Starke Windböen und Regen

Sturm "Kirsten" hinterlässt Schäden in NRW: Wo die Versicherung einspringt

Ein Unwetter kann heftige Schäden am und im Haus verursachen. Damit man am Ende nicht auf den Kosten sitzen bleibt, sollte man einige Dinge beim Abschluss seiner Versicherung beachten. 
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Ein Unwetter kann heftige Schäden am und im Haus verursachen. Damit man am Ende nicht auf den Kosten sitzen bleibt, sollte man einige Dinge beim Abschluss seiner Versicherung beachten. 

Sturmtief "Kirsten" ist über NRW gezogen und hat mit Böen von bis zu 90 km/h Schaden angerichtet. Doch welche Sturmschäden zahlt die Versicherung?

  • Durch einen Sturm, ein Gewitter oder Regen können viele Schäden am oder im Haus entstehen.
  • In den meisten Fällen zahlt die Versicherung die fremdverschuldeten Schäden.
  • Doch es gibt viele Fälle, bei denen der Versicherungsschutz nicht greift.

NRW - Sturmtief "Kirsten" hat Nordrhein-Westfalen erreicht und brachte nicht nur Windböen mit bis zu 90 Kilometern pro Stunde mit, sondern auch ziemlich viel Verwüstung – und im schlimmsten Fall ein leeres Portemonnaie. Denn nicht alle Schäden, die bei einem Sturm, Gewitter oder Regen entstehen, übernimmt die Versicherung

Sturmtief "Kirsten" in NRW: Welche Versicherung zahlt die Sturmschäden am und im Haus?

Die schlechte Nachricht zuerst: Eine Universalversicherung gegen Unwetterschäden gibt es (noch) nicht - mehrere Versicherungsarten teilen sich die unterschiedlichen Risiken. Die wichtigste Versicherung, die für generelle Schäden in Wohnungen oder Häusern aufkommt und die deshalb jeder Mieter abgeschlossen haben sollte, ist die Hausratversicherung

Die Hausratversicherung greift grundsätzlich auch dann, wenn durch einen Sturm, Gewitter oder Regen – wie beispielsweise bei Sturmtief "Sabine" Anfang des Jahres 2020 –, Gegenstände innerhalb der Wohnung oder eines Hauses beschädigt werden.

Falls das Haus durch einen Sturm sogar so stark beschädigt wurde, dass es geräumt werden muss, übernehmen manche Hausratversicherungen für gewisse Zeit auch die Kosten für Hotelübernachtungen, Aufräumarbeiten sowie Transport und Lagerung von Möbeln (mehr Ratgeber- und Service Themen auf RUHR24.de).

Unwetter und Sturm: Hausratversicherung übernimmt bei Sturmtief "Kirsten" nicht alle Schäden  

Doch Vorsicht: Ein gravierender Schaden, der häufig bei einem Sturm oder Gewitter auftritt, ist von den meisten Hausratversicherungen tatsächlich nicht abgedeckt: Sogenannte Elementarschäden, die durch ins Gebäude eindringendes Wasser von der Straße oder durch Überflutungen entstehen, lassen sich die meisten Versicherungen extra bezahlen. 

Sollte also bei einem Sturm mit starken Regenfällen der Keller mit Wasser volllaufen und so beispielsweise die Waschmaschine kaputtgehen, zahlt die Versicherung nicht. Wer diese Schäden abdecken möchte, benötigt eine zusätzliche Elementarversicherung

Das Gleiche gilt für einen Blitzeinschlag, der zu einer Überspannung führen kann, wodurch elektrische Geräte wie Fernseher oder Mikrowellen häufig kaputtgehen. Hausratversicherungen beinhalten manchmal bereits den Schutz vor Überspannungen, einige jedoch auch nicht.

Sturm "Kirsten": Kommt die Hausratversicherung auch für Sturmschäden im Garten auf?

Auch die meisten Gegenstände, die im Freien stehen – zum Beispiel auf dem Balkon oder im Garten - sind vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Dazu zählen beispielsweise auch Gartenmöbel oder ein Trampolin - diese müssen bei drohendem Sturm unbedingt gesichert werden. Wer hier grob fahrlässig handelt, haftet sonst selbst für die entstehenden Schäden.

