Vorsicht vor der Rekordhitze!

Sonnenstich oder Hitzschlag: Symptome, Erste Hilfe und Tipps zum Vorbeugen

Wer sich bei Sonnenschein und Rekordhitze zu lange draußen aufhält, riskiert einen Sonnenstich oder gar einen Hitzschlag. Damit ist nicht zu spaßen.

NRW – Bei strahlendem Sommerwetter zieht es Sonnenanbeterinnen und -anbeter häufig raus in die Natur. Auf zahllosen Liegewiesen in Schwimmbädern oder in Parks lassen es sich viele trotz der erwarteten Hitzewelle mit Temperaturen von über 40 Grad gut gehen. Doch die Kehrseite der Medaille sind die tausenden Hitzetote jedes Jahr.

Hitzetote in Deutschland im Jahr 2018 etwa 8700 hitzebedingte Sterbefälle
Hitzetote in Deutschland im Jahr 2019etwa 6900 hitzebedingte Sterbefälle
Hitzetote in Deutschland im Jahr 2020etwa 3700 hitzebedingte Sterbefälle (Quelle: tagesschau)

Sonnenstich und Hitzschlag: 19.000 Todesopfer durch Hitze in drei Jahren

In den drei Sommern 2018 bis 2020 sind in Deutschland laut Angaben des Robert Koch-Instituts mehr als 19.000 Menschen aufgrund der Hitze gestorben. Entsprechend wichtig ist die Prävention sowie das richtige Verhalten im Falle eines Sonnenstichs oder gar eines Hitzschlags – insbesondere in Zeiten, in denen sich eine Hitzeblase aus Afrika mit Rekordtemperaturen ankündigt.

Laut dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) sollte die Gefahr von Hitzenotfällen „nicht unterschätzt werden“, erklärt DRK-Bundesarzt Bernd Böttinger. Insbesondere Säuglinge, Kleinkinder, aber auch ältere und kranke Menschen seien laut dem DRK besonders durch Hitzenotfälle gefährdet.

Sonnenstich und Hitzschlag: Schatten, Kopfbedeckung und genug Flüssigkeit zur Vorbeugung

Eine Empfehlung vorweg: Besser im Schatten aufhalten, eine Kopfbedeckung sowie leichte, lichtdichte Kleidung tragen und möglichst die Mittagshitze zwischen 11 und 15 Uhr meiden. Auch ausreichend Wasser trinken ist wichtig. Professor Böttiger, Klinikdirektor der Uniklinik Köln empfiehlt laut dem DRK, „mindestens einen Liter mehr als die üblichen 1,5 bis 2 Liter täglich“ zu konsumieren „und das nicht erst, wenn ein Durstgefühl einsetzt“.

Ebenso solle man körperliche Aktivitäten unterlassen, um dem Kreislauf keine Doppelbelastung zuzumuten. Zum Schutz der Haut und um das Krebsrisiko zu minimieren, sollte man sich zudem großzügig mit Sonnencreme eincremen, die einen der Haut entsprechenden Lichtschutzfaktor aufweist.

Sonnenstich und Hitzschlag: Beim Sonnenstich wird die Hirnhaut verletzt – Entzündung möglich

Doch wo genau liegt der Unterschied zwischen einem Hitzschlag und einem Sonnenstich? Wie der Bayrische Rundfunk (BR) erklärt, bestehe insbesondere dann die Gefahr eines Sonnenstichs, wenn der Kopf und der Nacken der Sonne ausgesetzt sind. Hirnhäute würden in diesem Fall durch den Hitzestau verletzt und können sich sogar entzünden – mit dramatischen Folgen für das Gehirn.

