Alte Creme birgt Risiko

Sonnencreme aus dem Vorjahr: Finger weg – Experten warnen vor gefährlicher Veränderung

Sonnencreme soll die Haut vor gefährlichen UV-Strahlen schützen. Alte Cremes können aber schädlich sein – sogar noch vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums.

Deutschland – Hautärzte sind sich einig: Sonnencreme ist ein Muss, um sich vor schädlichen UV-Strahlen zu schützen – und um vorzeitiger Hautalterung vorzubeugen. Die Creme aus dem Vorjahr zu verwenden, die noch im Badschrank steht, ist allerdings keine gute Idee. Denn das birgt Risiken, wie französische Forscher jetzt herausgefunden haben.

Sonnencreme: Experten warnen vor krebserregenden Stoffen in altem Sonnenschutz

Sonnencremes haben primär die Funktion, uns vor Hautkrebs zu schützen, der durch gefährliche UV-Strahlen begünstigt werden kann. Auch wenn sommerliche Temperaturen in Deutschland noch auf sich warten lassen: Experten raten dazu, die Haut auch vor der Frühlingssonne mit einer Creme zu schützen, die einen angemessenen Lichtschutzfaktor hat.

Gleichsam verweisen Hautärzte aber darauf, dass solche Cremes, Sprays oder Gels keinen völligen Schutz bieten. So warnt die Deutsche Krebsgesellschaft davor, dass Nutzer von Sonnencreme insgesamt sogar häufiger Hautkrebs bekämen. Der Grund: Sie setzen sich öfter und stärker der Sonne aus und wiegen sich oftmals in falscher Sicherheit.

Mikrobiologen aus Frankreich warnen jetzt vor einem weiteren Anwendungsfehler von Sonnenschutz: Ältere Produkte aus dem Vorjahr zu verwenden. Denn die Wissenschaftler fanden heraus, dass diese krebserregend sein können (mehr Warnungen und Rückrufe auf RUHR24).

Französische Forscher: chemischer UV-Filter in bekannten Sonnenschutzcremes ist gefährlich

Konkret geht es um Produkte mit dem chemischen UV-Filter Octocrylen. Dieser hat sich in entsprechenden Versuchen der Forscher in das Molekül Benzophenon verwandelt, das als krebserregend und Erbgut schädigend gilt.

Für ihre Studie haben die französischen Wissenschaftler zahlreiche namhafte Sonnenschutzmittel bekannter Marken wie Garnier, L‘Oréal oder La Roche-Posay in Frankreich und den USA eingekauft und diese künstlich mittels Erwärmung um ein Jahr altern lassen.

Sonnencreme: Studie aus Frankreich warnt vor krebserregendem Stoff

Insgesamt enthalten 16 der 17 getesteten Produkte Octocrylen – lediglich in Nivea Sun Protect und Hydrate SPF 50+ (in Frankreich gekauft) wurde der Stoff nicht nachgewiesen. Die Ergebnisse wurden im März 2021 im Fachmagazin Chemical Research in Toxicology veröffentlicht.

Sowohl Octocrylen als auch Benzophenon gelten schon länger als umstritten. Die Stoffe sollen hormonell wirken. Benzophenon hat zudem in Tierversuchen an Meerschweinchen Leberkrebs verursacht.

Didier Stien, einer der Autoren der französischen Studie, erklärt: „Kommt Benzophenon auf die Haut, kann es Ausschläge, Entzündungen oder Überempfindlichkeiten auslösen, aber auch Leberkrebs oder Lymphome. Das war in Tierversuchen der Fall. Das Molekül beeinträchtigt die Schilddrüse und die Fortpflanzungsorgane.

Sonnenschutzmittel: Viele UV-Filter bedenklich – Öko-Test rät zu Naturkosmetik

Überhaupt sehen viele Experten chemische UV-Filter kritisch. Auch Öko-Test rät grundsätzlich von chemischen UV-Filtern ab. Die Experten von Öko-Test empfehlen daher, auch beim Sonnenschutz auf Naturkosmetik-Produkte zu setzen, in denen mineralische Filter verwendet werden.

Mineralische Filter nutzen Minerale wie Titandioxid und Zinkoxid. Während chemische Filter in die Haut eindringen, legen sie sich schützend auf die Haut. Als Nachteil empfinden hierbei viele Verbraucher, dass entsprechende Cremes oftmals weiße Rückstände auf der Haut hinterlassen.

Bedenkliche Stoffe in Sonnencremes – Forscher fordern Verbot

Eine hilfreiche Übersicht über die verschiedenen UV-Filter sowie deren Bezeichnung bietet die Webseite von Beyer und Söhne. Hier werden nicht nur die Unterschiede erklärt, sondern auch die INCI-Bezeichnungen der verschiedenen Filter gelistet.

Beim Kauf sollten Kunden auf die bedenklichen Substanzen achten und entsprechende Cremes nach der aktuellen Sommersaison nicht mehr verwenden. Die französischen Forscher fordern auch die Hersteller auf, auf Octocrylen und Benzophenon zu verzichten. Die Politik solle außerdem ein Verbot prüfen.

Rubriklistenbild: © Bodo Marks

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