Preis-Rekord

Rohöl-Preis sinkt wieder: Autofahrer gucken beim Tanken weiter in die Röhre

Das Auto zu betanken ist aktuell teurer denn je. Wann sinken die Preise für Benzin und Diesel wohl wieder?

Dortmund – Wer aktuell tanken muss, wird teilweise wohl ein kleines Vermögen los. Die Preise für einen Liter Benzin oder Diesel liegen derzeit jeweils deutlich über zwei Euro. Sprit ist damit so teuer wie nie zuvor. Der Preis für Rohöl ist allerdings wieder im Sinkflug, wie RUHR24* berichtet. Warum sinkt nicht auch der Preis für Sprit?

Deutscher Bundesminister für Wirtschaft und EnergieRobert Habeck
Geboren2. September 1969 (Alter 52 Jahre), Lübeck
ParteiDie Grünen

Rohöl-Preis sinkt: Wann werden Benzin und Diesel wieder günstiger?

Wenn der Rohstoff günstiger wird, könnte eigentlich doch auch der Preis für das Endprodukt sinken – so die theoretische Überlegung. Bei Benzin und Diesel ist diese Entwicklung aktuell allerdings nicht zu verzeichnen. Der Rohölpreis sinkt aktuell trotz des Kriegs in der Ukraine* wieder, die Preise für Sprit bleiben aber konstant. Wieso?

„Die Produktmärkte haben sich weitgehend vom Ölpreis abgekoppelt“, erläutert Alexander von Gersdorff, Sprecher des Wirtschaftsverbands Fuels laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Seit dem Ukraine-Krieg besteht der politische Willen, die Einfuhren aus Russland zu verringern. Dieses Problem betrifft Rohöl und Kraftstoff gleichermaßen. Außerdem sei die grundsätzliche Nachfrage nach Benzin und Diesel gestiegen, so Gersdorff. Vor allem in Polen sei der Verbrauch derzeit höher und dieser würde teilweise auch mit Lieferungen aus Deutschland gedeckt.

Hohe Benzinpreise trotz günstigem Rohöl: Robert Habeck erhebt Zweifel

„Beide Faktoren, die höhere Nachfrage und das begrenzte Angebot, haben auf dem Weltmarkt zu den stark gestiegenen Produktpreisen und in der Folge auch zu höheren Tankstellenpreisen geführt“, erklärt von Gersdorff weiter. Die aktuell hohen Preise würden die Rohstoffknappheit widerspiegeln, so wie bei anderen Märkten auch.

Die Gesetze und Begebenheiten des Marktes sind wohl schuld an den Spritpreisen – oder doch nicht? Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat daran offenbar Zweifel. Er habe deshalb „das Bundeskartellamt gebeten, die Benzin- und Dieselpreise sehr genau zu beobachten und bei jeglichem Hinweis auf missbräuchliches Verhalten tätig zu werden“, so der Politiker.

Es sei schon seit langem ein strukturelles Problem, dass der deutsche Markt für Kraftstoff durch wenige große Unternehmen beherrscht würde. Habeck meint, dass es Unternehmen nicht möglich sein dürfe, aus der aktuellen Krise „unangemessene Gewinne“ zu schlagen. Er geht sogar noch weiter: Er will ein Gesetz vorbereiten, dass dem Bundeskartellamt eine bessere Überwachung des Marktes ermöglicht, sollte es Hinweise für diesen „unangemessenen“ Profit geben.

Wann sinkt der Spritpreis wieder?

„Jemand macht Profit“: Grüne kritisiert die hohen Preise für Benzin und Diesel

Habeck ist nicht der einzige Politiker, der die Preisentwicklung bei Benzin und Diesel hinterfragt. „Offensichtlich macht da gerade jemand ordentlich Profit“, vermutet Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Gleichzeitig stellt er infrage, dass die Anstöße für den „Tankrabatt“ von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) helfen würden*. „Er könnte sogar genau das Gegenteil bewirken: Preise und Profite bleiben hoch, weil der Staat dann subventioniert“, befürchtet Al-Wazir.

Ricarda Lang, die Co-Chefin der Grünen, kritisiert gegenüber dem RND außerdem, dass die steigenden Benzin-Preise für viele Menschen unheimlich belastend seien. Denn die hohen Preise betreffen nicht nur Auto und Verkehr*, sondern auch die Heizkostenabrechnung oder den Einkauf von Speiseöl. Dieses sollte man übrigens auf keinen Fall in den Auto-Tank füllen*.

Benzin und Diesel tanken: Preise für Sprit bleiben wohl teuer

Auch der ADAC hinterfragt, inwiefern die Preise für Sprit gerechtfertigt sind. „Trotz aller kriegsbedingten Sondereffekte und Erklärungen für die hohen Spritpreise – irgendwo zwischen Ölförderung und Tankstelle bleibt das zusätzliche Autofahrergeld hängen“, meint Kraftstoffmarktexperte Jürgen Albrecht gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Die Mineralölkonzerne verdienen im Raffineriegeschäft derzeit richtig gutes Geld.“

Bei den Unsicherheiten bleibt aber die Frage: Wann wird der Preis für Benzin und Diesel wieder sinken? Düstere Aussichten liefern etwa die Rohstoffexperten der Commerzbank: „War der massive Preisanstieg vor einer Woche eine Übertreibung, so ist es der nun erfolgte Absturz ebenso“, heißt es laut RND in einer Analyse. Ein friedliches Ende des Ukraine-Kriegs sei immerhin noch weit entfernt. Die Sanktionen gegen Russland dürften laut Commerzbank noch länger bestehen bleiben. Damit bleibt es bei der Tankstelle aber auch vorerst teuer. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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