letztendlich fürchtet der Tierschutzbund, dass sich dies negativ auf das Tierwohl auswirken könnte.

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