Mythen in der Energiekrise

Strom sparen im Haushalt: Typische Maßnahmen bringen gar nichts

Strom, Gas und damit auch Geld sparen könnte gerade im Winter für viele interessant werden. Doch einige Tipps, die kursieren, bringen gar nichts.

Dortmund – Seit der Energiekrise kursieren viele Tipps zum Gas und Strom sparen im Internet. Aber welche bringen wirklich etwas? Und welche Tipps sind überhaupt nicht sinnvoll? RUHR24 bietet eine Übersicht.

VereinVerbraucherzentrale
Gründung1. November 2000
Mitglieder51 Verbraucherorganisationen: 16 Verbraucherzentralen; 26 weitere Verbände; 9 Fördermitglieder;

Energiesparmodus nicht immer sinnvoll: Gas und Strom sparen

Für Verbraucher klingt diese Taktik auf den ersten Blick als einfache Methode, um Kosten zu sparen: Der Energiesparmodus, den etwa Großgeräte wie Waschmaschinen besitzen. Blind auf diesen Modus verlassen sollte man sich aber besser nicht, weiß Martin Brandis vom Energieberatungsteam der Verbraucherzentrale (Bundesverband).

Als Beispiel nennt er gegenüber Utopia den Elektroboiler. Ein Gerät, das vor allem noch in älteren Wohnungen zu finden ist und das Leitungswasser erwärmen kann. Einige Modelle führen auch eine „Energiesparstufe“, die häufig unter der Einstellung „E“ aktiviert wird. Laut Gebrauchsanweisung eines Modells der Marke Vaillant wird das Wasser dann auf 60 Grad erhitzt, statt auf die Maximaltemperatur 85 Grad.

Doch Brandis hält die 60 Grad immer noch für zu warm: „So heißes Wasser brauchen Sie selbst in der Küche so gut wie nie“, so der Experte. Ein Boiler würde hingegen dafür sorgen, dass die eingestellte Temperatur rund um die Uhr erhalten bleibt. Brandis meint deshalb: „Tatsächlich energiesparend wäre, wenn Sie den Boiler nur anstellen, wenn Sie wirklich heißes Wasser brauchen.“ Übrigens: Auch beim Laptop frisst der Energiesparmodus viel Strom.

Gas und Strom sparen: Viele Tipps aus dem Internet bringen gar nichts

Ähnlich wie das Vertrauen in den Energiesparmodus hält sich auch der Mythos, das Licht an- und auszuschalten würde mehr Energie verbrauchen, als die Lampen durchgehend leuchten zu lassen. Diese Behauptung ist laut Brandis „halbwahr“. Gängige Glühlampen wurden sogenannte Einschaltströme besitzen, die über dem Nennstrom liegen.

Das bedeutet: Der Energieverbrauch ist in den ersten Millisekunden, nachdem die Lampe eingeschaltet wurde, durchaus höher. Allerdings ist diese Zeitspanne so niedrig, dass sie nicht wirklich relevant ist, erklärt der Experte der Verbraucherzentrale: „Wir raten davon ab, ständig das Licht an- und auszuschalten.“ Erst wer den Raum länger als drei Minuten verlässt, sollte den Lichtschalter betätigen (mehr Lifehacks bei RUHR24 lesen).

Mythos zu Ladegeräten in der Steckdose ist widerlegt

Auch Stecker, etwa von Ladegeräten, sollten unbedingt gezogen werden, wenn diese nicht in Benutzung sind. Denn, dass diese keine Energie verbrauchen, wenn sie ohne Endgerät in der Steckdose hängen, ist ebenfalls ein Mythos, berichtet MDR.

Zwar dürfen die Steckerteile ohne Gerät laut EU-Richtlinie nicht mehr 0,3 Watt verbrauchen. Gibt es davon jedoch mehrere, kann sich der Verbrauch aber schnell häufen. Laut Techbook kann dieser Stand-by-Verbrauch schnell bis zu 16 Euro pro Jahr kosten – pro Ladegerät.

Richtig Heizen und so Kosten sparen: Experte erklärt, was hinter Mythen steckt

Licht ist im oftmals trüben und dunkeln Winter wichtig, doch auch Heizen wird zum Thema. Bei den meisten Verbrauchern dauert die Heizperiode von Oktober bis Ende April an, ist aber teilweise auch im Mietvertrag festgelegt. Möglichst wenig zu heizen, schont das Portemonnaie wohl am effektivsten. Allerdings kursiert der Mythos, dass es mehr Energie verbraucht, wenn die Heizung zwischendurch – etwa nachts – abgestellt und anschließend wieder hochgedreht wird.

„Durchheizen ist die deutlich verbrauchsintensivere Maßnahme“, erklärt Brandis. Wenn die Heizung nicht gebraucht wird oder man mehrere Stunden nicht zu Hause ist, soll die Heizung durchaus runtergedreht werden. Um Schimmel zu vermeiden, sollte die Raumtemperatur allerdings nicht unter 16 Grad fallen.

Teelichtöfen sollte man als alternative zur Heizung lieber meiden.

Auch von Teelichtöfen raten die meisten Experten mittlerweile ab. Die alternative Heizmethode kann schnell zur Gefahr für Gesundheit und die Wohnung werden.

Strom und damit Geld sparen: Diese Tipps funktionieren wirklich

Laut dem Experten sparen nur die Verbraucher, die einen Bogen um die Energie-Mythen machen. Dabei gibt es zahlreiche Ansätze, um im Haushalt Strom und Energie zu sparen:

Ein weiterer Rat: Wer noch klassische Glühlampen oder Halogenlampen benutzt, sollte diese dringend durch LED-Birnen ersetzen.

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