Bedenkliche Stoffe

Sonnenblumenöl im Öko-Test: Jedes vierte Produkt ist belastet

In der August-Ausgabe hat Öko-Test Sonnenblumenöl auf den Prüfstand gestellt. Das Ergebnis erschreckt: Denn vor allem beliebte Marken und Bio-Produkte sind belastet.

Deutschland – Sonnenblumenöl ist als Speiseöl bei vielen Verbrauchern besonders beliebt. Rund 410.000 Tonnen Sonnenblumenöl wurden laut Statista im Jahr 2020 hierzulande produziert. Wie Öko-Test jetzt festgestellt hat, ist ein nicht unerheblicher Teil davon belastet. Die Tester finden nicht nur Mineralöl, sondern auch krebserregende Schadstoffe und Schimmelpilze (weitere Testberichte auf RUHR24).

Öko-TestVerbrauchermagazin
SitzFrankfurt am Main
Erstausgabe1985

Sonnenblumenöl bei Öko-Test – so wurden die 21 verschiedenen Öle getestet

Für den Sonnenblumenöl-Test hat das Verbrauchermagazin insgesamt 21 Produkte eingekauft – darunter neun raffinierte und zwölf kaltgepresste. Die meisten davon sind kaum behandelt, also „nativ“.

Geschmacks-Experten haben die Sonnenblumenöle gemäß der Einheitsmethode der Deutschen Gesellschaft für Fettwissenschaft (DGF) bewertet. Im Labor wurden die Öle außerdem auf relevante Schadstoffe hin untersucht.

Sonnenblumenöl im Test: Geteilte Sache – die Hälfte ist empfehlenswert

Zunächst die gute Nachricht: Weichmacher sowie das Pestizid Glyphosat waren in keinem Öl nachweisbar. Auch wurden keine nennenswerten Fettschadstoffe und Transfettsäuren in hitzebehandelten Ölen gefunden.

Neben dem sehr guten Testsieger sind weitere neun Produkte „gut“ – rund die Hälfte der getesteten Öle können die Prüfer damit empfehlen. Alle Gewinner und Verlierer gibt es bei Öko-Test (Bezahlartikel).

Rund ein Viertel der Produkte enttäuschen aber auf ganzer Linie: Wegen der enthaltenen Schadstoffe fallen insgesamt fünf Produkte im Test durch. Die Tester vergeben dabei fünfmal „mangelhaft“ und einmal sogar die schlechteste Note „ungenügend“. Weitere sechs Produkte erhalten nur befriedigend.

Sonnenblumenfeld in Frankreich – Sonnenblumenöl ist eines der beliebtesten Speiseöle. Öko-Test hat beliebte Produkte geprüft. (Symbolbild)

Kritische Stoffe in Sonnenblumenöl – fast alle sind mit Mineralöl verunreinigt

Mineralöl ist dabei offenbar ein riesiges Problem bei Sonnenblumenöl: Abgesehen vom Testsieger, der auch als einziges Produkt die Note „sehr gut“ erhält, sind sämtliche Produkte mit Mineralöl belastet. Wie Öko-Test erklärt, sei der nachgewiesene Gehalt dabei bei 18 Produkten bereits „leicht erhöht“ – bei zweien sogar „stark erhöht“.

Gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) könnten sich in menschlichen Organen ansammeln. Inwieweit das gefährlich ist, sei noch völlig ungeklärt.

Sonnenblumenöl-Test: Krebserregende Stoffe und Schimmel – auch Bio versagt

Zwar sind auch viele der guten Öle Bio, das Bio-Siegel garantiert bei Sonnenblumenölen aber keine gute Qualität. Denn mehrere Bio-Produkte enttäuschen im aktuellen Speiseöl-Test. So finden die Prüfer in zwei Produkten einen erhöhten Gehalt an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Unter anderem habe man in beiden Produkten dabei die krebserregende Substanz Benzo(a)pyren nachgewiesen.

Ein weiteres Bio-Sonnenblumenöl der beliebten Drogeriekette dm fällt außerdem wegen des Schimmelpilzgifts Alternariolmonomethylether (AME) durch. Dieses Gift gilt als erbgutschädigend. Schimmelpilzgift ist übrigens auch bei Tomatenmark ein Problem, wie das Verbrauchermagazin – ebenfalls in der aktuellen Ausgabe – erklärt.

Schadstoffe in Sonnenblumenöl – Finger weg von diesen beliebten Marken

Besonders kritisch aus Verbrauchersicht: Am meisten Schadstoffe enthalten einige besonders bekannte und beliebte Produkte beispielsweise von dm oder Aldi. Das sind die drei großen Verlierer:

  • Produkt: dm Bio Sonnenblumenöl kaltgepresst, Naturland; Anbieter: Dm; Preis: 2,90 Euro; Mineralölbestandteile: erhöht; Belastung mit PAK: Spuren; weitere kritische Inhaltsstoffe: Alternariatoxin stark erhöht; Testergebnis Inhaltsstoffe: ungenügend; Testergebnis Sensorik: ausreichend; Gesamtergebnis: ungenügend
  • Produkt: Gut Bio Sonnenblumenöl nativ kaltgepresst; Anbieter: Aldi Süd; Preis: 2,90 Euro; Mineralölbestandteile: leicht erhöht; Belastung mit PAK: erhöht; weitere kritische Inhaltsstoffe: nein; Testergebnis Inhaltsstoffe: ausreichend; Testergebnis Sensorik: ausreichend; Gesamtergebnis: mangelhaft
  • Produkt: Thomy Reines Sonnenblumenöl; Hersteller: Nestlé; Preis: 3,05 Euro; Mineralölbestandteile: stark erhöht; Belastung mit PAK: Spuren; weitere kritische Inhaltsstoffe: nein; Testergebnis Inhaltsstoffe: mangelhaft; Testergebnis Sensorik: sehr gut; Gesamtergebnis: mangelhaft

Sonnenblumenöl-Test: Speiseöl ist aus ernährungsphysiologischer Sicht nur bedingt zu empfehlen

Was auffällt: Das Produkt von Nestlé erhält trotz des als sehr gut bewerteten Geschmacks aufgrund von Schadstoffen nur „mangelhaft“. Auch insgesamt können die meisten Öle immerhin geschmacklich überzeugen.

Die Tester des Verbrauchermagazins weisen aber auch darauf hin, dass Sonnenblumenöl als solches in der Küche nicht die erste Wahl sein sollte. Der Grund: Es enthält einen hohen Anteil an zweifach ungesättigter Linolsäure. Diese wirkt entzündungsfördernd.

Andere Speiseöle, wie beispielsweise Rapsöl, enthielten hingegen alpha-Linolensäure, die entzündungshemmend wirke. Gerade erst haben Forscher in einer Studie herausgefunden, dass eine Ernährung mit wenig Linolsäure sich beispielsweise positiv bei Migräne auswirken kann. Andererseits ist Sonnenblumenöl allerdings reich an Vitamin E. Wer auf dieses Speiseöl nicht verzichten möchte, sollte es aber am besten nicht ausschließlich verwenden.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa, Gustavo Cuevas

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