Schutzmaßnahmen verschärfen

Sparkasse geht drastischen Schritt – Bargeld nicht mehr rund um die Uhr verfügbar

Immer häufiger kommt es zu Sprengungen von Geldautomaten. Die Sparkasse will die Straftaten verhindern und will jetzt handeln.

Dortmund – Das Bundeskriminalamt (BKA) erfasst für die Jahre 2020 und 2021 neue Höchststande von Geldautomatensprengungen. Auch das aktuelle Jahr erweist sich schon jetzt als Rekordjahr für das illegale Beschädigen und Öffnen von Bankautomaten. Die Sparkasse sieht dringenden Handlungsbedarf.

Bargeld nur noch zu bestimmten Uhrzeiten abheben – Sparkasse will Schutz erhöhen

Dass die Zahlen der Automatensprengungen in den vergangenen Jahren in die Höhe geschnellt sind, könnte mit strengeren Präventionsmaßnahmen im niederländischen Nachbarland zusammenhängen, berichtet die DPA.

Die Banken und Sparkassen sind sich daher einig, dass der Schutz für die Bankautomaten auch hierzulande deutlich erhöht werden müssen. Dem stimmt auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) zu, die vor allem die Gefährlichkeit der Sprengstoffe für Menschen in unmittelbarer Nähe betont. Das bekamen Einwohner aus Essen bei einer Geldautomaten-Explosion hautnah zu spüren.

An dem „Runden Tisch Geldautomatensprengung“ kommen Vertreter der Polizei, der Bundesbank, der Kreditwirtschaft und der Versicherungswirtschaft zusammen und sprechen über mögliche Aktionen und Handlungen (mehr Service-News bei RUHR24).

Bargeld nur noch tagsüber abheben – Banken und Sparkassen setzen Schutzmaßnahmen um

Beispielsweise käme eine Schließung von Vorräumen der Bankfilialen zwischen 23 Uhr und 6 Uhr in Betracht. Weitere Ideen sind laut DPA Einbruchmeldeanlagen im Selbstbedienungs-Foyer, die Minimierung des Bargeldhöchstbestandes in den Automaten sowie Videoüberwachung.

Ein gesprengter Geldautomat ist hinter einem Flatterband mit der Aufschrift „Polizeiabsperrung“ zu sehen.

Als besonders effektive Methode könnten sogenannte Einfärbesysteme in den Automaten genutzt werden. Sollte ein Alarm aufgelöst werden, wird das Geld in den Kassetten eingefärbt und somit nutzlos gemacht.

Die Einwilligung zur Umsetzung der Präventionen hat vorrangig die Deutsche Kreditwirtschaft gegeben. Die Sparkasse bezweifelt die Effektivität der Methoden noch, denn viele der Maßnahmen setze das Bankinstitut ohnehin bereits seit Jahren um.

Mit über 23.000 Bankautomaten hat die Sparkasse das größte Geldautomatennetz Deutschlands. Damit dieses flächendeckende Angebot bestehen bleibt, sei eine risikoorientierte Standortsicherung erforderlich, so die Sparkasse.

Sparkasse und Banken schätzen Gefährdungsrisiko von Standorten ab – Droht ein Abbau von Automaten?

Welcher Schutz an den jeweiligen Automaten zum Greifen kommt, hänge demnach von der jeweiligen Gefährdungslage der Standorte ab. Das gemeinsame Ziel der Vertreter des „Runden Tischs Geldautomatensprengung“ ist es „den Tätern die Arbeit so zu erschweren, dass sich ein Angriff auf Geldautomaten nicht mehr lohnt“, erklärt die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Versicherungsverbandes GDV, Anja Käfer-Rohrbach.

Künftig könnten einige Geldautomaten nur noch tagsüber zugänglich sein (Symbolfoto).

Wenn das Gefährdungspotential für unbeteiligte Dritte an gewissen Standort besonders hoch erscheint, könnte es auch zum Abbau der betreffenden Geldautomaten kommen. Diese Option sei allerdings, wie die Sparkasse mitteilt, weiterhin die „Ultima Ratio“.

Wenn also keine der in Betracht gezogenen Möglichkeiten zu einer Minimierung des Risikos führt, könnten Bankautomaten an andere Orte verlegt werden. Welche Standorte als besonders gefährdet gelten, werde laut Sparkasse individuell vor Ort abgewägt. Automaten, die an Wohngebäuden angrenzen, unterliegen einer genaueren Kontrolle.

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