Forderung von Pfandsystem

Glas oder Tetrapak: Welche Verpackung ist nachhaltiger?

Viele Verbraucher achten beim Kauf von Lebensmitteln auch auf die Verpackung. Doch was ist besser für die Umwelt: Glas oder Tetrapak?

NRW – Nicht nur Inhaltsstoffe von Produkten werden Verbrauchern immer wichtiger, sondern auch deren Verpackungen. Glas und Papier gelten als besonders nachhaltig, Tetrapaks sind dagegen umstritten. Doch welches Material ist wirklich am besten für die Umwelt?

UnternehmenTetrapak
GründerRuben Rausing
Gründung1951, Lund, Schweden

Glas oder Tetrapak – Nachhaltigkeit ist für den Kunden oft nicht ersichtlich

Flaschen aus Glas, Dosen, Einweg- oder Mehrweg-Plastikflaschen und natürlich Tetrapak: Im Handel gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten, Getränke zu verpacken. Für Kunden kann es schnell undurchsichtig werden, welche Variante wirklich ressourcenschonend und nachhaltig ist.

Das Umweltbundesamt beschäftigt sich bereits seit 2002 mit dieser Frage und hat in diesem Jahr zum ersten Mal die Ökobilanzen von verschiedenen Getränkeverpackungen berechnet. Das damalige Ergebnis: Mehrweg-Pfandsysteme und Tetrapaks sind am nachhaltigsten, wie utopia berichtet.

Unterschiede zwischen Glas und Tetrapak: Was ist besser für die Umwelt?

Grundsätzlich besteht Tetrapak aus Papier, Aluminium und Kunststoff und sind im Vergleich zu anderen Verpackungen sehr leicht. Dadurch braucht es beim Transport weniger Energie, gleichzeitig ist das Recycling der Kartons wegen der verschiedenen Materialien relativ aufwendig. Tetrapak landet mit anderen Abfällen im gelben Sack, zum Recyceln muss man sie erst vom restlichen Müll trennen.

Glasflaschen sind zwar viel schwerer als Tetrapaks, dafür sind viele Behälter Mehrweg-Pfandflaschen, die von den Herstellern direkt neu befüllt werden. Laut dem Naturschutzbund Deutschland verwenden Hersteller eine Glasflasche bis zu 50 Mal wieder. Recycling ist hier durch die klare Trennung von Glas zu anderem Müll ebenfalls recht einfach.

Studie zu Glas und Tetrapak: Forscher kommen 2018 zu gleichen Ergebnis wie 2002

Doch wie aktuell sind die Nachforschungen des Umweltbundesamtes von 2002? Damals war auch das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) beteiligt. Das Institut berechnete die Ökobilanzen 2018 erneut und kam zu einem ganz ähnlichen Ergebnis.

In Sachen Nachhaltigkeit sind Glas und Tetrapak demnach gleichauf. Bei Milch seien Tetrapaks sogar besser, weil es kaum Mehrwegsysteme für Milchflaschen ohne lange Transportwege gibt (mehr Ratgeber unter RUHR24.de).

Glas und Tetrapak: Umwelthilfe kritisiert Forschung der IFEU

Die Ergebnisse der Studie sind aber mit Vorsicht zu genießen. Die deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die Berechnungen der IFEU. Sie würden von falschen Annahmen ausgehen. Eine Veröffentlichung des Instituts musste 2019 sogar aufgrund falscher Angaben zurückgezogen werden.

Das IFEU soll bei seiner Berechnung etwa davon ausgehen, dass 60 Prozent der Tetrapaks tatsächlich recycelt werden. Die DHU geht dagegen von einem geringeren Wert, etwa 35 Prozent, aus.

Nicht nur die Produktion von Kunststoff und Aluminium, sondern auch die des Kartons haben eine Schadstoffanreicherung in Gewässern zur Folge. Laut der DUH landen mehr als ein Drittel der Tetrapaks im falschen Müll und zum Teil auch in der Umwelt. Das habe die IFEU nicht berücksichtigt.

Deutsche Umwelthilfe fordert Pfandsystem auch für Tetrapak

Allerdings bemängelt die DUH nicht nur die Berechnungen der IFEU, sondern auch die Tatsache, dass die Ökobilanzen von 2002 nicht mehr zutreffend sind. Seit 2002 soll nämlich der Plastikanteil in Tetrapaks gestiegen sein, das verringert den Anteil von nachwachsenden Rohstoffen in den Verpackungen. 

Laut DUH produziert Tetrapak etwa 700.000 Tonnen Plastik im Jahr und steht damit auf einer Stufe mit Nestlé und Coca-Cola. Die deutsche Umwelthilfe fordert deswegen, dass auch Tetrapak mit Pfand versehen wird. Nur so könne man sie getrennt entsorgen und besser recyceln.

Deutsche Umwelthilfe: Glas ist nachhaltiger als Tetrapak, aber nicht immer

Insgesamt kommt die Umwelthilfe zu dem Ergebnis, dass Glasflaschen meist ökologischer sind als Tetrapaks, allerdings setzt das Transportstrecken von weniger als 600 Kilometer und eine mehrfache Verwendung der Behälter voraus. Glasflaschen haben gegenüber Tetrapaks und anderen Verpackungen laut der Süddeutschen Zeitung zudem den Vorteil, dass sie keine potenziell ungesunden Stoffe an die Flüssigkeit abgeben.

Auch Lidl denkt in puncto Verpackungen um. Der Discounter möchte bei seiner Eigenmarke zukünftig weniger Plastik einsetzen. Allerdings betrifft das vorerst nur Aktions-Sortiment.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa, Tobias Hase/dpa; Collage: RUHR24