Entscheidung des BGH

Sparkasse schmeißt tausende Kunden raus – weil sie Frist verschlafen haben

Die Sparkasse hat in den vergangenen Wochen rund 10.000 Kunden gekündigt. Grund sind die neuen AGB - und eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs.

Nürnberg/Dortmund – Nichtsahnend leerten rund 10.000 Kunden der Sparkasse den heimischen Briefkasten und wurden mindestens überrascht von dem, was in dem Brief stand. Die Sparkasse Nürnberg hat als erstes Institut massenhaft Kündigungsschreiben verschickt. Der Grund: Betroffene Personen haben den aktuellen AGB nicht zugestimmt.

Sparkasse zieht Reißleine und kündigt 10.000 Kunden - weitere könnten folgen

Wie eine Sprecherin gegenüber inFranken.de bestätigte, wurden rund 10.000 Sparkassen-Kunden in den vergangenen Wochen darüber informiert, dass sie bis zum 31. Dezember 2022 gekündigt werden.

Demnach hätten sie trotz mehrmaliger Erinnerung den neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nicht zugestimmt. Dies sind vorformulierte Vertragsbedingungen, die eine Vertragspartei der anderen bei Abschluss eines Vertrages stellt.

Der Grund, warum so viele Sparkassen-Kunden nicht reagierten und nun offenbar von der Kündigung der Sparkasse überrascht wurden: Bislang wurde eine stillschweigende Zustimmung vorausgesetzt, wie eine Sprecherin der Sparkasse erklärt. Kunden mussten lediglich innerhalb von zwei Monaten Widerspruch einlegen, sollten sie den neuen Bedingungen nicht zustimmen.

Folgen weitere Kündigungen der Sparkasse? Kunden können jetzt reagieren

Dies änderte jedoch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) im April 2021, wie wa.de berichtet. Seitdem müssen Kreditinstitute bei der Änderung der AGB die Zustimmung der Kunden einholen.

Weil die Sparkasse Nürnberg im Oktober 2020 die Kosten für Girokonten anhoben, trat anschließend erst die Entscheidung des BGH in Kraft. Anschließend wurden betroffene Personen darüber informiert, den AGB zustimmen zu müssen, sollte das Konto weitergeführt werden.

Die Sparkasse hat in den vergangenen Wochen rund 10.000 Kunden gekündigt.

Wer in den vergangenen Wochen ein Kündigungsschreiben der Sparkasse, die einen Nachfolger für die Girocard gefunden hat, erhielt, kann nun handeln. Eine Zustimmung der AGB ist weiterhin möglich. Zudem sollte Kontakt zum entsprechenden Kreditinstitut aufgenommen werden. Derweil kann nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Sparkassen-Filialen ähnliche Maßnahmen treffen.

Ebenso auf der Hut sein sollten Sparkassen-Kunden bei sogenannten Phishing-Mails. Betrüger versuchen darüber, an sensible Kontodaten zu gelangen.

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