Langzeitfolgen möglich

Coronavirus und Schwangerschaft: Für Babys könnte es ein Risiko geben

Bisher zählten Schwangere nicht zur Coronavirus-Risikogruppe. Stimmt diese Annahme noch? Aktuell befürchten Forscher Langzeitfolgen für Babys.

  • Ärzte haben beunruhigendes bei Schwangeren und ihren ungeborenen Kindern beobachtet.
  • Ist die Frau mit dem Coronavirus infiziert, kann das Virus die Plazenta angreifen.
  • Es verdichten sich die Hinweise, dass es dadurch zu verheerende Langzeitfolgen für die Babys kommen kann.

Dortmund - Bislang herrschte unter Medizinern weitestgehend Konsens, dass das neue Coronavirus für Schwangere kein höheres Risiko birgt, als für alle anderen. Mehr noch: Schwangere zeigten sogar seltener klinische Symptome, als andere infizierte. Doch nun verdichten sich die Hinweise, auf ein ernstzunehmendes Risiko, welches vor allem das Leben des ungeborenen Babys gefährdet.

Name

neuartiger Coronavirus/SARS-CoV-2

Erkrankung

Covid-19

Anzahl der in Deutschland bisher infizierten Menschen (auch bereits wieder genesene)

246.166

Coronavirus in der Schwangerschaft: Risiko für das ungeborene Kind

Grund für die neuen Erkenntnisse ist, dass die Datenlage zum Coronavirus und Schwangerschaften stetig besser wird. Und noch immer scheint es laut Deutscher Apotheker Zeitung so, als ob die Übertragung des Virus auf den Fötus so gut wie ausgeschlossen ist. 

Doch es ist eine ganz andere Erfahrung, die Ärzte machen, die besorgniserregend ist: Im Fokus steht dabei die durch die Erkrankung ausgelöste bedrohlich niedrige Sauerstoffsättigung im Blut der Patienten - die in einigen Fälle zudem zunächst unbemerkt bleiben kann.

Schwanger und Coronavirus: Risiko nicht unterschätzen

So berichtete ein Oberarzt der Medizinischen Hochschule Hannover laut einem Artikel des Spiegel davon, dass das Kind einer schwangeren Patientin mit einer solchen niedrigen Sauerstoffsättigung so schwere Hirnschäden davontrug, dass sich die Frau zu einer Spätabtreibung entschloss.

In einem anderen Fall berichtet der Oberarzt davon, dass eine schwangere Covid-19-Patientin, die beatmet werden musste, in der 20. Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt erlitt. Obwohl noch kurz zuvor bei dem Baby alles so weit in Ordnung zu sein schien, kam es tot zur Welt.

Coronavirus greift Plazenta der Schwangeren an

Eine Studie aus den USA brachte Ergebnisse, die mit den Erfahrungen der Ärzte zusammenpassen. Die Forscher untersuchten laut Eltern.de 16 schwangere Frauen, die mit dem Coronavirus infiziert waren. 

Dabei fiel auf, dass die Plazenta bei 12 der untersuchten Frauen (also 80 Prozent) derartige Schäden aufwiesen, dass die Durchblutung der Plazenta verschlechtert und so auch die Blutzufuhr von der Mutter zum Kind beeinträchtigt war - eine unzureichende Blutversorgung eines Fötus kann jedoch zu Entwicklungsverzögerungen führen. Auch Langzeitfolgen im späteren Leben der Kinder sind nach Ansicht der Forscher möglich. Die neuen Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Schwangere sind auch deshalb so brisant, weil sich inzwischen immer mehr junge Menschen mit dem Coronavirus infizieren.

Nach einer infektion der werdenden Mutter mit dem Coronavirus sind Langzeitfolgen im späteren Leben des Kindes nicht ausgeschlossen.

Coronavirus: Forschungen zeigen Risiko für Schwangere und ihr Baby

Und auch eine Metastudie von Forschern der University of Birmingham kommt zu dem Ergebnis, dass Schwangere mit Corona-Infektion offenbar ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt haben. Außerdem ist das Risiko, als Schwangere Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden zu müssen, offenbar erhöht. Die britischen Forscher hatten die Ergebnisse aus 77 kleineren Studien ausgewertet (mehr Service-Themen auf RUHR24.de).

Coronavirus: Experten wollen Schwangere als Risikopatienten benennen

Die Ergebnisse der Forscher aus Chicago erschienen im American Journal of Clinical Pathology. Da die untersuchte Gruppe jedoch sehr klein war, reichen die wenigen gesammelten Daten laut dem Studienautor Dr. Jeffrey Goldstein noch nicht aus, um ein generelles Risiko für Schwangere zu belegen.

Dennoch sprechen sich verschiedene Ärzte nun dafür aus, mit dem Coronavirus infizierte Schwangere generell zu den Risikopatientinnen zu zählen. Allein, weil sie im Notfall nicht alle Medikamente erhalten dürfen und im Falle eines Lungenversagens auch nicht in Bauchlage - wie sonst üblich - beatmet werden können. 

Rubriklistenbild: © Emmi Korhonen/dpa

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