Prüfer decken auf

Tee im Öko-Test: Pflanzengifte und Pestizide entdeckt

In seiner Septemberausgabe hat das Verbrauchermagazin Öko-Test Kräutertee auf den Prüfstand gestellt. Viele Marken schneiden gut ab – einige enthalten aber Problemstoffe.

Deutschland – Am ersten September ist meteorologischer Herbstanfang – und auch das Wetter zeigt sich in der nächsten Zeit herbstlich. Für viele Menschen gibt es an unbeständigen Herbsttagen nichts Schöneres, als es sich mit einer Tasse Tee und einer Kuscheldecke auf dem Sofa so richtig gemütlich zu machen. Das perfekte Timing also, um die Kräutertees bekannter Marken einem kritischen Blick zu unterziehen.

Öko-TestVerbrauchermagazin
HauptsitzFrankfurt
Erstausgabe1985

Öko-Test prüft Kräutertee – 50 Produkte wurden auf Problemstoffe hin untersucht

In seinem aktuellen Tee-Test hat Öko-Test insgesamt 50 Produkte geprüft. Darunter sowohl lose als auch solche mit Teebeutel. Die Kräutermischungen enthalten zwischen drei und 49 Zutaten – am häufigsten das Trio Fenchel, Anis und Kümmel.

Die Tees beliebter Marken wurden in Super- und Drogeriemärkten, Discountern oder Bio-Läden gekauft. Insgesamt haben 31 der Produkte ein Bio-Siegel. Im Labor wurden die Kräutermischungen auf bedenkliche Stoffe hin untersucht.

Tee im Test: Die Hälfte ist gut und besser – das Gesamtergebnis kann sich sehen lassen

Außerdem war für die Bewertung relevant, ob die Tees mit dem Hinweis versehen sind, dass sie mit sprudelnd kochendem Wasser aufzubrühen sind. Denn nur so können Keime zuverlässig abgetötet werden.

Das insgesamt erfreuliche Ergebnis: 26 Produkte – also mehr als die Hälfte der Kräutertees – sind absolut empfehlenswert. 21 der geprüften Mischungen erhalten von Öko-Test sogar die Bestnote „sehr gut“ (weitere Testberichte auf RUHR24).

Kräutertee im Test: Pflanzengifte und Pestizide sind ein großes Problem

Leider finden die von Öko-Test beauftragten Prüfer aber auch zahlreiche bedenkliche Stoffe in den beliebten Kräutermischungen. Das Hauptproblem sind dabei Pflanzengifte und Pestizidrückstände. Insgesamt sieben Produkte erhalten aufgrund solcher Funde sogar die vernichtende Note „ungenügend“ – weitere vier sind nur „mangelhaft“.

Das sind drei der sieben Testverlierer mit besonders vielen Problemstoffen:

  • Produkt: Edeka Kräuter-Tee, Bio, 20 Beutel; Anbieter: Edeka; Preis pro 100 Gramm: 2,48 Euro; Hauptbestandteile: Pfefferminze, Kamille, Zitronengras; Pestizidbelastung: Chlorpyrifos; 1 Pestizid erhöht, 1 Pestizid in Spuren; Belastung mit Pflanzengiftstoffen: PA erhöht; Testergebnis Inhaltsstoffe: ungenügend; Gesamturteil: ungenügend
  • Produkt: Lord Nelson Bio Organic Neun Kräuter, 20 Beutel; Anbieter: Lidl; Preis pro 100 Gramm: 2,73 Euro; Hauptbestandteile: Pfefferminze, Zitronengras, Rotbusch; Pestizidbelastung: Chlorpyrifos; 1 Pestizid in Spuren; Belastung mit Pflanzengiftstoffen: TA in Spuren; Testergebnis Inhaltsstoffe: ungenügend; Gesamturteil: ungenügend
  • Produkt: Gepa Kräuter Tee Mischung, 20 Beutel; Anbieter: Gepa; Preis pro 100 Gramm: 8,79 Euro; Hauptbestandteile: Brennnessel, Pfefferminze, Hagebutte; Pestizidbelastung: Chlorpyrifos; Belastung mit Pflanzengiftstoffen: PA erhöht; Testergebnis Inhaltsstoffe: ungenügend; Gesamturteil: ungenügend
  • Weitere Verlierer, die viele Schadstoffe enthalten, sowie sämtliche Testgewinner gibt es bei Öko-Test (Bezahlartikel).

Öko-Test deckt auf: Erbgutschädigende und krebserregende Pestizide in Tees

Die Prüfer weisen in zahlreichen der kritisierten Tees das bedenkliche Insektizid Chlorpyrifos nach – auch in Bio-Produkten. Dieses Insektizid ist seit April 2020 in der EU nicht mehr zugelassen. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft das Mittel als gesundheitlich bedenklich ein, denn es steht im Verdacht, sich negativ auf das Erbgut und die neurologische Entwicklung von Kindern auszuwirken.

Öko-Test erklärt, dass die gefundenen Gehalte in sämtlichen Fällen nur knapp über dem erlaubten Höchstwert von 0,01 mg/kg lägen. Eben dieses sei der Grund, weshalb die Tees dennoch verkauft werden dürften.

Neben Chlorpyrifos finden die Tester außerdem in einigen Mischungen ein weiteres Pestizid: Glyphosat. Das stark umstrittene Mittel steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Kräuter für Kräutertee liegen auf einem Teller – oft gelangen ungewollt „Beikräuter“ in die Mischung. (Symbolbild)

Pflanzengift in Kräutertee – für Verbraucher besteht Gesundheitsgefahr

Neben Pestiziden entdecken die Prüfer auch Pflanzengifte in einigen der Tees – und zwar auch in solchen, die für Kinder, Schwangere und Stillende empfohlen werden. In insgesamt zehn Produkten wies das Labor Pyrrolizidinalkaloide (PA) in erhöhten Mengen nach. Diese sind laut Öko-Test über längere Zeit verzehrt schon in geringen Mengen leberschädigend, krebserregend und erbgutschädigend.

Besonders kritisch: In einem Tee finden die Prüfer Tropanalkaloide (TA). Diese sind sogar akut giftig – und können in größeren Mengen zu Kopfschmerzen, Übelkeit oder Benommenheit führen. Wie Öko-Test erklärt, gelangen solche Gifte durch Beikräuter in die Tees, die aus Versehen mit geerntet werden. Das Problem sei den Herstellern seit Langem bekannt.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Karl-Josef Hildenbrand, Ökotest; Collage: RUHR24

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