Immobilienkredite

Sparkasse-Chef besorgt: „Nachfrage ist von einem Tag auf den anderen eingebrochen“

Inflation und horrende Energiepreise zwingen viele deutsche Haushalte zum Abwarten und Sparen. Auch die Sparkassen spüren die Auswirkungen.

München – Die Sparkassen sind der Bankenverbund in Deutschland mit den meisten Kunden. Deshalb haben sie einen guten Einblick in die finanziellen Entwicklungen der deutschen Haushalte. Sparkassenpräsident Helmut Schleweis warnt nun in einem Interview mit dem Handelsblatt, dass die Einlagenzuflüsse bei den Kunden der Sparkassen im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen seien, berichtet Merkur.de.

Sparkassen-Chef: „Immer mehr Menschen müssen auf Ersparnisse zurückgreifen“

„Das zeigt, dass immer mehr Menschen auf Ersparnisse zurückgreifen müssen, um ihre Lebenshaltungskosten zu bestreiten. Zunehmend ist auch die Mittelschicht betroffen. Also Menschen, die bisher gut mit ihrem laufenden Einkommen ausgekommen sind“, sagte Schleweis dem Magazin. Deshalb halte er es für wichtig, dass „diese Gruppe und die mittelständischen Unternehmen bei Unterstützungsprogrammen stärker ins Blickfeld genommen“ würden.

Gleichzeitig gehe das Interesse an Immobilienkrediten zurück. „Die Nachfrage ist von einem Tag auf den anderen eingebrochen. Viele Projekte im Planungsstadium werden storniert“, sagte Schleweis dem Handelsblatt und nannte die steigenden Kosten als einen maßgeblichen Faktor. Zuletzt hat die Sparkasse drastische Änderungen für Kunden eingeführt.

Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). (Archiv)

Im ersten Halbjahr sei die Nachfrage nach Immobilienkrediten noch hoch gewesen. „Das lag jedoch auch daran, dass viele Projekte planerisch und finanziell schon auf dem Weg waren“, sagte Schleweis. „In den vergangenen Wochen hat sich das Bild schlagartig verändert.“ Viele Interessenten würden nun erst einmal abwarten.

Energiekrise: 60 Prozent der Haushalte verbrauchen gesamte Einkünfte

Schon im September berechnete der Deutschen Sparkassen- und Giroverband, dass 60 Prozent der Haushalte für die laufenden Ausgaben ihre gesamten monatlichen Einkünfte und teils auch Ersparnisse verbrauchen würden. Besonders Gastgewerbe, Tourismus, Einzelhandel und andere Dienstleister müssen sich darauf einstellen, dass Kunden weniger ausgeben.

Firmen könnten darüber hinaus durch die hohen Energiepreise an den Rand der Existenz geraten, sagte Schleweis. Der Verband sprach sich dafür aus, die Strom- und Gaspreise zu begrenzen. Zudem müssten Haushalte und Unternehmen mindestens 20 Prozent Energie einsparen und in erneuerbare Energien investieren. (lma/dpa)

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