Otto-Group

Einzelhändler beendet nach 30 Jahren Tradition – Aus für legendären Katalog

Prospekten und Katalogen geht es an den Kragen. Nach Ikea, Rewe und Obi reagiert jetzt der nächste Händler. Er ist Tochter des Otto-Konzerns.

Dortmund – Ikea hat es 2021 schon vorgemacht und den traditionellen Katalog eingestampft oder besser gesagt, das Format für die Werbung komplett verändert. Jetzt zieht ein weiterer Händler nach und will seinen legendären Katalog nicht länger drucken und an Kunden versenden lassen.

Handels- und DienstleistungsgruppeOtto Group
HauptsitzHamburg
HändlerU.a. Manufactum, Baur, Limango

Prospekte werden eingestampft: Immer mehr Unternehmen ziehen nach

Rund 28 Millionen Werbeprospekte landen jährlich in den Briefkästen der Haushalte in Deutschland. Doch immer mehr Unternehmen verabschieden sich von den Handzetteln – aus umwelttechnischen Gründen.

Nach Obi und der Drogerie Müller hatte zuletzt Rewe bekannt gegeben, „mehr als 73.000 Tonnen Papier, 70.000 Tonnen CO₂, 1,1 Millionen Tonnen Wasser und 380 Millionen kWh Energie“ einsparen zu wollen, indem man keine Prospekte mehr drucken will.

Doch nicht nur den Prospekten geht es an den Kragen, auch den Katalogen. Nach Ikea will nun auch die Otto-Tochter Manufactum den Hauptkatalog einstellen. Der Einzelhändler mit Sitz im nordrhein-westfälischen Waltrop ist vor allem bekannt für langlebige, vor allem aber auch kostspielige Produkte für Haushalt oder Garten.

Otto-Tochter stellt Katalog nach über 30 Jahren ein: Fans sind wehmütig

Was Manufactum selbst mit zeitlosem Design bei seinen Waren bewirbt, mag manch einen Kunden viel mehr an ein Retro-Design aus vergangenen Zeiten erinnern. Der Katalog kommt daher zeitweise vielmehr einem Gang durchs Museum gleich, anstatt einer Werbemaßnahme. Einige Fans wird das Aus des „sympathisch altmodischen, umfangreichen Manufactum-Hauptkatalogs wehmütig stimmen“, mutmaßt die Lebensmittelzeitung (LZ).

Man wolle sich verstärkt auf das Digital-Angebot konzentrieren, heißt es vonseiten des Waltroper Einzelhändlers, der deutschlandweit zahlreiche Filialen betreibt. Die Konsequenz aus diesem Schritt bedeutet, dass man den Hauptkatalog nach rund 34 Jahren nun einstellt. Schon 2022 wird es keinen weiteren Katalog mehr von Manufactum geben.

Der Katalog hat jedoch regelrechten Kultstatus erreicht. Alte Exemplare werden sogar bei Ebay oder anderen Gebrauchtwarenportalen im Internet verkauft. Kostenpunkt: Je älter, desto teurer. Ein Katalog aus dem Jahr 2001 wird beispielsweise bei booklooker für rund 15 Euro angeboten. Ob der Wert mit dem Aus des Katalogs jetzt noch weiter steigt, bleibt abzuwarten.

Manufactum stellt Katalog ein – Fokus auf digitale Werbung und Online-Shop

Das Tochterunternehmen der Otto-Group gibt an, dass man mit diesem Schritt auf das sich verändernde Kunden-Verhalten reagieren wolle. Insbesondere in den letzten drei bis vier Jahren habe sich hier eine deutliche Veränderung gezeigt, so Manufactum Geschäftsführer Kai Steffan.

Der Einzelhändler Manufactum stellt den Katalog ein. Aber ganz verzichten müssen Kunden nicht.

Auch die Corona-Pandemie hätte den Trend hin zu mehr digitalen Vertriebs- und Kommunikationswegen verstärkt. Insbesondere Neukunden informieren sich nahezu ausschließlich online und kaufen primär nur im Online-Shop des Einzelhändlers, wie die LZ das Unternehmen zitiert.

Einzelhändler stellt Katalog in Deutschland ein – aber ganz verzichten müssen Kunden nicht

Der Katalog werde hauptsächlich noch von den Bestandskunden genutzt, doch auch hier würde sich eine Veränderung hin zu digitalen Angeboten abzeichnen. Für Manufactum also Grund genug, den Katalog nun nach so langer Zeit einzustellen. Doch ganz verzichten müssen die Fans des musealen Katalogs doch nicht.

Zwar soll der Schwerpunkt künftig auf dem Online-Kanal liegen, doch für einzelne Warengruppen will man gelegentlich noch Sortimentskataloge drucken und an die Kunden verschicken lassen.

Ein Blick auf die Webseite zeigt schon jetzt, wie solche Kataloge aussehen können. Unter anderem bietet Manufactum einen Katalog speziell für Herren- oder Damenkleidung an. Aber auch ein Magazin rund um das Thema Garten oder Küche wartet auf die Kunden. Die Sortimentskataloge können entweder kostenlos bestellt oder digital durchgeblättert werden.

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