44 Produkte im Test

Sesam bei Stiftung Warentest: Kritischer Stoff übersteigt Grenzwert extrem

Die Rückrufe aufgrund von schadstoffbelastetem Sesam häufen sich. Stiftung Warentest wollte nun wissen, ob es auch empfehlenswerte Produkte gibt.

NRW – Egal ob auf dem Brötchen, im Müsli oder als Riegel: In zahlreichen Produkten ist Sesam enthalten. Und so gut das kleine Korn auch schmeckt, so bedenklich kann es manchmal sein. Denn die Vorfälle, dass bei Sesam krebserregendes Ethylen­oxid  gefunden wird, häufen sich. Stiftung Warentest hat daher 44 Produkte mit Sesam untersucht.

OrganisationStiftung Warentest
Gründung4. Dezember 1964, Berlin
GeschäftsführerHubertus Primus (2. Jan. 2012–)
RechtsformSelbständige rechtsfähige Stiftung

Stiftung Warentest: Sesam häufig mit krebserregendem Pflanzenschutzmittel belastet

Pflanzliche Nahrungsmittel werden mit Ethylenoxid behandelt, um Keime abzutöten. Bei Verzehr besteht für den Verbraucher allerdings eine Gesundheitsgefahr, denn das Gas steht im Verdacht krebserregend und erbgutschädigend zu sein. In Deutschland und der EU ist das Pflanzengift daher bereits seit Jahren verboten – in vielen anderen Ländern aber noch nicht. 

Aufgrund von Importware kann es deshalb immer wieder vorkommen, dass verunreinigte Produkte auch hierzulande im Supermarktregal landen. Rückstände des Gases im Sesam waren daher in letzter Zeit häufig der Grund für einen Rückruf. Insbesondere bei Sesamsaat aus Indien war das der Fall, weshalb die EU-Kommission reagiert und die Einfuhrbeschränkungen verschärft hat.

Stiftung Warentest prüft Sesam: Vier Produkte fallen durch

Stiftung Warentest wollte daher wissen, wie hoch das Risiko ist, mit verunreinigtem Sesam in Berührung zu kommen. Dafür hat das Verbraucherportal 44 Produkte getestet. Darunter reine Sesamsaat, aber auch verarbeitete Produkte wie Tahin (Sesammus), Riegel oder Sesamöl. Die Produkte waren sowohl von konventionellen Marken als auch von Bio-Herstellern.

Die gute Nachricht zuerst: Fast alle Sesam-Lebens­mittel im Test kann man bedenkenlos verzehren. In 40 Produkten lag der Nachweis von Ethylenoxid unter dem Höchstgehalt von 0,05 Milligramm pro Kilogramm Sesam. Sie wurden von Stiftung Warentest mit „sehr gut“ bewertet. Dramtisch sah es allerdings bei vier Sesamprodukten aus. Alle Verlierer und Gewinner im Test gibt es bei Stiftung Warentest (Bezahlartikel)

Sesam im Test: Vier Produkte übersteigen kritischen Höchstgehalt ums Vielfache

In vier Sesamsaaten war der Rückstand mit Ethylenoxid so hoch, dass das Urteil von Stiftung Warentest „mangelhaft“ ausfiel. Bei einem Produkt wurde der Grenzwert so weit überschritten, dass es sogar einen Rückruf zur Folge hatte – unabhängig von der Bewertung von Stiftung Warentest.

Bei den vier Testverlierern überstieg der gesetzliche zulässige Rück­stands­höchstgehalt an Ethylenoxid von 0,05 Milligramm pro Kilogramm ums Hundertfache. Diese Sesam-Produkte fielen im Test komplett durch:

  • Heera Sesame Seeds Hulled, Mindesthaltbarkeitsdatum 12.2021, Herstellungs­land des Produkts laut Etikett: verschiedene Länder („several countries“). Note im Test: mangelhaft (5,5), Ethylen­oxid-Rück­stände: 26,3 mg/kg (526-Fache des Höchstgehaltes)
  • Anatolia Gegrillte Sesamsaat, Mindesthaltbarkeitsdatum 01.02.2022, Herkunft des Sesams laut Etikett: Indien. Note im Test: mangelhaft (5,4), Ethylen­oxid-Rück­stände: 4,53 mg/kg (91-Fache des Höchstgehalts)
  • Bamboo Garden Japan Sesam weiß geröstet, Mindesthaltbarkeitsdatum 2023, Herkunft des Sesams laut Anbieter: Indien, Nigeria. Note im Test: mangelhaft (4,7), Ethylen­oxid-Rück­stände: 0,80 mg/kg (16-Fache des Höchstgehalts)

Stiftung Warentest: Sesam im aktuellen Test – Ergebnisse sind schockierend

Hinter dem Produkt Bamboo Garden steht Theodor Kattus, Teil des Gewürz­herstel­lers Fuchs. Nachdem die gesundheitsgefährdenden Rückstände entdeckt wurden, lies der Hersteller die Sesamsaat zurückrufen. Bei den anderen Produkten ist dazu aktuell nichts bekannt.

Wie Stiftung Warentest jedoch feststellte, dürfte ein Erwachsener mit einem Gewicht von 60 Kilo gerade mal 34 Körnchen Sesam des Testverlierers Heera essen. Dann wäre bereits die Menge erreicht, die gerade noch als wenig bedenk­lich gilt. Das entspricht knapp einem halben Teelöffel Sesam oder rund 84 Milligramm.

Stiftung Warentest gibt Tipps für den Kauf von Sesam

Zwar fanden die Tester nur in reiner Sesamsaat kritische Rückstände des Pflanzenschutzmittels, aber es werden auch immer wieder in letzter Zeit Produkte mit verarbeitetem Sesam zurückgerufen. Sie haben in der Regel jedoch eins gemeinsam: Wie auch der Testverlierer bei Stiftung Warentest kommt die betroffene Sesamsaat aus Indien, wo der Einsatz von Ethylenoxid noch erlaubt ist.

Bei frischen Backwaren mit Sesam ist die Herkunft der Saat oft unklar.

Stiftung Warentest empfiehlt daher auf Produkte mit dem Herkunftsland Indien vorerst besser zu verzichten. Auch wenn die Herkunft des Sesams unklar ist, lieber die Finger von den Saaten lassen. Das gilt vor allem bei frischen Sesambrötchen oder -kringeln vom Bäcker. Auch alte Vorräte sollten überprüft und gegebenenfalls aussortiert werden.

Inzwischen wird Sesam aus Indien verstärkt an der EU-Grenze kontrolliert, sodass die Zahl der Produkte mit erhöhtem Ethylenoxid-Gehalt in nächster Zeit weniger werden dürfte. Auch viele Hersteller veranlassen inzwischen Tests der Ware, die sie verkaufen möchten. Laut Stiftung Warentest kostet eine solche Überprüfung zwischen 200 und 300 Euro – was sich möglicherweise auf dem Preis für Sesam niederschlagen wird.

Rubriklistenbild: © Lisa Bender/RUHR24

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