Nachhaltig einkaufen

Aldi und Lidl überzeugen bei Tierwohl und Fairtrade

Bio-Produkte gibt es in jedem Discounter. Wer weniger Plastik sowie mehr Tierwohl- und Fairtrade-Produkte sucht, ist bei Aldi und Lidl richtig.

  • Milch, Gemüse und Obst mit Bio-Siegel bietet nahezu jeder Supermarkt an.
  • Doch nachhaltiges Einkaufen erfordert mehr, als nur "Bio" zu kaufen.
  • Die Plastikquote zeigt zum Beispiel, wo es besonders leicht ist, Verpackungsmüll zu vermeiden.

NRW – Bio liegt im Trend, Nachhaltigkeit geht uns alle an – und doch fehlt den meisten die Zeit, in fünf verschiedene Läden zu gehen, um wirklich umweltbewusst einzukaufen. Und schon findet der Wocheneinkauf wieder im großen Supermarkt in der Nähe statt. Wer trotzdem möglichst nachhaltig einkaufen will, kann das in manchen Supermärkten allerdings etwas besser, als in anderen.

Handlungsprinzip

Nachhaltigkeit

Ziel

Bedürfnisbefriedigung durch Bewahrung

der natürlichen Regenerationsfähigkeit

Anwendungsbereiche

Ökologie, Ökonomie und Soziales

Bio allein reicht vielen beim Einkaufen im Supermarkt nicht

Wer beim Einkaufen etwas für die Umwelt tun will, achtet meist nicht nur darauf, Bio-Produkte zu kaufen. Im besten Fall sollten die Produkte auch ohne Plastikverpackung auskommen und aus der Region stammen. Wer nicht direkt vegetarisch oder vegan lebt, aber ein Herz für Tiere hat, achtet zudem auf das Tierwohl. Kaffee oder Schokolade sollten zudem – wenn möglich – "Fairtrade" sein.

Dass das Umweltbewusstsein wächst, haben auch die Supermärkte gemerkt. Eine positive Entwicklung, die sich auch in der Produktpalette widerspiegelt. Doch häufig stehen Verbraucher vor dem Dilemma: Nehm' ich die Bio-Gurke in der Plastikverpackung? Oder die "normale" Gurke, die unverpackt daneben liegt? 

Lidl, Aldi oder Netto: Umweltbewusst einkaufen ist hier nicht immer einfach

Denn nicht immer ist es in normalen Supermärkten oder Discountern einfach, alle Facetten unseres "Grünen Gewissens" zu beachten. Einige Supermärkte haben die Nase in Sachen Nachhaltigkeit aber weiter vorne, als andere (mehr Service-Themen auf RUHR24.de). 

Tierwohl: Verschiedene Rankings listen auf, welcher Supermarkt hinsichtlich des einen oder des anderen Kriteriums der Gewinner ist. In Sachen Tierwohl hat nach einem Ranking der "Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt" ein in NRW eher unbekannter Supermarkt die Nase ganz weit vorn: Die "tegut..." Märkte sind in NRW allerdings noch so gut wie gar nicht vertreten. 

Aldi, Lidl und Kaufland: Verzicht auf Eier aus Käfighaltung geplant 

Auf dem zweiten Platz liegt mit Aldi zwar ein deutlich bekannterer Discounter, den so ziemlich jeder in seiner Nachbarschaft hat, gefolgt von Lidl und Kaufland punkten die drei Discounter aber vor allem damit, dass sie bestimmte Produkte gar nicht im Sortiment haben – oder aber beabsichtigen, in Zukunft bestimmte Produkte nicht mehr anzubieten. 

So hat Aldi Hummer, Kaninchen sowie Produkte von exotischen oder geschützten Tieren nicht im Sortiment, Lidl und Kaufland wollen laut Albert Schweitzer Stiftung zukünftig auf Produkte verzichten, die Eier aus Käfighaltung enthalten. Wann dieses Vorhaben umgesetzt wird, steht allerdings noch nicht fest. Wer echten Tierschutz sucht, wird offenbar in keinem "normalen" Supermarkt so richtig glücklich. Denn trotz Tierwohl-Label stammt Fleisch im Supermarkt fast immer aus prekärer Tierhaltung.

