Messenger-Dienst in der Kritik

WhatsApp: Ärger wegen Datenschutz - ist Telegram eine gute Alternative?

Angesichts der neuen Datenschutz-Richtlinien wollen viele WhatsApp-Nutzer den Messenger-Dienst wechseln. Insbesondere Telegram profitiert davon – allerdings wohl zu Unrecht.

Deutschland – Bereits seit mehreren Tagen sorgt der Messenger-Dienst WhatsApp für Aufruhr bei den Nutzern. Eine neue Datenschutz-Richtlinie wird eingeführt, der Aufschrei ist groß. Viele drohen jetzt zur Konkurrenz zu gehen – immer wieder wird dabei die Messenger-App Telegram ins Spiel gebracht.

AnwendungWhatsApp
Veröffentlichungsdatum3. Mai 2009
EigentümerFacebook Inc.

WhatsApp-Boykott nach Datenschutz-Eklat: Nutzer wechseln zu Telegram

Die neuen WhatsApp-Richtlinien sollen dem Messenger-Dienst ermöglichen, die Daten der Nutzer auch mit anderen Facebook-Unternehmen oder Werbepartnern zu teilen. Zur Info: WhatsApp ist seit 2014 Teil der Facebook Inc. Was jedoch nicht klar hervorgeht und dadurch zur Verwirrung bei den WhatsApp-Nutzern führte, ist, dass diese Richtlinie nicht im europäischen Raum gilt.

Doch die Lawine ist in Gang gesetzt, die Wut der Nutzerinnen und Nutzer über den vermeintlich mangelnden Datenschutz entfacht. Diese sind schon auf der Suche nach Alternativen zum Messenger-Dienst wie etwa Threema oder Signal. Besonders häufig fällt in dem Zusammenhang aber der Name Telegram.

Telegram oder WhatApp? App aus Russland verzeichnet enormen Zuwachs

Dort ist seit Beginn des Jahres 2021 der Anstieg der Nutzerzahlen enorm. In der ersten Januarwoche knackte der Messenger-Dienst aus Russland die 500-Millionen-Marke an aktiven Nutzerinnen und Nutzern. Innerhalb der vergangenen 72 Stunden habe es allein 25 Millionen Neuanmeldungen gegeben, teilte Telegram-Gründer Pavel Durov am Dienstag (12. Januar) mit (mehr Digitales auf RUHR24.de).

Damit scheint doch eine vermeintlich sichere Alternative zu WhatsApp, das übrigens noch eine neue Funktion einführt, gefunden. Wer allerdings seine Daten sicher wissen will, sollte nicht in die Telegram-Euphorie einsteigen. Denn ein Wechsel zu dem Messenger könnte die Situation eher verschlimmern.

Datenschutz bei Telegram: App ist nicht transparenter als WhatsApp

Die Plattform Telegram, die zuletzt unter anderem als Zufluchtsort von Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern bekannt wurde, scheint bei genauerer Betrachtung ein undurchsichtiges Gebilde zu sein – und bietet sogar weniger Sicherheit als WhatsApp. Wie RND berichtet, ist nicht einmal der genaue Standort des Unternehmens bekannt.

In den FAQ von Telegram heißt es, das Entwicklungsteam befinde sich in Dubai. Wo genau die Server stehen, ist jedoch weitestgehend unklar. Ein Beispiel für die mangelnde Transparenz der App.

Neue WhatsApp-Richtlinien führen zu Nutzer-Wechsel – Telegram profitiert

Über die Handhabung mit den Nachrichten schreiben die Entwickler selbst in den FAQ, dass alle Nachrichten „immer sicher verschlüsselt“ seien. Und: „Nachrichten in geheimen Chats verwenden die Client-Client-Verschlüsselung, während Cloud Chats die Client-Server/Server-Client-Verschlüsselung verwenden und in der Telegram Cloud verschlüsselt gespeichert sind“, heißt es weiter.

Das Portal heise.de berichtete im November sogar, Telegram sei ein „Datenschutz-Albtraum“ und belegt diese These in ausführlichen Tests. Diese zeigen, dass bei Telegram alles zentral gespeichert und bei Bedarf ausgeliefert werde. Solche zentralen Datenbanken gebe es bei WhatsApp nicht.

„Geheime Chats“ bei Telegram: Datenschutz kaum gesichert

Sicher seien nur sogenannte „geheimen Chats“ bei Telegram. Allerdings seien diese so gut versteckt, dass sie kaum jemand nutzen dürfte, vermutet das Portal. Dementsprechend interagieren die meisten User auf Kanälen, die für Telegram lesbar seien.

Wer also unter dem Deckmantel des Datenschutzes zu Telegram wechselt, sollte sich im Vorfeld doch noch nach einer anderen Option umsehen. Denn scheinbar sind die Daten bei WhatsApp sicherer gelagert – zumindest in Europa.

Rubriklistenbild: © Sergei Konkov/dpa

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