Reportage deckt auf

Tchibo Kaffee und Kleidung: Sind die TCM-Produkte empfehlenswert?

Eine Tchibo-Filiale mit Kunden in Hamburg
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Tchibo ist längst nicht nur wegen des Kaffees beliebt. Aber wie gut sind die Produkte?

In den Filialen von Tchibo gibt es längst mehr zu kaufen als Kaffee. Zum Beispiel Haushaltswaren oder Kleidung. Wie gut die Produkte sind, wurde jetzt genau unter die Lupe genommen.

Deutschland - Haushaltswaren, Kleidung und Accessoires oder Geschenkideen zu Weihnachten: Das Sortiment von Tchibo umfasst nicht nur Kaffee. Aber sind die verschiedenen Produkte auch empfehlenswert?

UnternehmenTchibo
CEOThomas Linemayr (2016–)
HauptsitzHamburg

Nicht nur Kaffee bei Tchibo: Wie gut ist die Kleidung und andere Produkt wirklich?

Der Frage ging die Dokumentations-Reihe ZDFzeit nach. Denn das Image, dass Tchibo pflegt ist laut Watson ein gutes. Die Produkte aus dem Kaffeehaus gelten als qualitativ hochwertig und gleichzeitig erschwinglich.

Das Sortiment von Tchibo wechselt jede Woche und ist passend zur Saison. Im Frühjahr ist etwa Geschirr mit Oster-Motiv erhältlich, im Sommer gibt es unter anderem Bikinis und im Winter bietet das Unternehmen neben Schmuck auch andere Geschenkideen. Und das in 500 Filialen in Deutschland sowie kleineren Ablegern innerhalb von Supermärkten.

Qualität bei Tchibo: Cappuccino schneidet schlechter ab als Konkurrenz

Bei dem Test von ZDFzeit wurde nicht nur die Qualität der Produkte von Tchibo überprüft, sondern auch ihre Preise sowie die Fairness und ihre Auswirkungen auf die Umwelt.

Dabei wurde auch der Kaffee untersucht. Mit überraschendem Ergebnis: Laut der ZDF-Reportage kann der Cappuccino des Unternehmens im Geschmack nicht mit dem anderer Marken mithalten. Der gängige Filterkaffee „Beste Bohne“ schneidet allerdings besser als die Konkurrenz ab.

Diese Sorte ist laut Watson einer der beliebtesten Kaffeesorten in Deutschland. Sie wird als Direktimport hauptsächlich aus Brasilien bezogen. Mit dieser Strategie machte Tchibo-Gründer Max Herz den Kaffee schon in der Nachkriegszeit erschwinglich für jedermann.

Video: Plötzlich kein Kaffee mehr? Das passiert mit dem Körper

Fairtrade und Qualität bei Tchibo: „Bemühen alleine reicht noch nicht“

Der direkte Kontakt zu den Anbaugebieten bedeutet allerdings nicht, dass Tchibo vor Ort in den Ländern für Wohlstand sorgt. Laut der ZDF-Reportage trägt nur ein Viertel des Kaffee-Sortiments ein Fairtrade-Siegel. Von den beliebten und auch günstigeren Filterkaffees ist kein einziger mit einem solchen Siegel ausgezeichnet.

„Das Unternehmen Tchibo räumt selbst in seinem Nachhaltigkeitsbericht ein, dass man an einigen Stellen auf dem Weg ist, aber dass man von existenzsichernden Löhnen noch weit entfernt ist“, sagt Friedel Hütz-Adams von Südwind e.V. in der Dokumentation. „Wenn ich mir einen Tchibo-Kaffee hole, weiß ich, dass ich ein Unternehmen vor mir habe, das sich bemüht. Aber Bemühen alleine reicht noch nicht.“

Kleidung bei Tchibo: Wie vertrauenswürdig ist das Siegel „TCM“?

Kaffee ist aber längst nicht das einzige bekannte Produkt von Tchibo. Mittlerweile machen unter anderem Küchenartikel und Kleidung rund die Hälfte des Umsatzes aus. Zwischen 3000 und 4000 Artikel werden jedes Jahr neu für die Filialen entwickelt. Sie werden unter dem Label „TCM“ verkauft, was für „Tchibo Certified Merchandise“ steht. Dieses soll gleichzeitig als Qualitätssiegel dienen. Aber ist darauf Verlass?

Schließlich hat Tchibo das Siegel und seine Kriterien selbst entwickelt. Welche genau das sind, lässt das Unternehmen nicht einmal auf seiner Website eindeutig durchsickern. Hier heißt es dazu lediglich: „Wir kontrollieren die Artikel von der Produktion bis zum Verkauf kontinuierlich auf die Einhaltung unserer strengen Qualitätsanforderungen. Dazu werden unsere Produkte sowohl in eigenen Tests als auch von unabhängigen Prüfinstituten umfassend geprüft. Wenn alle Kriterien erfüllt sind, wird das TCM-Siegel vergeben.“

Die Verbraucherzentrale Berlin hält das TCM-Siegel für einen „guten Marketingtrick“. Allerdings geben Öko-Test und Stiftung Warentest dem Tchibo-Siegel oftmals recht. Auch laut der ZDF-Reportage seien die Produkte meistens gut.

Bienenwachs und Chemie in der Kleidung: Tchibo schneidet zwiegespalten ab

Besonders positiv seien die Regenjacken und die sonstige Outdoor-Kleidung von Tchibo. Diese versiegelt das Unternehmen mit Bienenwachs anstatt mit umweltschädlichen PFC. Trotzdem schneidet die Kleidung im Praxistest nicht schlechter ab als die Konkurrenz.

Allerdings wurden im Labor geringe Mengen von Chemikalien an der Kleidung gefunden. Und das, obwohl das Unternehmen an der Detox-Initiative von Greenpeace teilnimmt. Im Rahmen dieser haben sich mehrere Unternehmen dazu verpflichtet, bis 2020 die Schadstoffe in ihren Produkten zu ersetzen. Auch H&M und Adidas sind dabei.

100 Euro Monatslohn: Seit dem Skandal um Tchibo hat sich nur wenig getan

Doch wie steht es um die Fairness gegenüber der Näherinnen? 2005 wurde Tchibo vorgeworfen mit seiner Produktionsstätte Arbeits- und Menschenrechte zu verletzen. Bei einer Reise nach Bangladesch erfahren die Reporter vom ZDF, dass sich seitdem nur wenig getan habe. Demnach soll das Unternehmen nur 100 Euro (circa 10.000 Bangladeschischer Taka) pro Monat bei 54 Wochenstunden zahlen. Das reicht nicht zum Überleben. Allein eine Wohnung kostet in Bangladesch zwischen 6000 und 10.000 Taka.

„Ich erwarte, dass Tchibo sicherstellt, dass sich die Arbeitsbedingungen bei den Produzenten verbessern. Man kann immer damit drohen, dass man Aufträge abzieht, wenn die Arbeitsbedingungen vor Ort sich nicht verändern“, so Gisela Burckhardt von Femnet e.V. gegenüber ZDFzeit. Noch gebe es in Bangladesch keine fairen Arbeitsbedingungen.

Tchibo argumentiert, dass das Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig sei, wenn man die Löhne erhöhen würde.