Alle Bio-Produkte müssen den Mindeststandard erfüllen

Doch die gute Nachricht ist: Auch Bio-Produkte aus dem Discounter müssen alle rechtlichen Vorgaben der EU erfüllen. Laut oekotest.de gehört dazu neben dem Verzicht auf Gentechnik und synthetische Pflanzenschutzmittel auch die artgerechte Tierhaltung

Es gilt also der Grundsatz: Wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin. Allerdings: Bio-Siegeln wie "Bioland" liegen strengere Vorgaben zugrunde, als der EU-Öko-Verordnung. Bioland-Produkte sind zum Beispiel bei Lidl zu haben.

Lidl: Tierwohl-Label auf Produkten kann trügerisch sein

Anders sieht das bei verschiedenen Tierwohl-Labeln aus. So stellte oekotest.de fest, dass Lidl zum Beispiel auf alle Schweinefleisch-Packungen den Verweis "Lidl unterstützt die Initiative Tierwohl" drucke. Dabei wird für Schweinefleisch gar kein derartiges Siegel vergeben.

Faitrade: Ein wenig besser sieht es hinsichtlich der Faitrade-Produkte aus. Lidl hat seit Anfang 2017 bei seinen Eigenmarken komplett auf fairtradezertifizierten Kakao umgestellt. Aldi Süd und Aldi Nord wollen bei vielen Produkten nachziehen. Laut der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam wollen Aldi, Lidl und Rewe endlich auch in Sachen Menschenrechte etwas verändern.

Zudem gehört Aldi wie auch Penny und Norma zu den Transfair-Partnern. Die Organisation Transfair vergibt in Deutschland das Fairtrade-Siegel und fordert von Handelspartnern, ihre Produktpalette grundlegend im Sinne des fairen Handels umzustellen. 

Penny, Aldi, Netto und Lidl: Plastikmüll an jeder Ecke

Plastik: Großen Nachholbedarf gibt es laut oekotest.de allerdings beim Thema Verpackungen. Zwar liegt vereinzelt Obst oder Gemüse mit aufgedrucktem Bio-Label in den Auslagen, doch plastikverpacktes Obst und Gemüse prägen nach wie vor das Bild in den Supermärkten. Dass es auch anders geht, zeigen Edeka, Real und Rewe. Die Supermärkte bieten die meisten unverpackten Gurken, Äpfel oder Paprika an. 

Die Hoffnung auf mehr Tierwohl in der Landwirtschaft ist für diese Legehennen im Stall eine vergebliche.

Am schwierigsten um die Plastikverpackungen herumzukommen, ist es laut Verbraucherzentrale bei Penny, Aldi oder Netto. Beim Spitzenreiter Penny liegt die "Plastikquote" laut Verbraucherzentrale bei über 80 Prozent – hier ist also nahezu alles in Plastik verpackt.

Umweltbewusst einkaufen ist im Supermarkt alles andere als leicht

Fazit: Wer wirklich umweltbewusst einkaufen will, kommt um den Wochenmarkt oder den Bio-Supermarkt nicht herum. Nicht nur in Sachen Tierwohl, auch beim Thema Schutz der Menschenrechte entlang der Lieferketten gibt es noch viel Luft nach oben und großen Nachholbedarf bei allen Discountern und Supermärkten. In den betrachteten Rankings haben aber Lidl und Aldi die Nase ein klein wenig weiter vorn. Hier müssen Verbraucher allerdings Abstriche machen, wenn sie auf Plastik verzichten wollen. 

Durch bewusste Kaufentscheidungen – zum Beispiel gegen die in Plastik eingeschweißte Äpfel – haben wir es als Verbraucher allerdings in der Hand, dass auch in diesen Geschäften bald mehr loses Obst und Gemüse angeboten wird.

Hinweis der Redaktion: In einer vorherigen Version des Textes wurden die tegut-Märkte als Bio-Supermarkt bezeichnet. Richtig ist jedoch, dass es sich auch bei diesem Supermarkt um einen konventionellen handelt.

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa

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