Bakterien-Alarm

Sprossen: Gesund oder nicht? – Landesamt warnt vor unsichtbarer Gefahr

Sprossen und Keimlinge werden derzeit als echtes „Superfood“ gehypt. Im Zuge der nachhaltigeren Ernährung werden sie in der Küche immer beliebter.

Deutschland – Sprossen und Keimlinge gelten als gesund. Denn sie sind vitamin- und ballaststoffreich und enthalten zudem mehrfach ungesättigte Fettsäuren und sekundäre Pflanzenstoffe. Dennoch warnt das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) vor ihrem Verzehr (weitere Warnungen sowie Rückrufe auf RUHR24).

Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES)Behörde
SitzWardenburg, Niedersachsen
Gründung1. Juli, 2001

Sprossen und Keimlinge sind im Trend – Landesamt warnt vor Gesundheits-Gefahr

Im Zuge des aktuellen Trends zu einer bewussten und fleischlosen Ernährung stehen Keimlinge und Sprossen besonders hoch im Kurs. Das Besondere an Keimlingen: Proteine und Kohlenhydrate werden so umgewandelt, dass der Körper sie besser aufnehmen kann. Wie NDR.de erklärt, ist ihr Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffe außerdem zumeist mindestens doppelt so hoch wie in den Pflanzen.

Das LAVES sieht diesen Trend aber trotzdem kritisch. Der Grund: Mehrere Studien hätten gezeigt, dass von Keimlingen und Sprossen eine mikrobiologische Gefahr ausgehe.

LAVES-Studien: 10 Prozent der Sprossen und Keimlinge sind mit Bakterien belastet

So hatte das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES zwischen 2016 und 2020 insgesamt 80 Proben untersucht. Das Ergebnis: Insgesamt 10 Prozent der Proben waren belastet.

Nachgewiesen wurden laut LAVES je einmal Salmonellen, Listerien und E.Coli-Bakterien. Übrigens wird aktuell auch ein TK-Produkt bei Rewe wegen E.Coli-Bakterien zurückgerufen. In fünf Proben fanden die Prüfer zudem den Krankheitserreger Bacillus cereus. Dieser kann Durchfall und Erbrechen auslösen.

Sprossen selber ziehen – unbedingt auf Sauberkeit achten

Die geprüften Keimlinge und Sprossen wurden von Testern im Einzelhandel gekauft. Wie die AOK verdeutlicht, besteht das Problem aber auch dann, wenn man Sprossen selber zieht.

Denn Keime können sich durch die feucht-warmen Bedingungen bei der Anzucht leichter vermehren. Sauberkeit ist daher beim Sprossen-selber-Ziehen besonders wichtig.

Nach EHEC-Epidemie 2011 – auch das BfR warnt vor Infektionsgefahr durch frische Sprossen

Besonders dramatisch war im Zusammenhang mit Keimlingen und Sprossen die EHEC-Epidemie im Jahr 2011, die für mediales Aufsehen sorgte. Damals standen importierte Sprossensamen aus Ägypten im Verdacht, der Auslöser zu sein.

Rund 10 Jahre später gibt das Bundesinstitut für Risikobewertung zwar Entwarnung – dennoch weisen auch die Experten des BfR weiter darauf hin, dass von Sprossen und Keimlinge grundsätzlich die Gefahr einer Lebensmittelinfektion ausgehe.

Ein EHEC-Experte am Universitätsklinikum Münster untersucht Proben – vor zehn Jahren wurde die EHEC-Epidemie in Deutschland offenbar durch ägyptische Sprossen ausgelöst. (Symbolbild)

Sprossen und Keimlinge in der Küche – das sollten Verbraucher beachten

Auch in seinen aktuellen Empfehlungen rät das BfR daher, rohe Sprossen grundsätzlich nur zu verzehren, wenn sie zuvor „intensiv und vollständig erhitzt“ wurden. Sowohl BfR als auch LAVES empfehlen außerdem Menschen mit geschwächter Immunabwehr, wie Kindern, Senioren oder Schwangeren, komplett auf den Verzehr von frischen Sprossen und Keimlingen zu verzichten.

Für alle anderen Personengruppen gelte: Sprossen und Keimlinge sind zwar eigentlich gesund, bergen aber immer auch das Risiko einer Infektion durch Keime. Um dieses Risiko zu verringern, sollten Verbraucher rohe Sprossen stets gründlich waschen und zudem möglichst schnell verbrauchen.

Rubriklistenbild: © Daniel Dash/picture alliance/Zoonar

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