Wegen der Energiekrise

Supermarkt-Öffnungszeiten bundesweit nur bis 20 Uhr? Rewe verkündet klaren Plan

Aufgrund der Energiekrise müssen alle sparen – auch Supermärkte. Verkürzte Öffnungszeiten werden diskutiert. Rewe äußert sich erstmals zu der Idee.

Dortmund – Jede Kilowattstunde, die eingespart werden kann, zählt – so der aktuelle Tenor in Deutschland, um den drohenden Energieengpässen vorzubeugen. Ideen, wie das umzusetzen ist, gibt es viele. Eine davon sind verkürzte Öffnungszeiten im Supermarkt und Discounter. Die Branche ist jedoch geteilter Meinung.

Zweitgrößte Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland Rewe Group
HauptsitzKöln (NRW)
FilialenRund 3700 deutschlandweit

Schließen Supermärkte bald um 20 Uhr? Vorstoß aus der Branche sorgt für Aufregung

Nicht nur die Bürgerinnen und Bürger müssen Strom und Gas sparen, auch Kommunen und Städte „ziehen den Stecker“. Außenbeleuchtungen von Gebäuden wird es im Winter nicht geben, Ladentüren müssen geschlossen bleiben, in Büros wird die Raumtemperatur reduziert – um nur drei der durch die Regierung umgesetzten Energiesparmaßnahmen zu nennen.

Die seit dem 1. September geltenden Regeln sehen zwar keine verkürzten Öffnungszeiten des Einzelhandels vor, die Branche diskutiert dennoch über die Idee – insbesondere nach dem Vorstoß von Tegut.

Geschäftsführer Thomas Gutberlet schlug vor, dass Supermärkte und Discounter sich deutschlandweit am „Beispiel Bayern“ orientieren sollten. Heißt konkret: In den kommenden drei Monaten sollen alle Lebensmittel-Geschäfte nicht länger als 20 Uhr geöffnet haben. Jetzt hat sich Rewe erstmals zu der Forderung geäußert und einen klaren Plan verkündet.

Verkürzte Öffnungszeiten im Supermarkt: Rewe verkündet klaren Plan

Auf Anfrage der Lebensmittel Zeitung (LZ) gab es vonseiten der Rewe-Dachorganisation eindeutige Worte: „Eine Verkürzung wird bei uns nicht diskutiert“. Kunden des Supermarkt-Riesen dürfen also weiterhin bis 22 Uhr einkaufen gehen – mit einigen Ausnahmen.

Denn die Öffnungszeiten sind seit einer Gesetzänderung 2006 Ländersache. Seitdem gibt es einen Flickenteppich für die Schließzeiten im Einzelhandel.

Ladenöffnungszeiten der Bundesländer im Überblick

►  Montag – Samstag rund um die Uhr: Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein

Montag - Freitag rund um die Uhr, Samstag bis 22 Uhr: Mecklenburg-Vorpommern

Montag - Freitag rund um die Uhr, Samstag bis 20 Uhr: Thüringen

Montag – Samstag 6 bis 22 Uhr: Rheinland-Pfalz, Sachsen

Montag – Samstag 6 bis 20 Uhr: Bayern, Saarland

Öffnungszeiten bei Rewe ändern sich vorerst nicht – mit einigen Ausnahmen

Bei Rewe kommt noch eine weitere Ausnahme hinzu: Einige Filialen des Lebensmittelkonzerns sind inhabergeführt. Selbstständige, die diesen Schritt gewagt haben, können folglich selbst entscheiden, ob sie die Öffnungszeiten nun verkürzen oder nicht. Sie müssen sich also de facto nicht an die klaren Vorgaben der Rewe Group halten.

Dass das auch der Fall ist, zeigt unter anderem eine Aussage von einem Rewe-Marktleiter in Bremen. Gegenüber der LZ sagt Daniel Petrat: „Wir diskutieren auch schon über kürzere Öffnungszeiten mit mehreren Kaufleuten. Uns beschäftigt das Thema bereits seit einigen Wochen, aber zu einer Entscheidung sind wir diesbezüglich noch nicht gekommen.“

Verkürzte Öffnungszeiten im Supermarkt aufgrund der Energiekrise? Das plant Rewe

Er geht davon aus, dass die kürzeren Öffnungszeiten ohnehin flächendeckend kommen werden. Petrat würde eine solche einheitliche Regelung begrüßen – auch im Sinne der Kunden. Von anderen Supermärkten und Discountern gibt es Aussagen, die hingegen weniger deutlich sind, als die der Rewe Group.

Öffnungszeiten bis 20 Uhr bei Rewe und Co.: Das planen die anderen Supermärkte

So schließt Aldi Nord eine Anpassung der Öffnungszeiten im Hinblick auf die derzeitige unsichere Entwicklung der Energieversorgung nicht aus. Man werde jede denkbare Sparmaßnahme in Betracht ziehen, so der Discounter. Auch ein Inhaber eines Edeka-Marktes in Hessen hält kürzere Öffnungszeiten bis 20 Uhr durchaus für sinnvoll.

Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, will von kürzen Öffnungszeiten ihrer Supermärkte wiederum nichts wissen. Insbesondere Berufstätigen kämen die Öffnungszeiten bis 22 Uhr entgegen, so das Argument.

Fakt ist: Die Aussagen zeigen, dass die Meinungen der Branche über verkürzte Öffnungszeiten als Energiesparmaßnahme auseinandergehen. Somit ist davon auszugehen, dass Kunden erst einmal nicht um 20 Uhr vor verschlossenen Türen stehen werden. Ob eine einheitliche Regelung vonseiten der Politik kommt, bleibt ebenso abzuwarten.

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