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Strompreisbremse kommt: Wie Verbraucher profitieren können

Nach der Gas- kommt jetzt auch die Strompreisbremse. Die Bundesregierung will die Bürger damit entlasten – und das Geld von anderer Stelle holen.

Dortmund – Ungeheizte Räume, kalte Duschen und warme Decken: Die Deutschen sparen, wo sie können, denn die Rohstoffpreise schießen weiter durch die Decke. Nach der Gaspreisbremse soll nun ein Preisstopp für Strom folgen, um die Verbraucher weiter zu entlasten.

InstitutionBundesregierung
Gründung15. September 1949
RegierungssitzBerlin

Strompreisbremse soll kommen: Bürger sollen bei Energiekosten entlastet werden

Einem 18-seitigen Papier aus dem Wirtschaftsministerium zufolge, welches zuerst dem Handelsblatt vorlag, sollen die Kontingente für Strom verbilligt werden. Demnach wäre das Prinzip ähnlich wie bei der Gaspreisbremse. Bundeskanzler Olaf Scholz hat am Donnerstag (20. Oktober) im Rahmen einer Regierungserklärung bestätigt, dass es weitere Entlastungen im Bereich der Energiekosten geben werde.

„Die Ideen für die deutsche Strompreisbremse sehen vor, dass den Verbrauchern ein vergünstigtes Basiskontingent zur Verfügung gestellt wird“, teilte das Wirtschaftsministerium um Robert Habeck (Bündnis 90/ Die Grünen) der Tagesschau mit. Wer über dieses Kontingent hinaus mehr verbraucht, müsse dementsprechend den normalen Strompreis zahlen (mehr Service-News auf RUHR24).

Strompreise zuletzt explodiert – Regierung orientiert sich an Gaspreisbremse

Diese sind zuletzt durch steigende Rohstoffpreise explodiert. Der durchschnittliche Strompreis in Deutschland lag bei einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden (kWh) laut Münchner Merkur im Oktober 2022 bei 53,83 Cent/kWh. Zum Vergleich: 2018 lag der Strompreis im Jahresdurchschnitt noch bei 27,82 Cent/kWh.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus dem Schreiben des Entwurfs vom Bundeswirtschaftsministerium zitiert, solle es „soweit möglich und sinnvoll“ eine „Orientierung an Vorschlägen der Gaspreiskommission“ geben.

Strompreisbremse kommt: Jahresverbrauch dient als Orientierung

Die staatlichen Hilfen sollen dem Papier zufolge – ähnlich wie bei der Gaspreisbremse – begrenzt sein. Als Basis soll der Jahresverbrauch der Haushalte aus der Vergangenheit herangezogen werden. Die Erstattung einer monatlichen Abschlagszahlung wird in dem Entwurf dagegen nicht erwähnt.

Um die Entlastungen zu finanzieren, will sich die Bundesregierung um Wirtschafts- und Umweltschutzminister Habeck bei den Strom-Erzeugern bedienen. Der Entwurf sieht vor, 90 Prozent der Erlöse, die oberhalb der Erzeugungskosten plus eines Gewinnaufschlages liegen, abzuschöpfen.

Strompreisbremse kommt – aber Gewinnabschöpfung könnte zum Problem werden

Welche Summe sich die Regierung davon verspricht, geht aus dem Schreiben nicht hervor. Geplant ist aber, dass dies für Unternehmen ab Dezember gelten solle. Damit will der Staat vor allem die sogenannten Zufallsgewinne begrenzen. Diese sind entstanden, weil die Preise für Kunden in die Höhe geschnellt, die Kosten der Stromerzeuger aber nicht im gleichen Maße angestiegen sind.

Bei der geplanten Abschöpfung soll laut des Entwurfs vor allem die Erzeugungsart berücksichtigt werden. Der Entwurf sieht vor, die Gewinne bei Strom aus Steinkohle, Erdgas und Biomethan nicht abzuschöpfen. Als Begründung gibt das Wirtschaftsministerium laut Handelsblatt an, dass die Erzeugungskosten deutlich höher lägen.

Die Strompreisbremse soll Bürger zusätzlich entlasten

Strompreisbremse soll kommen – doch es kann noch zu Problemen in der Umsetzung kommen

Schwierigkeiten bei der Gewinnabschöpfung sehen Experten laut ntv Nachrichten darin, dass es zwei verschiedene Märkte gibt, auf denen Strom angeboten wird. Dies ist zum einen der Spotmarkt für den Verkauf von Strom für den kommenden Tag. Dabei richtet sich das Angebot stark nach der Nachfrage und führt derzeit dazu, dass sich auf dem Spotmarkt hohe Preise erzielen lassen.

Dem gegenüber steht der langfristig ausgelegte Terminmarkt, auf dem Strom zur Lieferung an einem bestimmten Zeitpunkt verkauft wird. Dieser kann Jahre in der Zukunft liegen, was die Abschöpfung besonders schwierig macht.

Das Wirtschaftsministerium sieht laut des Entwurfs das Problem, dass Erzeuger je nach geplanter Art und Weise der Abschöpfung Strom nur noch auf dem Markt anbieten, der für sie weniger Abgaben der Zufallsgewinne bedeutet. Dies würde den realen Marktpreis zusätzlich verzerren.

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