32 Produkte im Test

Mineralwasser bei Stiftung Warentest: Billig-Produkte überzeugen – Top-Marken enttäuschen

Nach Öko-Test hat nun auch Stiftung Warentest Mineralwasser einem Test unterzogen. Diesmal ging es vorwiegend um Produkte ohne Kohlensäure. Das Ergebnis ist erstaunlich.

Dortmund – In der Juli-Ausgabe hatte Öko-Test Mineralwasser einem Test unterzogen. Nun zieht Stiftung Warentest nach und hat sich in der aktuellen Ausgabe ebenfalls Wasser in Flaschen näher angeschaut – diesmal stand allerdings stilles Mineralwasser im Fokus. Das Ergebnis ist teils erfreulich, teils erschreckend.

OrganisationStiftung Warentest
Gründung4. Dezember 1964, Berlin
CEOHubertus Primus (2. Jan. 2012–)
RechtsformSelbständige rechtsfähige Stiftung

Stiftung Warentest prüft große Palette an stillem Mineralwasser: Von Billig-Produkt bis Edel-Marke

Insgesamt 32 Mineralwässer wurden von den Testern von Stiftung Warentest unter die Lupe genommen. Darunter günstige Getränke der Eigenmarken von Kaufland (K-Classic), Lidl (Saskia), Aldi (Quellbrunn) oder Edeka (Gut & Günstig).

Aber auch namhafte Edel-Marken waren im Mineralwasser-Test mit dabei. So zum Beispiel Fürst Bismarck, Adelholzener, Black Forest, Evian, Volvic oder Rieser Urwasser. Preislich liegt das getestete stille Mineralwasser zwischen 13 Cent und 3,60 Euro pro Liter.

Stilles Mineralwasser im Test: So hat Stiftung Warentest getestet

Die meisten der getesteten Mineralwässer kommen aus deutschen Quellen. Nur drei kamen aus Frankreich und jeweils eins aus Norwegen und Portugal. Gekauft wurden sie von Stiftung Warentest im Zeitraum von Mai bis Juni 2021. In einem Labor wurde dann das stille Mineralwasser auf kritische Stoffe wie Arsen, Blei, Chrom oder Kadmium hin untersucht.

Bei den Grenzwerten haben sich die Prüfer an der sogenannten Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO) in Deutschland orientiert, die vorgibt, wie viel der Substanzen maximal in Wasser nachgewiesen werden darf. Auch auf oberirdische Verunreinigung, wie zum Beispiel Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, wurden die Getränke hin untersucht.

Eine geschulte Prüfgruppe von Stiftung Warentest hat das Mineralwasser einer sensorischen Begutachtung unterzogen, die Handhabung getestet und Werbefragen kritisch hinterfragt. Aus diesen Kriterien setzt sich dann das Gesamturteil am Ende zusammen (mehr Testberichte bei RUHR24)

Mineralwasser-Test: Ergebnisse bis auf wenige Ausnahmen erfreulich

Die gute Nachricht zuerst: Die meisten der insgesamt 32 getesteten stillen Mineralwässer schnitten durchaus gut im Test ab. So vergaben die Tester achtmal „sehr gut“. 18 weitere Mineralwässer ohne Kohlensäure bekamen die Note „gut“. Unter den Testsiegern befinden sich viele günstige Produkte – auch von den Discountern und Supermärkten Lidl, Kaufland, Rewe, Aldi und Edeka.

Und es gibt noch ein positives Ergebnis: Jedes Mineralwasser war mikrobiologisch einwandfrei. Auch schmeckten die meisten den Stiftung Warentest-Prüfern sehr gut. In einem stillen Mineralwasser von Netto und in einem von Edeka konnten im Labor jedoch oberirdische Verunreinigungen nachgewiesen werden.

Stilles Mineralwasser im Test: Das sind die Testverlierer bei Stiftung Warentest

Nun aber zu den weniger erfreulichen Ergebnissen des Mineralwasser-Tests von Stiftung Warentest. Drei Sorten Wasser bekamen die Note „ausreichend“, ein stilles Mineralwasser fiel mit „ausreichend“ sogar komplett durch – und dass, obwohl es als Bio-Mineralwasser deklariert ist. Das sind die Verlierer im Test:

Verlierer im Mineralwasser-Test: Pestizide, falsche Werbemasche und fragwürdiges Bio-Siegel

Bei den Testverlierern hatte Stiftung Warentest gleich mehrere Kritikpunkte. Unter anderem konnte in dem Rieser Urwasser ein Pestizid-Abbauprodukt nachgewiesen werden. Zudem hält das Wasser den Grenzwert für Radium nur ganz knapp ein. Für Stiftung Warentest sind das Anzeichen, dass die Quelle nicht ausreichend geschützt ist, gesundheitlich seien solche Rückstände aber unbedenklich.

An dem Rieser Urwasser kann Stiftung Warentest kein gutes Haar lassen. Denn auch die äußere Aufmachung würde die Verbraucher täuschen. Nicht nur das Bioversprechen sei grenzwertig, sondern auch der Werbeslogan, dass die Quelle „ein 8000 Jahre alter Naturschatz“ sei oder „seit Tausenden von Jahren vor Verunreinigungen“ geschützt.

Die Analyse von Stiftung Warentest kam nämlich zu anderen Ergebnissen. Zum Beispiel, dass ein Teil des Wassers aus einer Quelle stammt, die erst in den letzten 70 Jahren entstanden ist. Wie Stiftung Warentest bekannt gab, hatte der Anbieter des Rieser Urwasser nach den Ergebnissen mitgeteilt, das Wasser erst einmal nicht mehr abfüllen zu wollen.

Mineralwasser-Test: Designflaschen sollen schlechten Inhalt verschleiern

Bei den anderen beiden Verlierern im Test hatte Stiftung Warentest vor allem anzumerken, dass Verbraucher durch das Design geblendet werden sollen. So seien die beiden Edelmarken zwar teuer und in Designflaschen abgefüllt, inhaltlich können sie aber nicht überzeugen. So schmecken sie nicht so gut, wie die anderen getesteten stillen Mineralwässer, außerdem enthält Voss so wenig Mineralstoffe wie kaum ein anderes Wasser.

Das „Voss“-Wasser gehört zu den Verlierern im Mineralwasser-Test von Stiftung Warentest.

Stilles Mineralwasser oder Leitungswasser: Trinkwasser kann locker mithalten

Alles in allem jedoch schneidet stilles Mineralwasser im Test – bis auf wenige Ausnahmen gut ab. Einen Nachteil haben jedoch alle Produkte: Sie kommen entweder in schweren Glasflaschen oder umweltkritischen PET-Flaschen daher.

Wer sich das sparen möchte, kann auch getrost zu Leitungswasser greifen. Das ist mit einem halben Cent pro Liter nochmals deutlich billiger und enthält oftmals mindestens genauso viele Mineralstoffe. Auch unterliegt das Trinkwasser in Deutschland extrem strengen Kontrollen, sodass es in der Regel bedenkenlos getrunken werden kann.

Rubriklistenbild: © FRED TANNEAUA/AFP

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