eSIM erobert den Markt

SIM-Karte vor dem Aus: Kunden müssen sich deutlich umstellen

eSIM drängt auf den Markt und verdrängt die klassische SIM-Karte. Das hat zahlreiche Folgen. Smartphone-Nutzer müssen sich wohl bald schon umstellen.

NRW – Smartphone-Besitzer kennen sie nur allzu gut: die SIM-Karte. Wer sich zum Beispiel ein neues mobiles Endgerät zulegt, muss die kleine Plastik-Karte ins Handy schieben und sie entsperren. Doch die klassische SIM-Karte verschwindet zunehmend aus dem Geschäft – ein bekannter Tech-Gigant treibt die Entwicklung weiter voran. Smartphone-Nutzer werden sich wohl bald schon umstellen müssen.

eSIMeingebettete (embedded) SIM-Karte
Funktiondient, wie klassische SIM-Karte, zur Identifikation des Nutzers im Mobilfunknetz
Erste Versionveröffentlicht am 23. Dezember 2015

eSIM verdrängt SIM-Karte zusehends aus dem Geschäft – Viele Deutsche kennen eSIM nicht

Seit knapp sieben Jahren gibt es die sogenannte eSIM-Karte. Sie ist, anders als die allseits bekannte SIM-Karte aus Plastik, in das Smartphone eingebettet und kann nicht mehr aus dem Gerät herausgenommen werden. Die in der eSIM gesicherten Teilnehmerinformationen können per Software geändert werden (mehr Service-News auf RUHR24).

Hierzulande ist die eSIM aber noch relativ unbekannt, berichtet der Internet-Telefonie-Anbieter „sipgate“. Laut einer repräsentativen YouGov-Umfrage von Anfang 2021 wissen demnach insgesamt 86 Prozent der Deutschen nichts mit dem Begriff eSIM anzufangen – und das, obwohl rund sieben Millionen Deutsche ein eSIM-fähiges Endgerät besitzen sollen.

Das ändert aber nichts daran, dass eSIM-Karten die klassische SIM-Karte immer weiter aus den mobilen Endgeräten verdrängt. Wie der Stern berichtet, trägt insbesondere Apple die kleine Plastik-Karte, die Handy-Nutzer seit Jahrzehnten begleitet, „allmählich zu Grabe“.

Deutsche Mobilfunkanbieter gut auf den Umstieg zur eSIM vorbereitet – Apple wagt mutigen Schritt

Nachdem in Deutschland laut „inside-digital“ Ende 2019 die drei Netzbetreiber O2, Telekom und Vodafone die fest verbauten eSIM-Karten eingeführt hatten, haben Anbieter wie 1&1 oder Congstar längst nachgezogen. Sorgen, dass deutsche Provider die Entwicklung verschlafen und Handynutzer hierzulande plötzlich keine eSIM-Smartphones nutzen könne, müsse man sich laut dem Stern also nicht machen.

Zwar seien die einzelnen Mobilfunkanbieter in Deutschland längst auf eSIM eingestellt und „fast alle größeren Provider bieten eine eSIM an“. Doch dass sie immer mehr Druck erhalten, zeige die Vorstellung des neuen iPhone14 im September 2022, bei der Apple die Entwicklung erstmals auf die Spitze getrieben hat. Wie viel das neue Handy kostet und welche Verbesserungen es zu bieten hat, weiß Merkur.

Apple stellt iPhone14 ohne seitlichen Slot für SIM-Karte vor – Deutsche Kunden können aufatmen

Denn der US-amerikanische Tech-Gigant präsentierte das neue iPhone ohne den seitlichen Slot für die klassische SIM-Karte. Deutsche Nutzer, deren Vorfreude auf das neue iPhone dadurch womöglich erheblich getrübt ist, können aber aufatmen. Wie das digitale Lifestyle-Magazin curved berichtet, soll der Wegfall des SIM-Slots nur auf den US-Markt beschränkt werden, in Deutschland soll dieser weiterhin vorhanden sein.

Die Smartphones der Zukunft werden aber mit großer Wahrscheinlichkeit ab einem bestimmten Zeitpunkt keine SIM-Slots mehr vorweisen. Bereits jetzt soll der Anteil an eSIM im Neugeschäft laut der Telekom im Frühjahr 2022 bei rund 40 Prozent gelegen haben, berichtet der Stern.

eSIM auf dem Vormarsch – Prepaid-Anbieter können auf klassische Plastik-SIM nicht verzichten

Apples Vorstoß dürfte aber dennoch nicht überall für Jubelstürme gesorgt haben. Schließlich bestehe bei Prepaid-Angeboten wie Blau, Aldi Talk, das jüngst eine Klatsche vor Gericht hinnehmen musste sowie bei einigen Prepaid-Angeboten von O2 bisher keine Möglichkeit „zum Verzicht auf die Plastik-SIM“, berichtet der Stern.

Allen Zweifel zum Trotz bringt der Wandel aber wohl einige Vorteile mit sich. So könne man beim Verlust des Smartphones „die Verbindung zur eSIM schnell und einfach kappen und auf einem neuen Gerät einrichten“.

Sicherheit, Umweltschutz, Praktikabilität – eSIM bringt diverse Vorteile mit sich

Auch der Umwelt zuliebe mache ein Wechsel zur fest eingebauten eSIM durchaus Sinn. Müllberge, die aus alten Plastikkarten, Werkzeuge zur Entfernung der Karte oder Verpackungen bestehen, sollen zukünftig der Vergangenheit angehören.

Durch den Wegfall des kleinen seitlichen Slots für die SIM-Karte solle zudem mehr Platz für technische Erweiterungen entstehen. Wie der Stern berichtet, sei es durchaus möglich, dass Apple „ab 2023 mit der Platzeinsparung fest plant und den Raum entsprechend anders nutzt“.

Die klassischen SIM-Karten könnten schon bald von eSIM verdrängt werden.

eSIM bringt auch Nachteile mit sich – Reisen und Party-Smartphones nur mit klassischer SIM-Karte

In puncto Sicherheit schneidet die eSIM ebenfalls gut ab. Es ist laut Stern nicht möglich, sie auszubauen und in einem anderen Gerät missbräuchlich zu nutzen. Dadurch werde ein Diebstahl „ungemein schwieriger, ebenso wie das Kappen der Mobilfunkverbindung durch Entfernen der SIM.

Demgegenüber gibt es aber auch diverse Nachteile. Einerseits ist die klassische SIM-Karte aus Plastik weiterhin fester Bestandteil internationaler Telekommunikation. Wer also viel reist, sollte sich je nach Region gut überlegen, ob er ein ausschließlich für eSIM konzipiertes mobiles Endgerät mit sich führen sollte.

Das Ende der austauschbaren SIM-Karte dürfte auch denjenigen nicht entgegenkommen, die gerne ein älteres Smartphone mit Seiten-Slot für potenziell wilde Partynächte nutzen. Denn ältere Handys bieten oftmals keine eSIM-Funktion an, außerdem kann die klassische SIM-Karte bei vielen Anbietern nicht gleichzeitig mit eSIM für dieselbe Nummer genutzt werden.

Rubriklistenbild: © AndreyPopov/Imago