Forderung von breitem Bündnis

TV-Verbot für Süßigkeiten? Nach England-Revolution soll Deutschland folgen

Ein Werbeverbot für Fast-Food und Süßigkeiten: Das fordert Foodwatch gemeinsam mit einem breiten Bündnis von der Ampel-Regierung.

Dortmund – In Großbritannien ist ein Werbeverbot für Süßigkeiten im Fernsehen Anfang 2022 zur Realität geworden. Hierzulande werden die Bestrebungen nach einem Verbot für Junkfood-Werbung ebenfalls intensiviert. Foodwatch richtet gemeinsam mit einem Bündnis bestehend aus NGOs, Verbänden und Krankenkassen einen entsprechenden Appell an die Ampel-Regierung.

Süßigkeiten-Werbung nur noch nachts erlaubt? – Bündnis fordert Verbannung von Junkfood-Werbung

Wenn es nach der Verbraucherorganisation Foodwatch ginge, wäre jegliche Werbung für McDonald‘s, Coca-Cola und Nestlé bald Vergangenheit – zumindest tagsüber. Denn Foodwatch hat sich zu einem Bündnis mit 37 weiteren Akteuren im Ernährungs- und Gesundheitssektor zusammengeschlossen und für ein Werbeverbot von ungesunden Lebensmitteln ausgesprochen.

Gemeinsam mit NGOs, Ärzteverbänden und Krankenkassen plädiert Foodwatch für die Verbannung von Junkfood-Werbung im Fernsehen, Radio und auf Streamingplattformen zwischen 6 und 23 Uhr. Zudem fordert das Bündnis auch, dass Influencer nur für gesunde Lebensmittel finanziell werben dürfen.

Der Fokus der Forderung liegt insbesondere auf der Ernährung von Kindern und Jugendlichen, weshalb das Werbeverbot ebenfalls an Schulen, Kitas und Spielplätzen gelten soll. Dafür fordern die Akteure, dass Werbung auf den Straßen im Umkreis von 100 Metern zu entsprechenden Einrichtungen und Plätzen verbannt wird.

Hat das Bündnis mit seiner Forderung Erfolg, könnten TV-Spots wie die McDonald‘s-Werbung mit Influencerin Shirin David nur noch nachts ausgestrahlt werden. Für welche Lebensmittel ein etwaiges Verbot gelte, würde nach WHO-Empfehlungen festgelegt werden.

Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel gefordert – Essverhalten von Kindern und Jugendlichen im Fokus

In einem offenen Brief legen die Akteure Informationen über das Essverhalten von Kindern und Jugendlichen dar und weisen auf „starke Missverhältnisse“ in der Ernährung hin. „So verzehren Kinder und Jugendliche etwa doppelt so viele Süßwaren, aber nur halb so viel Obst und Gemüse wie empfohlen“, schreibt das Bündnis und bezieht sich dabei auf Angaben des Robert-Koch-Instituts.

Ein Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel: In Großbritannien ist das Gesetz bereits Realität.

Etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind laut Foodwatch von Übergewicht betroffen. Sechs Prozent leiden sogar an Adipositas, also starkem Übergewicht. Das Bündnis sieht ein Werbeverbot als sinnvolle Maßnahme, um den Konsum der ungesunden Lebensmittel einzudämmen (mehr zu Supermärkte und Discounter bei RUHR24).

Denn „92 Prozent der Spots für Lebensmittel, die Kinder in Internet und TV wahrnehmen, bewerben ungesunde Produkte wie Fast Food, Snacks oder Süßigkeiten“, wie Foodwatch mitteilt.

Geplante Werbebeschränkungen der Ampel-Regierung würden das Ziel verfehlen

Die Ampel-Regierung, bestehend aus SPD, Grüne und FDP, hat bereits im Koalitionsvertrag festgeschrieben, gegen Junkfood-Werbung vorzugehen. Allerdings gehen diese Pläne dem Bündnis nicht weit genug.

Laut Foodwatch werde in Kürze ein Gesetzesentwurf für Werbeeinschränkungen vorgelegt, die sich nur auf das Umfeld von Kindersendungen bezieht. „Eine ‚Werbebeschränkung light‘ würde das Ziel verfehlen“, betonen die zusammengeschlossenen Akteure. Wie die Regierung auf den Appell der Akteure reagiert, bleibt abzuwarten.

Großbritannien gilt im Hinblick auf die Verbesserung der Ernährung als Vorreiter. Nach der Einführung einer Limo-Steuer, folgte Anfang 2022 das Werbeverbot von Süßwaren zwischen 5.30 Uhr und 21 Uhr. Angestoßen hat diese Gesetzeseinführung unter anderem der TV-Koch Jamie Oliver, der sich nun auch den Forderungen des deutschen Bündnisses angeschlossen hat.

Deutscher Süßwarenverband lehnt Werbeverbot strikt ab – „Werbeverbote machen nicht schlank“

Wie zu erwarten, stoßen die Forderungen längst nicht bei jedem auf Zustimmung. Neben zahlreichen Facebook-Nutzern, die ein Werbeverbot für „alberne Bevormundung“ fordern, kritisiert auch der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI) die Vorschläge.

Der Verband hält Werbeverbote nicht für geeignet, um gegen das Übergewicht von Kindern und Jugendlichen vorzugehen. Sie sehen vielmehr den Mangel an Bewegung als Ursache und befürworten die Förderung von Ernährungs- und Medienbildung. Der BDSI ist der Meinung „Werbeverbote machen nicht schlank“.

Mangelnde Bewegung führt bei Kindern schnell zu Übergewicht.

Auf Instagram sehen einige Nutzer eher ein Werbeverbot für Fleischwaren oder Alkohol als sinnvoll an. Viele User scheinen den Zweck eines Werbeverbots ebenfalls anzuzweifeln. „Schwachsinn alles eine Frage der Erziehung“ schreibt ein Nutzer unter dem Tagesschau-Beitrag zum Thema.

Rubriklistenbild: © Christoph Hardt/Future Images/UtexGrabowsky/photothek/Imago; Collage: RUHR24

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