Kommt das Abi per Videocall?

Corona in NRW: Knallhart-Kurs an Schulen – wie es mit den Prüfungen weitergeht

Trotz Corona-Lockdown wird es in NRW keine nennenswerten Erleichterungen für Schüler geben. Mündliche Prüfungen sollen zur Not virtuell stattfinden.

Nordrhein-Westfalen – Jetzt steht es scheinbar fest: Trotz hartem Lockdown und Distanzlernen wird es in NRW Prüfungen und Zeugnisse geben. Und zwar „unverändert“ – wie es NRW-Bildungsministerin Gebauer (54, FDP) betont. Schüler im Homeschooling und ihre Familien werden mit den neuen Beschlüssen weiter unter enormem Leistungsdruck stehen. (alle Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de)

Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-WestfalenMinisterium der NRW-Landesverwaltung
SitzDüsseldorf
LeitungYvonne Gebauer (54, FDP)

Neue KMK-Beschlüsse: Abschlussprüfungen und Zeugnisse trotz Corona – gleichwertige Abschlüsse entscheidend

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich am Donnerstag (20. Januar) darauf geeinigt, dass Abschlussprüfungen auch im Pandemiejahr 2021 stattfinden. Hintergrund ist, dass den Schülern ein „normaler“, allgemein anerkannter Abschluss ermöglicht werden soll.

Die brandenburgische Bildungsministerin und KMK-Präsidentin Britta Ernst (59, SPD) führt aus, der Beschluss sei von dem Gedanken getragen, dass Schülern trotz der Coronavirus-Pandemie „keine Nachteile für ihre weitere Bildungsbiografie entstehen dürfen.“ Alle Abschlüsse sollen demnach gleichwertig anerkannt werden.

Bildungsminister: Sicherung von alten Standards – Lehrpläne und Prüfunge nicht ändern

Im Fokus steht dabei vor allem die Sicherung der Standards, sprich Prüfungen und Lehrpläne. So haben sich die Bildungsminister darauf geeinigt, dass an den Abitur-Aufgaben grundsätzlich nicht gerüttelt wird, wenn „nicht zwingende Gründe“ dagegen stehen.

Auch in der Sekundarstufe I sollen die gleichen Standards wie immer gelten. Schüler erhalten so zwar gleichwertige Abschlüsse, gleichzeitig dürfen sie aber auch nicht auf echte Prüfungs-Erleichterungen hoffen.

NRW-Schulen im Corona-Lockdown: Bildungsministerin unterstützt Kurs der KMK

Das gilt in besonderem Maße für die Schüler in NRW. Im Anschluss an die Videoschalte der Bildungsminister betonte NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (54, FDP), es sei wichtig „vollwertige Abschlüsse auf Basis von Prüfungen“ zu ermöglichen. Das gelte für das Abitur sowie auch für die mittleren Schulabschlüsse.

Obwohl die KMK-Beschlüsse nicht unbedingt bindend sind, da Bildungspolitik Ländersache ist, steht damit bereits jetzt fest, dass es in NRW Abschlussprüfungen geben wird. So betonte Yvonne Gebauer an anderer Stelle, Nordrhein-Westfalen habe die Linie der KMK „entscheidend geprägt“.

Abi und andere Prüfungen bleiben in NRW „unverändert“: NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (54, FDP)

Halbjahreszeugnisse in NRW am 29. Januar: so soll die Vergabe ablaufen

Bereits am Montag (18. Januar) hatte die NRW-Bildungsministerin in einer Pressemitteilung verkündet, dass es die Halbjahreszeugnisse 2021 auch in Pandemiezeiten geben werde. Bei der Zeugnisvergabe haben die Schulen dabei „flexible Möglichkeiten“. Sie können die Zeugnisse per Post versenden oder von den Eltern abholen lassen.

Mit Zustimmung der Eltern könne auch eine Vorabübermittlung per Mail oder Fax mit späterer Aushändigung erfolgen. Wie die Zeugnisvergabe genau ablaufen wird, entscheidet demnach jede Schule individuell.

