Folgen für Tätowierte

Tattoos sind gefährlich: Neue Studie mit Schock-Ergebnissen

Gründe für eine Tätowierung gibt es viele. Eine neuste Studie offenbart nun, dass es mindestens so viele Risiken gibt – insbesondere was die Farbwahl des Tattoos betrifft.

Dortmund – Tätowierer hat die Corona-Krise schwer getroffen. Lange blieben die Tattoo-Studios aufgrund der Pandemie geschlossen – erst seit März 2021 dürfen sie wieder öffnen. Eine neue Studie liefert nun Erkenntnisse über Tattoofarben, die die Euphorie möglicherweise wieder dämpfen könnten.

Tätowierungen: Forscher untersuchen Tattoofarben – das Ergebnis schockiert

Jeder Fünfte hat in Deutschland mindestens ein Tattoo. Das ergab 2019 eine Umfrage des Ipsos-Instituts. Inzwischen dürften es mehr als die 21 Prozent sein, denn der Trend hält weiter an. Ein Team der Universität Graz hat sich nun mit einem Forscherteam aus Schweden und Kanada einmal genauer angesehen, was sich viele genau in die Haut ritzen lassen.

Bei der Studie ging es jedoch weniger um das Motiv der Tätowierung, sondern viel mehr um die Farbstoffe, die für die Tattoos verwendet werden. Das Ergebnis ist allerdings besorgniserregend. Denn viele der untersuchten Tattoofarben entsprechen nicht den gesetzlichen Bestimmungen.

Tattoo stechen lassen: Forscher finden bedenkliche Farbpigmente

Die Wissenschaftler haben insgesamt 73 Tätowiermittel für ihre Studie untersucht und wurden nahezu in jeder Probe fündig. Insbesondere Farbpigmente, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein, bereiteten den Forschern Sorgen. Konkret geht es dabei die zwei Pigmente namens „Blau 15“ und „Grün 7“, sie enthalten häufig Kupfer, was sich im Körper anreichern kann. In drei Fällen wurde der Grenzwert deutlich überschritten.

Tätowierer verwenden die Pigmente, um zahlreiche Farbnuancen zu mischen. Auch in Haarfärbemitteln kamen sie mitunter vor, bis das Bundesinstituts für Risikobewertung (BFR) Bedenken bezüglich der Gesundheit geäußert hatte. Inzwischen sind sie deshalb verboten. Ein solches Verbot ist auch für die Tattoofarben im Gespräch und könnte ab 2022 Realität werden.

Bunte Tattoos: Jede zweite Farbe entspricht nicht den gesetzlichen Bestimmungen

Doch im Rahmen der Studie wurden nicht nur kritische Pigmente nachgewiesen, sondern auch andere bedenkliche Stoffe. „Mit Chrom und Nickel waren alle belastet. 93 Prozent der Proben verstießen mindestens gegen ein gesetzlich vorgegebenes Kriterium. 50 Prozent hatten falsche Pigmente als Inhaltsstoffe angegeben“, fasst Walter Gössler vom Institut für Chemie der Universität Graz die Ergebnisse zusammen.

In je einer Probe fanden Gössler und seine Kollegen auch Arsen, Quecksilber und Blei – chemische Stoffe, die eine Vergiftung verursachen können. Die meisten Verunreinigungen wurden in roter Tattoofarbe gefunden, die wenigsten in schwarzen und weißen Farbstoffen.

In roter Tattoofarbe wurden besonders häufig Verunreinigungen gefunden.

Bunte Tattoos: Allergische Reaktionen oder Schwermetallvergiftung drohen

Enthalten die Tattoofarben Schwermetalle wie Chrom, Nickel oder Kupfer, gelangen diese mit dem Tätowiervorgang unter die Haut. Eine leichte Belastung bleibt dabei häufig unbemerkt, im schlimmsten Fall kann sie jedoch akute Reaktionen wie Hautveränderungen, Bauch-, Kopf- und Gliederschmerzen, Unwohlsein, Müdigkeit oder Lähmungserscheinungen hervorrufen. Man spricht dann von einer Schwermetallvergiftung. Mit Medikamenten lassen sich die Metalle unter ärztlicher Begleitung in vielen Fällen wieder aus dem Körper leiten.

Auch Wissenschaftler der TU Dortmund kamen im Rahmen einer 2020 durchgeführten Untersuchung zu ähnlichen Ergebnissen. Sie fanden heraus, dass sich die Abbauprodukte der tätowierten Farben im Körper nach und nach an Proteine binden. Das kann – auch Jahre nachdem das Tattoo gestochen wurde – zu einer Immunreaktion führen.

Forscher aus Österreich fordern strengere Kontrollen von Tattoofarben

Die österreichischen Forscher geben daher den Rat, vorab einen Allergietest durchzuführen, um zu überprüfen, ob man ohnehin auf Metalle wie Nickel und Chrom reagiert. Falle dieser negativ aus, sei man jedoch nicht davor bewahrt, dass sich auch im Laufe der Zeit eine Allergie entwickeln könne.

Wie RTL berichtet, forderten die Experten daher strengere Kontrollen der Tattoofarben, und dass Tätowierwillige besser über die möglichen Gefahren aufgeklärt werden müssen. Auch sollten sich Menschen, die sich zum ersten Mal ein Tattoo stechen lassen, gut informieren. Kunden sollten ihren Tätowierer auch nach den Farben fragen und prüfen, ob dieser sich mit den Inhaltsstoffen und den möglichen Risiken auskennt.

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen/dpa

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