Langzeitfolgen möglich

Corona-Impfung für Schwangere: Stiko gibt Empfehlung ab – Ärzte sollen Risiko abwägen

Bisher werden Schwangere in Deutschland nicht gegen Corona geimpft. Dabei sind in der Schwanger­schaft Verläufen von Covid-19 häufig sehr schwer.

Update, Dienstag (20. Mai), 13.40 Uhr: Nachdem Fachverbände gefordert hatten, Corona-Impfungen auch für Schwangere zuzulassen, änderte die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Empfehlung. Nun dürfen Schwangere mit erhöhtem Expostionsrisiko gegen Corona geimpft werden - allerdings erst nach Rücksprache mit einem Arzt.

Wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet, blieben die Hürden für Frauenärzte Schwangere zu impfen dennoch weiterhin hoch. Zwar hätte die Stiko ihre Impfempfehlung geändert, doch heiße es darin weiterhin, dass eine generelle Impfung von Schwangeren nicht empfohlen sei.

Nur vorerkrankte Schwangere, die ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 haben, darf die Impfung jetzt nach einer Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung vom Arzt angeboten werden. Da aber die Haftung für den Fall, dass etwas bei der Impfung schiefgeht, nach wie vor nicht geklärt sei, würden Schwangere nur in Einzelfällen geimpft, so die Einschätzung des Berufsverbands der Frauenärzte.

Nameneuartiger Coronavirus/SARS-CoV-2
ErkrankungCovid-19
Anzahl der in Deutschland bisher infizierten Menschen (auch bereits wieder genesene)246.166

Update, Dienstag (4. Mai), 17.28 Uhr: Lange galten Schwangere nicht mal zur Corona-Risikogruppe. Dann verdichten sich die Hinweise, dass es durch die Infektion zu verheerende Langzeitfolgen für die Babys kommen kann. Jetzt fordert eine Gruppe von Ärzten laut aerzteblatt.de sogar, dass Schwangere und Stillende endlich auch gegen das Coronavirus geimpft werden sollten. Die Gynäkologen be­grün­den das mit dem erhöhten Risiko für schwere Covid-19-Verläufe in der Schwangerschaft. Zudem lägen inzwischen genügend Daten zur Sicherheit der mRNA-Impfstoffe vor.

Allerdings ist es in Deutschland bislang nicht vorgesehen, dass Schwangere gegen Corona geimpft werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hatte sich zuletzt weiter gegen eine Impfung von Schwangeren ausgesprochen, und hatte die Entscheidung mit fehlenden Studiendaten begründet.

In anderen Ländern, wie in Israel oder Großbritannien und den USA, werden Schwangere dagegen sogar bevorzugt geimpft. Denn: Eine US-Studie weist darauf hin, dass Schwangere drei mal häufiger aus der Intensivstation landen und das Sterberisiko um 70 Prozent erhöht ist. Auch Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am UKE erklärte der dpa: „Diese Fälle sind besonders dramatisch. Wir sollten in Deutschland unbedingt auch Schwangere impfen“.

Erstmeldung 8. September 2020: Dortmund - Bislang herrschte unter Medizinern weitestgehend Konsens, dass das neue Coronavirus für Schwangere kein höheres Risiko birgt, als für alle anderen. Mehr noch: Schwangere zeigten sogar seltener klinische Symptome, als andere infizierte. Doch nun verdichten sich die Hinweise, auf ein ernstzunehmendes Risiko, welches vor allem das Leben des ungeborenen Babys gefährdet.

Coronavirus in der Schwangerschaft: Risiko für das ungeborene Kind

Grund für die neuen Erkenntnisse ist, dass die Datenlage zum Coronavirus und Schwangerschaften stetig besser wird. Und noch immer scheint es laut Deutscher Apotheker Zeitung so, als ob die Übertragung des Virus auf den Fötus so gut wie ausgeschlossen ist. 

Doch es ist eine ganz andere Erfahrung, die Ärzte machen, die besorgniserregend ist: Im Fokus steht dabei die durch die Erkrankung ausgelöste bedrohlich niedrige Sauerstoffsättigung im Blut der Patienten - die in einigen Fälle zudem zunächst unbemerkt bleiben kann. 24vita* berichtet derweil, wie sich die Pandemie auf Schwangere und junge Mütter auswirkt und wie die neue App „Team Baby“ für bessere Kommunikation in der Geburtshilfe sorgen soll.

Schwanger und Coronavirus: Risiko nicht unterschätzen

So berichtete ein Oberarzt der Medizinischen Hochschule Hannover laut einem Artikel des Spiegel davon, dass das Kind einer schwangeren Patientin mit einer solchen niedrigen Sauerstoffsättigung so schwere Hirnschäden davontrug, dass sich die Frau zu einer Spätabtreibung entschloss.

In einem anderen Fall berichtet der Oberarzt davon, dass eine schwangere Covid-19-Patientin, die beatmet werden musste, in der 20. Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt erlitt. Obwohl noch kurz zuvor bei dem Baby alles so weit in Ordnung zu sein schien, kam es tot zur Welt.

Coronavirus greift Plazenta der Schwangeren an

Eine Studie aus den USA brachte Ergebnisse, die mit den Erfahrungen der Ärzte zusammenpassen. Die Forscher untersuchten laut Eltern.de 16 schwangere Frauen, die mit dem Coronavirus infiziert waren. 

Dabei fiel auf, dass die Plazenta bei 12 der untersuchten Frauen (also 80 Prozent) derartige Schäden aufwiesen, dass die Durchblutung der Plazenta verschlechtert und so auch die Blutzufuhr von der Mutter zum Kind beeinträchtigt war - eine unzureichende Blutversorgung eines Fötus kann jedoch zu Entwicklungsverzögerungen führen. Auch Langzeitfolgen im späteren Leben der Kinder sind nach Ansicht der Forscher möglich. Die neuen Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Schwangere sind auch deshalb so brisant, weil sich inzwischen immer mehr junge Menschen mit dem Coronavirus infizieren.

Nach einer infektion der werdenden Mutter mit dem Coronavirus sind Langzeitfolgen im späteren Leben des Kindes nicht ausgeschlossen.

Coronavirus: Forschungen zeigen Risiko für Schwangere und ihr Baby

Und auch eine Metastudie von Forschern der University of Birmingham kommt zu dem Ergebnis, dass Schwangere mit Corona-Infektion offenbar ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt haben. Außerdem ist das Risiko, als Schwangere Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden zu müssen, offenbar erhöht. Die britischen Forscher hatten die Ergebnisse aus 77 kleineren Studien ausgewertet (mehr Service-Themen auf RUHR24.de).

Coronavirus: Experten wollen Schwangere als Risikopatienten benennen

Die Ergebnisse der Forscher aus Chicago erschienen im American Journal of Clinical Pathology. Da die untersuchte Gruppe jedoch sehr klein war, reichen die wenigen gesammelten Daten laut dem Studienautor Dr. Jeffrey Goldstein noch nicht aus, um ein generelles Risiko für Schwangere zu belegen.

Dennoch sprechen sich verschiedene Ärzte nun dafür aus, mit dem Coronavirus infizierte Schwangere generell zu den Risikopatientinnen zu zählen. Allein, weil sie im Notfall nicht alle Medikamente erhalten dürfen und im Falle eines Lungenversagens auch nicht in Bauchlage - wie sonst üblich - beatmet werden können. *24vita ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Emmi Korhonen/dpa

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