Abitur und andere Abschlussprüfungen finden statt – bei hohen Coronazahlen virtuell per Video

Bei den Abschlussprüfungen oder den Lehrplänen wird es keine großartigen Reduzierungen der Anforderungen oder Lerninhalte geben. Yvonne Gebauer (FDP) verdeutlichte, an schulische Leistungen würden „unveränderte Qualitätsanforderungen“ gestellt. Und auch „die Lehrpläne und die Abiturvorgaben bleiben unverändert“.

Laut den Beschlüssen der KMK können Prüfungen dabei auch in geschlossenen Schulen stattfinden. Mündliche Prüfungen sollen sogar zur Not per Videokonferenz in „virtuellen Prüfungsräumen“ stattfinden. Die einzige nennenswerte Änderung beim NRW-Abitur ist bis dato: Es beginnt 9 Tage später.

Prüfungen und Zeugnisse in der Corona-Zeit: das soll sich ändern

Obwohl also grundsätzlich mit Biegen und Brechen an den Prüfungsanforderungen festgehalten wird, soll es einige Neuerungen im Pandemiejahr geben. So führt die NRW-Bildungsministerin aus, dass für die kommenden Abiturprüfungen mehr Aufgaben erarbeitet worden seien, die Lehrer also eine größere, individuelle Wahlmöglichkeit hätten.

Auch in der Kultusministerkonferenz hatte man beschlossen, dass es einige Entgegenkommen gibt:

  • Größere Auswahl bei den Prüfungsthemen, um individuelle Lernstände zu berücksichtigen.
  • Prüfungstermine können verschoben werden, um mehr Lernzeit zu gewinnen.
  • Nachschreibtermine können als Haupttermine genutzt werden.
  • Die Anzahl der Klassenarbeiten kann reduziert werden.
  • Schüler können das Schuljahr wiederholen, ohne dass dies auf die Verweildauer angerechnet wird.

Festhalten an starren Standards in der Kritik: Experten fordern schülerfreundlichere Lösungen

Letzteres kommt dem freiwilligen Zusatz-Schuljahr nahe, dass im Vorfeld einige Experten gefordert hatten. Insbesondere der Deutsche Lehrerverband hatte darauf gepocht, dass man lernschwachen Schülern ein „freiwilliges Schuljahr“ anbieten müsse.

Die Lehrergewerkschaft GEW kritisiert hingegen das Festhalten an starren Plänen: Man dürfe in diesem Jahr keinen sitzenlassen und müsse auch die Prüfungen zur Not ausfallen lassen. Außerdem müssten Lehrpläne ausgedünnt werden und so Stoffmengen reduziert. Auch, dass die Empfehlungen des RKI für Schulen nicht umgesetzt werden, wird von der GEW kritisiert. NRW hat derweil eigene, abgespeckte Pläne, um den Schutz für Lehrer zu erhöhen.

Der NRW-Landesverband des Deutschen Familienverbandes hatte sich hingegen sogar dafür ausgesprochen, dass „alle sitzenbleiben“ – also in diesem Jahr einfach alle in dem Schuljahr bleiben, in dem sie sind, wie der Westfälische Anzeiger berichtet.

Neue KMK-Beschlüsse: enormer Leistungsdruck lastet auf Schülern – Familien sind die Leidtragenden

Die Vorsitzende des Deutschen Familienverbandes NRW, Petra Windeck, will damit den „enormen Druck“ aus den Familien nehmen, den diese „kaum noch aushalten“. Denn besonders das Erfüllen des Lehrplans um jeden Preis setze sowohl die Schüler als auch die ohnehin durch das Homeoffice gestressten Eltern unter einen Leistungsdruck, der nicht mehr tragbar sei.

Inwieweit dieser Vorschlag wirklich praktikabel ist, ist fraglich. Fest steht hingegen: Mit den neuen Beschlüssen der KMK und den Vorgaben des NRW-Bildungsministeriums werden Lehrpläne durchgedrückt und Prüfungen zur Not virtuell stattfinden. Der Leistungsdruck für Schüler bleibt also weiter enorm bleiben. Und er wird auch weiterhin auf den einzelnen Familien lasten.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa, Rolf Vennenbernd/dpa; Collage: RUHR24

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