Noch bis Ende des Jahres

Corona-Pandemie: Krankschreibung via Telefon wieder möglich – so klappt‘s

Frau telefoniert und schaut dabei auf ihre Versichertenkarte
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Sie ist zurück: die Krankschreibung per Telefon.

Viele wollen einen Arztbesuch in der Coronavirus-Zeit vermeiden. Wegen steigender Zahlen ist nun die telefonische Krankschreibung wieder möglich.

Dortmund – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sie schon angekündigt und jetzt ist es beschlossene Sache: Die telefonische Krankschreibung kommt zurück. Angesichts der sich zuspitzenden Coronavirus-Situation hat sich der Gemeinsame Bundesausschuss im Gesundheitswesen jetzt darauf geeinigt.

Krankschreibung mit einem Praxisbesuch war ein Corona-Risiko für Patienten und Ärzte

Wenn die Glieder schmerzen, die Nase läuft und der Hals schmerzt, will man am liebsten einfach nur im Bett bleiben und Tee trinken. Doch wer eine Krankschreibung für die Arbeit braucht, musste sich bisher aufraffen, um sich in einer oftmals überfüllten Arztpraxis vom Arzt begutachten und krankschreiben zu lassen.

Das ist besonders in Anbetracht der aktuellen Corona-Lage mit steigenden Infektionszahlen und vielen Risikogebieten innerhalb Deutschlands mit einem gewissen Risiko verbunden gewesen. Nicht nur für den Patienten selbst, – wer weiß, wer im Wartezimmer mit dem Coronavirus infiziert ist – sondern auch für Ärzte und Praxisangestellte, denn jeder Patient birgt die Gefahr, das SARS-CoV2 einzuschleppen.

Telefonische Krankschreibung: AU erneut via Telefon möglich

Aufgrund dieser nun steigenden Gefahr hat der Gemeinsame Bundesausschuss am Donnerstag (15. Oktober) beschlossen, die Regelung der telefonischen Krankschreibung erneut einzuführen. Denn die Idee ist keine neue. Bereits im Frühjahr, als die Infektionszahlen mit dem Coronavirus zu steigen begannen, wurde die telefonische Krankschreibung temporär eingeführt, im Sommer dann wurde die Krankschreibung via Videosprechstunde erlaubt.

Doch zumindest die Krankschreibung per Telefon gab es im Sommer mit Ende der Erkältungszeit dann nicht mehr, die Regelung wurde wieder aufgehoben. Das wurde von Ärzten teilweise heftig kritisiert. „Das ist unverantwortlich. Diese Patienten könnten eine harmlose Erkältung haben, aber auch an Covid-19 erkrankt sein und damit Ärzte, Praxispersonal sowie andere Patienten mit teilweise schweren Erkrankungen anstecken“, zitiert der WDR Wieland Dietrich, Vorsitzender der Freien Ärzteschaft.

Video: So läuft die Krankschreibung per Video ab

Telefonische Krankschreibung: AU via Telefon hat Praxen im Frühjahr stark entlastet

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat sich Ende September dafür stark gemacht, die Krankschreibung per Telefon wieder einzuführen. Demnach habe das Instrument der telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) die Praxen im März und April erheblich entlastet.

„Wir werden uns im Gemeinsamen Bundesausschuss dafür stark machen, dass wieder die Möglichkeit der telefonischen AU eingeführt wird“, kündigte der stellvertretende Vorstandschef Dr. Stephan Hofmeister an – mit Erfolg. Ab Montag (19. Oktober) können sich Patienten und Patientinnen, die an einer leichten Atemwegserkrankung leiden, telefonisch bis zu sieben Tage krankschreiben lassen.

Telefonische AU: Krankschreibung kann um sieben Tage verlängert werden

Aber ein Anruf allein mit der Botschaft „Hallo, ich bin krank“ reicht nicht aus. Niedergelassene Ärzte und Ärztinnen müssen sich persönlich – am Telefon – vom Zustand des Patienten durch eine eingehende Befragung überzeugen. Nur dann ist die Krankschreibung möglich. Laut Gemeinsamen Bundesausschuss kann eine einmalige Verlängerung der Krankschreibung für weitere sieben Tage ausgestellt werden. Die Regelung soll zunächst bis Jahresende (31. Dezember) gelten.

Ob die Möglichkeit der telefonischen Krankmeldung in der Coronavirus-Pandemie die Krankschreibungen in die Höhe schießen lässt, bleibt abzuwarten. Zwar vermeldete der AOK Bundesverband am Donnerstag (15. Oktober), dass diese Möglichkeit Einfluss auf die erhöhten Krankenstände im März und April im Vergleich zu den Vorjahren gehabt haben kann. (alle News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24.de)

„Gleichzeitig sprechen die Daten dafür, dass Ärzteschaft und Beschäftigte mit dieser temporären Regelung verantwortungsvoll umgegangen sind“, betont Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK in einer Mitteilung. Zudem seien die Krankmeldungen im Mai – wo die telefonische Krankmeldung weiterhin möglich war – leicht hinter dem Durchschnitt der verganenen zehn Jahre zurückgeblieben.