Neue Anlageoptionen

Sparkasse stößt Änderung an – Kunden werden vor die Wahl gestellt

Während der Anlageberatung müssen Sparkassen-Mitarbeiter ihren Kunden zukünftig mehr Fragen stellen. Doch einige Experten sparen nicht mit Kritik.

NRW – Das Gespräch mit einem Anlegeberater oder einer Anlageberaterin gehört wohl nicht zu jenen Terminen, die man mal eben im Vorbeigehen erledigen kann. Dank einer neuen Regelung wird sich das auch nicht ändern, im Gegenteil. Wie RUHR24 berichtet, sollen Kunden von Kreditinstituten wie den Sparkassen nun vor die Wahl gestellt werden – Experten sehen das mitunter kritisch (mehr Service auf RUHR24).

SparkassenÜberwiegend Öffentlich-rechtliche Universalbanken in kommunaler Trägerschaft
EntstehungZumeist im 18. Jahrhundert, um Ärmeren kleinste Kapitalanlagen und Risikovorsorge zurückzulegen
AnzahlRund 370 Institute, 12.000 Geschäftsstellen und 200.000 Mitarbeiter

Geldinstitute wie Sparkassen sollen Kunden beim Geldanlegen nachhaltige und soziale Produkte anbieten

Banken und Geldinstitute wie die Sparkassen sind seit dem 2. August dieses Jahres verpflichtet, ihren Kunden nachhaltige Produkte anzubieten. Im Gespräch mit den Anlageberatern müssen diese gemäß der rund 7000 Seiten umfassenden EU-Richtlinie „Mifid II“ (“Markets in Financial Instruments Directive) die Vorlieben ihrer Kunden bei nachhaltigen und sozialen Anlageprodukten erfragen.

So will die Europäische Union grünen Anlageformen mehr Gewicht verleihen und, laut der Sparkasse, Finanzströme vermehrt in Unternehmen leiten, „die sich aktiv für den Klimaschutz einsetzen“. Schließlich wünschten sich immer mehr private Anleger die Möglichkeit, „ihr Geld in möglichst klimaschützende und soziale Anlageprodukte zu investieren“.

EU will grünen Anlageformen mehr Gewicht verleihen – Ökofonds und nachhaltige ETFs als Optionen

Nicht nur werden Privatanleger von nun an nach ihren bereits bestehenden Anlagen, ihren Renditeerwartungen, ihrer Risikobereitschaft oder ihrem finanziellen Rahmen für Anlagen gefragt. Stattdessen muss man sich jetzt auch mit der Frage auseinandersetzen, ob die Investition einen positiven Effekt auf die Gesellschaft und die Umwelt mit sich bringen soll. Das ginge beispielsweise durch Öko-Fonds oder nachhaltige ETFs, berichtet das Finanz-Vergleichsportal Biallo.

Außerdem werden potenzielle Anleger danach gefragt, ob sie Investments zur Förderung von Atomenergie, Rüstung oder Kohle ausschließen wollen. Das Ganze läuft laut der Sparkasse nach einem Leitfaden des Fachverbands „Forum Nachhaltige Geldanlagen“ (FNG) ab. Bei der Auswahl der Fragen haben die verschiedenen Geldhäuser allerdings freie Hand.

Anlagegespräch wird laut Sparkasse länger und komplexer – Kunden sollten sich vorbereiten

Entsprechend zeitaufwändig kann so ein Gespräch zu Anlageprodukten werden, weshalb die Sparkasse darum bittet, keine Anschlusstermine zu vereinbaren. Ohnehin sei so ein Gespräch ein „komplexes Unterfangen“, insbesondere für jene, die sich mit dem Thema Geldanlagen im Alltag nicht auseinandersetzen. Zuletzt hatten viele Sparkassen den umstrittenen Negativzins abgeschafft.

Durch die zusätzlichen Fragen rund um die Themen Nachhaltigkeit und soziales Engagement werde der Beratungsprozess laut der Sparkasse nun automatisch „noch detaillierter und aufwendiger“. Im Idealfalls sollten sich die Anleger deshalb im Voraus überlegen, was ihnen bei der Geldanlage wichtig ist und welche Produkte sie gerne ausschließen möchten.

Entsprechend wichtig ist es, dass sich Kundinnen und Kunden vor einem Anlagegespräch darüber im Klaren sind, ob und wenn ja, in welche nachhaltigen, bzw. soziale Produkte sie investieren wollen. Dabei gilt: je konkreter die Vorstellung, desto besser.

Sparkassen fragen Geldanleger nun „nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen“

Zumindest Sparkassen-Kunden werden Fragen rund um den Klimaschutz oder ethisch vertretbare Investitionen im Anlagegespräch wohl nicht ganz neu vorkommen. Schließlich hätten die Sparkassen laut eigener Aussage „mit der nachhaltigen Beratung nach den EU-Vorgaben bereits im Jahr 2020 begonnen“.

Laut dem Deutschen Sparkassen und Giroverband (DSGV) musste die Fragestrecke der Sparkassen jetzt allerdings „aufgrund der neuen gesetzlichen Vorgaben stark erweitert werde“. In bis zu drei Fragen würden die Kunden nun „nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen gefragt“ werden, berichtet Biallo.

Im Gespräch rund um Geldanlagen werden Sparkassen-Berater ihren Kunden nun mehr Fragen stellen müssen.

Fehlende Produkte, keine einheitliche Definition und Freiheit der Banken sorgen für Kritik

Doch weil dabei viele Details erfragt werden müssen, werde das Beratungsgespräch „komplexer, aber nicht verständlicher“, kritisiert der Bundesverband deutscher Banken (BdB). Hinzu kommen zwei weitere Probleme: Einerseits besteht keine einheitliche und verbindliche Definition von „Nachhaltigkeit“. Nach dem EU-Regelwerk sind beispielsweise auch Atomkraft und Gas als nachhaltig klassifiziert worden.

Andererseits stehe laut der Deutschen Kreditwirtschaft „zum Start der neuen Regelung viele Produkte, die den Nachhaltigkeitspräferenzen von Kunden und Kundinnen entsprechen, noch nicht zur Verfügung.“ Das Angebot werde laut der Sparkasse perspektivisch erweitert, allerdings mit Verzögerung.

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