Inflation machts möglich

Preis-Chaos im Supermarkt: Bio-Produkte teils günstiger als Eigenmarken

Zahlreiche Produkte im Lebensmitteleinzelhandel werden inflationsbedingt immer teurer. Das sorgt für kuriose Preisstrukturen – auch im Bio-Bereich.

NRW – Während einer Einkaufstour bei Supermärkten und Discountern wie Aldi, Lidl und Edeka werden sich Kundinnen und Kunden wohl immer wieder verwundert die Augen reiben. Die inflationsbedingten Preiserhöhungen, die auch die eigentlich günstigen Eigenmarken von Aldi, Lidl und Rewe betreffen, sorgen mittlerweile dafür, dass die Preisstrukturen durcheinander gewirbelt werden – mit teils überraschenden Konsequenzen, insbesondere im Bio-Bereich.

InflationTeuerung, Geldentwertung
InflationsrateIn Prozent ausgedrückt
Aktuell Laut Destatis bei 7,9 Prozent (Mai 2022)

Inflation: Preisstrukturen bei Aldi, Lidl und Edeka geraten durcheinander

Wie die Lebensmittel Zeitung (LZ) berichtet, schrumpften „im Zuge von Preiserhöhungen quer durch die Sortimente die Preisabstände der teureren Bio- zur konventionellen Ware“. In manchen Einzelfällen seien Bioprodukte sogar bereits billiger als die Produkte konventioneller Hersteller, berichten Rewe- und Edeka-Kunden.

Im Gegensatz zu den mittelständischen Bioherstellern und -erzeugern, die ihre Kundschaft allem Anschein nach mit lediglich moderaten Preiserhöhungen halten und nicht verschrecken wollen, erhöhen konventionelle Hersteller die Preise massiv. Dadurch geraten Biolieferanten jedoch zusehends unter Druck, denn auch sie leiden unter den steigenden Energie- und Logistikpreisen.

Diese sind unter anderem auf den Ukraine-Krieg und die Corona-Pandemie zurückzuführen. Die Entwicklung mündet auch in einer allgemein zu beobachtenden fehlenden Innovationsfreude und einem Wegfall neuer Produktplatzierungen durch Hersteller und Händler. Aldi, Lidl und Edeka reagieren bereits auf Engpässe – mit Folgen für das Sortiment.

Inflation: Bio-Eigenmarken teils deutlich billiger als konventionelle Produkte

Insgesamt verteuerten sich die Biopreise „aufgrund längerer Kontraktlaufzeiten derzeit langsamer als bei konventioneller Ware“, so Peter Röhrig, Vorstand des Bio-Dachverbandes BÖLW gegenüber der LZ. Besonders bemerkbar mache sich das bei Frischeprodukten wie Quark, Butter oder Joghurt.

Besonders auffällig ist das beim Blick auf die gewachsenen Preisunterschiede zwischen den konventionellen Produkten und den Bio-Eigenmarken. Während konventionelle Butter-Markenprodukte von Landliebe oder Kerrygold in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich teurer geworden sind, liegt der Preis für Bioprodukte von Berchtesgadener Land und für Bio-Eigenmarken nun sogar darunter.

Bio-Produkte der Discounter- und Supermarkt-Eigenmarken sind teils günstiger als die konventionelle Ware.

Aldi-Nord verlangt für eine 250 Gramm-Packung Kerrygold-Butter (Original) 3,49 Euro, die Bio-Butter der Eigenmarke „Gut Bio“ kostet demgegenüber in dieser Größe 2,99 Euro (Stand: 5. Juli 2022).

Inflation: Preisbewusste Kunden greifen weniger zu teuren konventionellen Produkten

Die Folge: Kunden greifen in Zeiten höherer Preissensibilität vermehrt zu den verschiedenen Bio-Angeboten, demgegenüber liefen einige konventionelle Marken mit ihren explodierten Preisen „nur noch in Aktion“, berichtet die LZ. Man erlebe „eine Zeit des Wahnsinns“, erklärt ein Bio-Lieferant mit Blick auf die neuen Preisunterschiede.

Doch dass auch Hersteller von Bioprodukten, seien es Marken oder Eigenmarken, nicht um Preissteigerungen umhinkommen werden, erscheint insbesondere mit Blick auf Molkereiartikel nicht unwahrscheinlich. Auch wenn Biohersteller nicht jede Preiserhöhung mitmachen wollten, so seien auch hier höhere Preise zu erwarten, wenn ein Liter Trinkmilch bald um zweistellige Centbeträge teurer werden könnten.

Inflation: Discountermarken und Fachhandel konkurrieren um Vormachtstellung im Bio-Bereich

Angesichts dieser Preisentwicklungen überrascht es nicht, dass die Handelsketten Aldi und Edeka zukünftig verstärkt auf Bio-Eigenmarken setzen könnten. Aldi könnte die bisher nur in Österreich vertriebene Bio-Eigenmarke „Zurück zum Ursprung“ bald auch in Deutschland anbieten, bestätigt auch der supermarktblog.

Edeka, das bald schon rund 40 neue Marken in das Sortiment übernehmen will, sei laut der LZ bereits einen Schritt weiter und habe jüngst die Eigenmarke „Zurück zur Natur“ beim Markenamt angemeldet. Zudem wolle die Handelskette mit dem Ausbau der Bio-Marken „Edeka Bio“ und „Naturkind“ sein Bio-Profil schärfen.

Der Bio-Facheinzelhandel hatte Ökolandbau zufolge im Jahr 2020 noch starke Umsatzsteigerungen um 16,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,7 Milliarden Euro verzeichnen können. Dennoch fürchtet die Branche schon länger die wachsende Konkurrenz von Unternehmen außerhalb des Fachhandels, die ihr Bio-Sortiment in den vergangenen Jahren stets erweitert haben.

Sorgen bereiten dem Fachhandel vor allem die „überdurchschnittlichen Wachstumsraten des konventionellen Lebensmitteleinzelhandels“, die mit den Bio-Handels- beziehungsweise Eigenmarken erreicht wurden.

 

Rubriklistenbild: © Martin Wagner/Imago

Mehr zum Thema