Wer trotz eines Gewitters oder Sturms Fenster oder Türen offen gelassen hat, bekommt ebenfalls meistens kein Geld von der Versicherung. Auch wichtig zu wissen: Mehr als die Versicherungssumme wird nicht ausgezahlt, auch nicht bei einem Totalschaden

Wer also viele wertvolle Gegenstände besitzt, sollte darum prüfen, ob die Pauschale im Ernstfall alle Kosten abdeckt – und notfalls einen höheren Jahresbeitrag in Kauf nehmen. Verbraucherschützer empfehlen einen Versicherungsschutz von mindestens 650 Euro pro Quadratmeter.

Video: Hausratversicherung: So wird die Summe ermittelt

Unwetter verursacht Schaden am Haus - Eigentümer braucht Wohngebäudeversicherung

Entsteht durch einen Sturm ein Schaden am Wohnhaus – zum Beispiel durch abgedeckte Dächer –, greift die Hausratversicherung nicht. In diesem Fall kommt die Ge bäudeversicherung ins Spiel. Diese schließt normalerweise der Eigentümer der Immobilie beim Kauf ab. Bei Mehrfamilienhäusern ist in diesem Fall also die Grundbesitzer-Versicherung zuständig.

Doch auch hier gibt es eine Tücke: Die meisten Ge bäudeversicherungen übernehmen Schäden am Haus erst, wenn der Sturm mindestens Windstärke acht hatte. Und auch bei einem Blitzeinschlag kommt nicht jede Wohngebäudeversicherung automatisch für die Kosten auf.

Auch am Auto können bei einem Sturm Schäden entstehen - zum Beispiel durch Hagel, herabstürzende Dachziegel, Äste oder Bäume. Hier greift die Teil- oder Vollkaskoversicherung.

Bäume und herabfallende Dachziegel - welche Versicherung kommt bei Unwetter-Schäden an anderen Menschen auf? 

Wer haftet aber, wenn durch einen Sturm andere Menschen oder Gegenstände durch die eigenen Besitztümer zu Schaden kommen – zum Beispiel durch herabfallende Ziegel vom Haus oder einen umgestürzten Baum, der auf dem eigenen Grundstück steht? 

Hier kommt es immer auf den individuellen Fall an: Weht ein Sturm beispielsweise einen Baum auf das Haus des Nachbarn und es gab bereits Anzeichen für eine fehlende Standfestigkeit des Baums, muss der Baumbesitzer den Schaden regulieren. Das übernimmt in der Regel die private Haftpflichtversicherung. Waren jedoch keine Schäden erkennbar, zahlt die Gebäudeversicherung des Nachbarn. 

Sturmtief "Kirsten" hat bereits am Mittwochvormittag (26. August) zahlreiche Schäden angerichtet - wie hier auf der Terrasse eines Restaurants in Düsseldorf. 

Werden andere Menschen verletzt – etwa durch einen heruntergefallenen Blumentopf – übernimmt ebenfalls die private Haftpflichtversicherung den Ausgleich. 

Schäden nach Unwetter bei der Versicherung melden - so geht man am besten vor

Wie geht man vor, wenn tatsächlich durch einen Sturm oder ein Gewitter ein Schaden am oder im Haus entstanden ist? Zu aller erst sollte die Gefahrenquelle beseitigt und so abgesichert werden, dass kein weiterer Schaden entsteht. Also zum Beispiel das Dach notdürftig abdichten oder mit Wasser vollgelaufene Keller ausschöpfen. 

Der Grund dafür: Versicherte haben eine Schadensminderungspflicht und müssen Notmaßnahmen ergreifen, um weitere Schäden zu vermeiden. Anschließend sollte der Schaden der Versicherung gemeldet werden, um das weitere Vorgehen abzuklären. Dabei wird dann beschlossen, ob man zum Beispiel selbst einen Handwerker beauftragen soll oder die Versicherung erst einen Gutachter schickt. 

"Äußerungen des Versicherers sollten Sie sich unbedingt auch schriftlich geben lassen", so der Rat der Verbraucherzentrale NRW. Außerdem sollten Schäden mit Fotos und Videos möglichst detailliert festgehalten werden – um am Ende auch wirklich alle entstandenen Kosten erstattet zu bekommen.

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