Bild: Friso Gentsch/dpa

Eine Tattoo-Entfernung darf künftig nur noch ein Arzt durchführen. Das hat der Bundesrat in einem neuen Beschluss entschieden. Die Änderung betrifft auch Unternehmen in der Region.

Vorsicht, falls ihr euch bald den Namen eures Partners tätowieren lasst. Falls es doch nicht die größte Liebe ist, dann lasst euch gleich einen Termin beim Hautarzt mitgeben. Denn die werden künftig vermutlich einen ziemlich vollen Terminkalender haben.

Bundesrat entschied: Nur noch Ärzte dürfen Tattoos entfernen

Der Bundesrat hat es am Freitag (19. Oktober) per Beschluss in Berlin entschieden: Eine Tattoo-Entfernung ist in Zukunft nur noch beim Arzt möglich.

Bisher durfte jeder, der einen Laser, Gewerbeschein und einen Laserschutzkurs hatte, eine Tattoo-Entfernung vornehmen. Doch damit ist bald Schluss: Ende 2020 – in zwei Jahren – tritt die Neuregelung in Kraft.

Dermatologen warnen schon lange, dass die Laser durch „unqualifiziertes Personal schwere Schäden an Patienten hervorrufen“.

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„Second-Skin“-Betreiber muss in zwei Jahren dicht machen

Maximilian Scheefeldt, Betreiber von „Second Skin“ in Castrop-Rauxel, ist von dem Beschluss des Bundesrates voll betroffen. Er hat sich immerhin auf die Entfernung von Tattoos und permanenten Make-Up spezialisiert.

Die Debatte um die private Laserentfernung hat er lange verfolgt. „Ich habe extra eine Ausbildung zum Heilpraktiker angefangen“, berichtet er.

Insgesamt 50.000 Euro steckte er in das Laser-Gerät, die Heilpraktiker-Ausbildung und alles, was noch da dran hängt. „Jetzt kann ich bald nicht mehr in meinem Beruf arbeiten“. Trotz Hygiene-Zertifikat muss auch er in zwei Jahren dicht machen.

Von der Entscheidung des Bundesrates ist Scheefeldt nicht begeistert. „Die Tattoo-Entfernung ist klar eine Sache, die mehr überwacht werden muss, aber ob es  jetzt wirklich sinnvoll ist, dass es nur noch Ärzte machen dürfen, lasse ich mal dahin gestellt.“

Sinnvoll wäre das vielleicht auch für einen Asylbewerber aus Nürnberg. Er war mit einem Hakenkreuz-Tattoo in einer Unterkunft aufgefallen.

Hautlaserungen sind vom neuen Beschluss nicht betroffen

„Das Lasern ist eine gute Einnahmequelle, die sich die Ärzte auch gut bezahlen lassen“, ist sich Scheefeldt sicher. Vor allem versteht er nicht, wieso die Neuregelung nur für Tattoo-Entfernung gilt. „Wieso dürfen dann Tätowierer noch ohne ärztliche Ausbildung arbeiten?“

Darüber wundert er sich auch bei Haarentfernung durch Laser: Auch diese sind von dem Beschluss des Bundesrates nicht betroffen.

Das alles passiert zu einer Zeit, in der Tattoos immer gesellschaftsfähiger werden. Das zeigt sich Scheefeldt schon alleine durch den Zulauf an Kunden, den er hat.

CDU-Politiker kritisiert die Neuregelung für Tattoo-Entfernungen

Auch der CDU-Gesundheitspolitiker Alexander Krauß kritisierte den Beschluss. Schließlich würden jedes Jahr 1,2 Millionen Patienten eine Laserbehandlung zur Tattoo-Entfernung in Anspruch nehmen.

„Von heute auf morgen müssten wir die Zahl der Hautärzte um die Hälfte erhöhen“, warnte Krauß laut der Deutschen Presseagentur. Die Hautärzte müssten im Schnitt jeweils 22 Wochen im Jahr durchgängig Tätowierungen entfernen, um dem neuen Beschluss gerecht zu werden, so Krauß.

Maximilian Scheefeldt muss in zwei Jahren also in seinen ehemaligen Beruf zurückgehen. Immerhin: Er ist gelernter Krankenpfleger – bei dem Pflegenotstand, so sagt er, wird es wenigstens nicht schwer für ihn, einen Job zu finden.