Irreführende Werbung

Smoothies im Test: Kritik an Angaben auf der Verpackung - „Wildwuchs“

Ein Glas mit Saft
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Smoothies werben oft mit Inhaltsstoffen, die nur minimal enthalten sind – das kritisiert die Verbraucherzentrale

Smoothies sollen gesund sein und werden deshalb auch so beworben. Im Test haben Verbraucherschützer jetzt jedoch schwere Mängel festgestellt.

Dortmund – Wenn die Temperaturen fallen, versuchen viele Menschen verstärkt auf ihren Vitaminhaushalt zu achten. Wem die Schnippelei bei Obst und Gemüse zu aufwändig ist, greift gerne mal zu einem Smoothie aus dem Kühlregal. Sie versprechen Vitamin-Power und exotische Früchte. Doch wenn es nach der Verbraucherzentrale geht, verbergen sich hier einige Mogelpackungen.

VereinVerbraucherzentrale
Gründung2000
VorsitzKlaus Müller

Smoothie: Verbraucherzentrale bemängelt im Test unklare Definition

„Kraut und Rüben statt Klarheit im Regal“ – so titelt die Verbraucherzentrale und weist auf das Fehlen einer klaren Definition eines Smoothies hin. Denn es ist nicht klar, was einen Smoothie wirklich ausmacht. Wie hoch muss der Anteil an Püree oder Mark im Vergleich zu Saft sein? Das ist gesetzlich nicht geregelt und könnte laut Verbraucherzentrale zu Verwirrung bei Kunden führen.

Die würden unter einem Smoothie vermutlich eine Mischung „aus wenig verarbeitetem Obst und/oder Gemüse verstehen, das eine sämige Konsistenz aufweist. Smoothies sollten sich von der Konsistenz her maßgeblich von einem Saft unterscheiden“, schreibt die Verbraucherzentrale in ihrem Bericht.

Smoothies im Test: Verbraucherzentrale kauft Produkte unter anderem bei Edeka, Aldi und Lidl

Wie sich die Smoothies wirklich zusammensetzen und, ob das die in der Aufmachung und Werbung gemachten Versprechungen der Firmen erfüllt werden, hat die Verbraucherzentrale in einem Marktcheck analysiert. Dazu wurden 50 Produkte überprüft, die sich selbst als Smoothie bezeichnen oder die in dem entsprechenden Kühlregal standen. Dazu haben die Tester die vermeintlich exotischen Vitamin-Bomben in folgenden Märkten gekauft:

  • Supermärkte: Edeka, Rewe, Real
  • Dicounter: Aldi, Lidl, Penny
  • Drogeriemärkte: dm, Rossmann
  • Bio-Märkte: denn‘s, Bio Company

Smoothies mit geringen Anteil an Fruchtpüree – nicht viel anders als Saft

Da der Begriff Smoothie keine rechtlich bindende Bezeichnung ist, wurden für die Verkehrsbezeichnungen (stehen oft vor den Zutaten) der getesteten Produkte oft Fantasienamen verwendet „und damit natürlich eine bestimmte Assoziation bei Verbrauchern suggeriert“, heißt es. Die Getränke nannten sich dann beispielsweise „Mehrfruchtsaft, Mischung aus Früchten und Fruchtsaft, Zubereitung aus Fruchtsaft und Fruchtmark oder Zubereitung aus Früchten und Fruchtsaft“. So vielfältig die Bezeichnungen der Smoothies im Test war, waren auch die Anteile an Fruchtpüree und Fruchtmark.

Der Anteil in den getesteten Smoothies betrug zwischen 16,6 und 75,2 Prozent. Ein geringer Püree-Anteil ließ laut Tester erwarten, dass der Smoothie nicht viel anders als ein Saft erscheint – die Verbraucherzentrale fragt sich dabei, ob die Bezeichnung Smoothie dann noch gerechtfertigt sei.

Spirulina und Matcha im Smoothie – allerdings nur in Minimengen

Besonders ärgerlich für Kunden: Minimengen. Trotz Hervorhebung auf dem vorderen Etikett einer Zutat, ist diese dann nur in geringen Mengen enthalten. Das war bei über der Hälfte (28) der getesteten Produkte der Fall.

Von dieser Irreführung sind besonders Trend-Zutaten und sogenannte Superfoods betroffen. Der Anteil der Zutaten wie Spirulina oder Matcha beträgt in vielen Fällen nicht einmal ein Prozent. Acerolamark schafft im Test immerhin 3 Prozent.

Smoothies mit überraschenden Zutaten und unauffälligen Warnhinweisen

Aber nicht nur, dass viele erwartbare Zutaten nur in sehr geringen Mengen in den Smoothies vorkommen, ganz andere Zutaten, die Kunden wohl eher nicht erwarten würden, tauchen in den Getränken auf. Schokoladen-Kuvertüre, Hanfsamenmehl oder Guaranasamenpulver haben die Tester eher überrascht.

„Jedem fünften der untersuchten Produkte waren koffeinhaltige Zutaten zugesetzt“, heißt es. Koffeinhaltige Produkte sollten von schwangeren oder stillenden Frauen sowie von Kindern nicht verzehrt werden. Zwar gab es auf den Produkten einen entsprechenden Hinweis dazu, doch die Verbraucherzentrale bemängelt die zu geringe Präsenz.

Smoothies im Test: Kreativität und Verbraucherschutz kollidieren

Insgesamt kommt die Verbraucherzentrale zu dem Schluss, dass die Kreativität der Anbieter mit den Anliegen des Verbraucherschutzes kollidieren würde. Kunden müsste es einfacher gemacht werden, Inhaltsstoffe richtig einschätzen zu können. So würden beispielsweise färbende Lebensmittel wie Rote Beete über den tatsächlich geringen Gehalt der beworbenen Zutaten wie Kirschen oder Beeren hinwegtäuschen.

Die Verbraucherzentrale meint, das Ergebnis des Tests unterstreiche die Notwendigkeit, die Produktgruppe der „Smoothies“ in den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuches zu beschreiben. So würden Leitlinien bestimmt werden für Herstellung, Zusammensetzung und Kennzeichnung.

Video: Smoothie kaufen oder selber machen?

Smoothie ganz einfach selber machen: Einfaches Rezept

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich einen leckeren Smoothie auch ganz einfach selbst machen. Die Grundlage eines Smoothies besteht oft aus Banane, die gibt die nötige Süße und macht satt.

Alle weiteren Zutaten sind Geschmackssache und unendlich variabel. Kiwi, Ananas oder Mango geben einen exotisch fruchtigen Geschmack, Beeren und Pfirsiche gehen besonders im Sommer gut. Für die cremige Konsistenz braucht es oft noch die Zugabe von Flüssigkeit. Dazu reicht oft ein wenig Wasser, Fruchtsaft oder Kokoswasser.

Für einen trendigen grünen Smoothie wird einfach noch Spinat oder Mangold untergemischt. Gurke, Rote Beete oder Sellerie sind auch möglich. Alle Zutaten im Mixer zu einem Smoothie verarbeiten und genießen.

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