Elektroschrott hat „innere Werte“

Pfandsystem für Handy: Neuer Anreiz - Mehrheit der Deutschen findet es gut

Rohstoffe aus alten Handys wiederverwerten – das hält die Mehrheit der Deutschen für sinnvoll. Auch ein Pfandsystem – ähnlich dem Flaschenpfand – befürworten die meisten.

Deutschland – Mehr als 200 Millionen alte Smartphones schlummern laut einem Bericht des MDR ungebraucht in deutschen Haushalten. Wertvolle Ressourcen bleiben damit ungenutzt. Abhilfe könnte hier ein Pfandsystem schaffen. Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Forsa hält die Mehrheit der Bevölkerung ein solches System für sinnvoll.

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)Stiftung der Bundesrepublik Deutschland
HauptstandortOsnabrück
Gründung18. Juli 1990

Pfand auf Smartphones: Fast 90 Prozent der Befragten sind dafür

Bei der repräsentativen Umfrage, die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Auftrag gegeben wurde, sprach sich eine erhebliche Mehrheit der Befragten für das Smartphone-Pfand aus.

Rund 87 Prozent sind laut Forsa-Erhebung für eine solche Vorgabe. „Elektroschrott wird deutschland- und weltweit zu einem massiven Problem“, erklärt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde den Hintergrund.

Forsa-Umfrage: Pfandsystem für Handys kommt gut an

Pfandsystem für Handys: Jährlich fällt tonnenweise Elektroschrott an

Diese Aussage wird durch Zahlen des Globalen E-Schrott-Monitors untermauert. Demnach landeten alleine im Jahr 2019 weltweit 54 Millionen Tonnen Elektroschrott auf dem Müll. Das entspricht in etwa einem Gewicht von 350 Kreuzfahrtschiffen.

In Deutschland produziere jeder Bürger pro Jahr rund 10,3 Kilogramm solchen Schrott. Das erklärte Ziel sei es, so die DBU, auch bei steigendem Wirtschaftswachstum nicht gleichzeitig mehr Elektromüll zu produzieren.

Pfand als Anreiz: Illegal entsorgter E-Schrott ist ein enormes Umweltproblem

Denn die Rohstoffe auf der Erde sind bekanntlich begrenzt. Dadurch steigen nicht nur die Preise der Rohstoffe – ihr Abbau ist auch oft mit erheblichen Umweltschäden verbunden. Besonders gravierend ist die Umweltbelastung, wenn die E-Geräte illegal im Hausmüll landen und verbrannt werden. In diesem Falle können enthaltene Schadstoffe wie Cadmium, Blei oder Quecksilber die Umwelt und das Klima belasten, wie der Naturschutzbund (NABU) erklärt.

Auch „Wohlstandsschrott“, der in ärmere Länder geschifft wird, ist ein großes Umweltproblem. Er wird dort auf riesigen Deponien gelagert oder gelangt in Flüsse. Um an die wertvollen Materialien zu kommen, wird er verbrannt, wobei giftige Dämpfe entstehen, die auch von den Arbeitern – oft Kindern – eingeatmet werden.

Pfandsystem für Smartphones: Handys enthalten wertvolle Ressourcen

Mit einem Pfandsystem könnten Rohstoffe aus den alten Geräten in einen Wertstoffkreislauf gebracht werden. Als eines der am meisten genutzten Geräte könnten Smartphones dabei ein Anfang sein. Denn in kaputten Handys finden sich zahlreiche wertvolle Rohstoffe, wie zum Beispiel:

  • Kupfer,
  • Nickel,
  • Silber,
  • Gold,
  • Tantal,
  • Palladium,
  • Seltenerdmetalle,
  • Wolfram
  • und weitere.

Wie die Verbraucherzentrale NRW berichtet, enthält ein Smartphone beispielsweise 306 Milligramm Silber und 30 Milligramm Gold, ein Akku rund 6,3 Gramm Kobalt. Insgesamt sind nach Angaben der DBU rund 80 Prozent eines jeden Handys wiederverwertbar. Darunter sind auch sieben Stoffe, die von der EU-Kommission als besonders kritische Rohstoffe angesehen werden – die also immer knapper werden.

Smartphone-Neukauf: Reparatur kaputter Handys „lohnt sich nicht“

Eine Alternative zum Pfandsystem wäre natürlich die Reparatur älterer Geräte. Bei der Forsa-Umfrage zeigen sich hier allerdings gravierende Probleme. So gaben 91 Prozent der Befragten an, eine Reparatur lohne sich oft nicht. 84 Prozent waren zudem der Ansicht, die Hersteller konzipierten die Geräte so, dass sie nur etwas länger als die gesetzliche Garantiezeit hielten. Ebenfalls empfinden es 75 Prozent als zu aufwendig, einen passenden Reparaturdienst zu finden.

Hinzu kommt eine Tatsache, die in dieser Umfrage gar nicht deutlich wurde: Für viele ist der Neukauf die erste Wahl, da sie das neueste Handymodell auch als Statussymbol sehen – oder aber auf die aktuellsten Technik-Features nicht verzichten möchten.

DBU: Mehrheit für Smartphone-Pfandsystem ist „Weckruf an den Gesetzgeber“

Ein Pfandsystem könnte stattdessen vielleicht ein sinnvoller Ansatz sein. Bei rund 25 Millionen Handys, die jährlich in Deutschland verkauft werden, käme einiges an wiederverwertbarem Material zusammen.

Ob und wann ein solches System eingeführt wird, ist allerdings noch völlig unklar. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde sieht in der überwältigenden Mehrheit, die sich dafür ausspricht, „einen Weckruf an den Gesetzgeber“. Bereits jetzt gilt für Verbraucher: Ab Januar 2022 können alte E-Geräte einfacher in Supermärkten abgegeben werden.

Kommt ein Pfandsystem für Handys? Das sind die Standpunkte von Union und den Grünen

Sollten die Grünen mit der Bundestagswahl 2021 eine Regierungsbeteiligung erlangen, könnten sich die Chancen auf ein Smartphone-Pfandsystem erhöhen. Bereits im Dezember 2020 machten sie mit dem Vorschlag auf sich aufmerksam, auf jedes neu gekaufte Handy oder Tablet ein Pfand von 25 Euro zu erheben.

Auch im Wahlprogramm der Partei wird ein derartiges Pfandsystem gefordert – allerdings ohne einen konkreten Betrag zu nennen. Im Wortlaut heißt es dort: „Damit Ressourcenschätze aus alten Elektrogeräten zurück in den Kreislauf finden, schaffen wir ein Pfand auf Handys, Tablets und energieintensive Akkus.“

Wie heise.de berichtet, habe sich die CDU/CSU-Fraktion im Dezember gegen ein Pflichtpfand ausgesprochen. Stattdessen seien Anreize auf freiwilliger Basis zu schaffen. Um Ressourcen zu schonen, setzt die Union außerdem auf Rohstoffe „Made in Germany“. Mit anderen Worten: Rohstoffe, die die Industrie benötigt, sollen in erster Linie in Deutschland gewonnen werden. Außerdem will man „Recycling maximieren“ – aber eben nicht mit einem verpflichtenden Pfand für Handys.

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