Tester decken Probleme auf

Spätzle im Öko-Test: Viele Produkte gut bewertet – doch der Schein trügt

Spätzle bei Öko-Test
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Öko-Test prüft Spätzle: Überzeugnder Geschmack „wie bei Oma“ – die Probleme liegen woanders. (Symbolbild)

In seiner aktuellen Ausgabe stellt Öko-Test Spätzle auf den Prüfstand. Vom Geschmack sind die Tester überzeugt, decken aber andere Probleme auf.

Deutschland – Sensorisch können die Spätzle bei Öko-Test voll überzeugen. Die Prüfer kommen zu dem Ergebnis, sie schmeckten „fast wie bei Oma“. Ein großes Problem sei allerdings das mit der Herstellung verbundene Tierleid. Für jedes der Produkte mussten Küken sterben.

Öko-TestVerbrauchermagazin
Verkaufte Auflage112.783 Exemplare
ChefredakteurHans Oppermann

Spätzle im Öko-Test: So wurde getestet

Für ihren Test haben die Prüfer insgesamt 20 Produkte aus dem Kühlregal gekauft. Diese wurden im Labor auf Schadstoffe wie Pestizidrückstände, Schimmelpilzgifte, Cadmium oder Mineralöl geprüft. Auch der Salzgehalt sowie kritische Zusatzstoffe wurden erfasst.

Geschulte Sensorikprüfer haben die Spätzle dann zubereitet und einem Geschmackstest unterzogen. Bei der Bewertung floss schließlich auch mit ein, wie die Hühner der verwendeten Eier gehalten wurden (weitere Testberichte auf RUHR24).

Guter Geschmack, wenig Schadstoffe – viele Spätzle überzeugen im Test

Goldgelbe Optik und ein leckerer Geschmack „nahe an selbst gemacht“: Sensorisch überzeugen die Spätzle im Test. Gut schneiden sie aber nicht nur hinsichtlich des Geschmacks ab. Auch in Sachen Schadstoffe haben die Prüfer insgesamt nicht viel zu meckern. Allerdings sind bei rund einem Viertel der Produkte die Verunreinigungen mit Mineralöl „leicht erhöht“.

Außerdem erhalten drei Produkte bedenkliche Pestizide. Drei weitere Spätzle enthalten zu viel Salz. Hygienisch seien die Produkte aber „einwandfrei“, bemerken die Tester. Ebenso konnten sie kein Schimmelpilzgift und auch kein Cadmium nachweisen.

Spätzle bei Öko-Test: Schmecken wie bei Oma – aber Tiere müssen leiden

Obwohl Öko-Test vom guten Geschmack der Spätzle überzeugt ist und nur wenige Schadstoffe nachweisen konnte, sehen die Prüfer die Produkte aber insgesamt kritisch. Das entscheidende Problem dabei: das mit der Produktion verbundene Tierleid.

So kritisiert Öko-Test im großen Spätzle-Test, dass die Hersteller bei verarbeiteten Eiern keine Angaben zur Herkunft machen müssen. Eben dieses Problem der fehlenden Kennzeichnungspflicht besteht übrigens auch bei bunten Ostereiern aus dem Supermarkt.

Dementsprechend nachlässig scheinen die Produzenten mit dem Tierwohl auch umzugehen: Nur in drei von 20 Spätzle-Packungen stecken Eier aus einer besseren Haltung als Bodenhaltung.

Spätzle im Test: Für jedes der Produkte mussten Küken sterben

Ein weiteres Problem das Tierwohl betreffend ist das Kükentöten. Öko-Test bemängelt, dass für jedes der geprüften Produkte männliche Küken sterben mussten.

Und das, obwohl es bei frischen Eiern mittlerweile Hersteller gibt, die männliche Tiere als sogenannte „Bruderhähne“ halten. Dabei werden die männlichen Küken nicht am Tag der Geburt aufgrund ihres Geschlechts getötet, sondern ebenso wie die weiblichen Tiere aufgezogen. Eine solche Bruderhahn-Aufzucht findet sich bei den in den getesteten Spätzle verwendeten Eiern nur in einem einzigen Fall – und dort auch nur teilweise.

Sechs der Hersteller hätten immerhin angegeben, dass sie bis 2022 auf eine Produktion mit Bruderhahn-Aufzucht umsteigen würden, bemerken die Tester. Das ist allerdings eine schwierige Aussage, denn: Ab 2022 will die Bundesregierung das Töten männlicher Küken ohnehin per Gesetz verbieten*, wie auch merkur.de* berichtet. Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, will damit die „unethische Praxis“ des Kükentötens in Deutschland untersagen.

Video – Veganes Hackfleisch: Die meisten sind mit Mineralöl verunreinigt

Spätzle im Öko-Test: Das sind die Ergebnisse und Testsieger

Obwohl fast alle der getesteten Spätzle beim Unterpunkten Geschmack und Inhaltsstoffen die Noten „Gut“ und „Sehr gut“ erreichen, führt das mit der Produktion einhergehende Tierleid bei vielen Produkten zu erheblichem Punktabzug. So vergeben die Tester schließlich neunmal „Befriedigend“, dreimal „Ausreichend“ und sechsmal „Gut“.

Auch die Bestnote „Sehr gut“ wird im Spätzle-Test vergeben. Die großen Testsieger sind die beiden Produkte, die ihren Hühnern eine bessere Haltung als Bodenhaltung bieten, nämlich:

  • Bio Verde Frische Eier Spätzle; Anbieter: Isana Naturfeinkost; Preis pro 500 Gramm: 3,49 Euro; Eier aus biologischer Haltung
  • Hilcona Spätzlini Minis; Anbieter: Hilcona; Preis pro 500 Gramm: 2,49 Euro; Eier aus Freilandhaltung

Alle Verlierer und Gewinner im Test gibt es bei Öko-Test (Bezahlartikel). *merkur.de ist ein Angebot des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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