Denn dadurch könne es laut dem BR „zu einer Schwellung des Gehirns und zu einem Anstieg des Hirndrucks kommen.“ Die klassischen Symptome bei einem Sonnenstich sind laut dem BR und Netdoktor:

  • Kopfschmerzen
  • ein roter und heißer Kopf
  • Nackensteifheit
  • Körper oft eher kühl
  • Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Mattigkeit
  • manchmal leichtes Fieber
  • manchmal Schüttelfrost
  • im schlimmeren Fall getrübtes Bewusstsein

Sonnenstich und Hitzschlag: Auch Zwischenstadium Hitzeerschöpfung ist ernst zu nehmen

Sollte man ein oder mehrere dieser Anzeichen für einen Sonnenstich aufweisen, gilt die Regel: raus aus der Sonne! Ebenso sollten Betroffene ihren Kopf kühlen und möglichst viel trinken.

Auch eine Hitzeerschöpfung, eine Art Übergangsstadium zwischen einem Sonnenstich und einem Hitzschlag, sollte ernst genommen werden. Betroffene weisen laut dem schwedischen Online-Gesundheitsunternehmen kry dabei häufig vor allem eine Körpertemperatur von 38 Grad oder darüber auf.

Beim Hitzschlag versagt die Wärmeregulierung des Körpers: Das sind die Symptome

Hinzu kommen Symptome wie unter anderem Kopfschmerzen, Müdigkeit, übermäßiges Schwitzen, sehr starker Durst sowie Verwirrtheit und Schwindelgefühle. Auch hier sollte man seinen Körper schnell abkühlen, viel trinken und sich Ruhe gönnen.

Während der Sonnenstich eher auf den Kopf beschränkt ist, betrifft ein Hitzschlag, auch Hyperthermiesyndrom genannt, den gesamten Körper. In diesem Fall versagt seine Wärmeregulierung. Klassische Hitzschlag-Symptome sind:

  • Hohe Körpertemperatur bis über 40 Grad
  • Schneller Herzschlag
  • Niedriger Blutdruck
  • Rote trockene Haut
  • kein Schweiß

Hitzschlag-Patienten landen „meistens gleich auf die Intensivstation“: Erste Anzeichen beachten

Beim Verdacht auf einen Hitzschlag, dem vielfach eine Hitzeerschöpfung vorausgeht, sollte man schnellstmöglich einen Notarzt verständigen. Nicht umsonst kämen Hitzschlag-Patienten laut Dr. Markus Wörnle, Internist am Klinikum München, „meistens gleich auf die Intensivstation“.

Mit einem Hitzschlag ist nicht zu spaßen: Da das körpereigene Regulierungssystem ausfällt, funktioniere laut dem BR die Schweißproduktion nicht mehr, sodass sogar Lebensgefahr bestehe.

Sonnenstich und Hitzschlag: Beobachter sollten bei einem Hitzenotfall sofort Erste Hilfe leisten

Wer einen Hitzenotfall mitbekommt, sollte die betroffene Person umgehend aus der direkten Sonne holen und in den Schatten bringen. Daraufhin empfiehlt das DRK, den Oberkörper erhöht zu lagern, beengte Kleidung zu öffnen und, sofern Betroffene bei Bewusstsein sind, Wasser oder elektrolythaltige Getränke wie Tee oder Apfelschorle anzubieten.

Sonnenanbeter sollten sich der Gefahr eines Sonnenstichs, einer Hitzeerschöpfung und eines Hitzschlags bewusst sein.

Ebenfalls sollte man Betroffenen durch kalte Umschläge oder Zufächeln von Luft Abkühlung verschaffen. Der DRK-Bundesarzt Prof. Peter Sefrin empfiehlt laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zudem, die Beine von benommenen Personen hochzulegen.

Der Notruf 112 müsse dem DRK zufolge dann gewählt werden, wenn der Betroffene bewusstlos ist und dazu sicher normal atmet. In diesem Fall müsse die Person in eine stabile Seitenlage gebracht werden. Bis der Notarzt eintrifft, sollte das Bewusstsein und die Atmung regelmäßig kontrolliert werden. Zwar kann der Körper so lange mit feuchten Tüchern gekühlt werden, Eis sollte dabei aber nicht zum Einsatz kommen, erklärt das RND.

Rubriklistenbild: © Frank Hoermann/Sven Simon/Imago

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