Pflichten für Arbeitnehmer

Schnee-Chaos: Welche Rechte Arbeitnehmer jetzt haben

Das Schnee-Chaos dominiert gerade weite Teile Deutschlands. Arbeitswege sind erschwert, nicht überall fahren Bus und Bahn. Was sind die eigenen Rechte?

Deutschland - Seit dem vergangenen Wochenende (6. und 7. Februar) hat das Schnee-Chaos weite Teile von NRW und Deutschland im Griff. Fahrten mit dem Auto werden zur Schleich- oder Rutsch-Partie. Aber muss man jetzt zwingend bei der Arbeit erscheinen?

BundeslandNordrhein-Westfalen / NRW
Einwohner17,93 Millionen (2019)
HauptstadtDüsseldorf

Schnee-Chaos in Deutschland und NRW: Arbeitswege sind erschwert

Soviel vorweg: Mit einem Sonderurlaub wegen des aktuellen Schnee-Chaos sollten Arbeitnehmer eher nicht rechnen. Wie t-online berichtet, muss sich der Grund für eine bezahlte Freistellung nämlich individuell auf den Mitarbeiter beziehen. Allerdings kann es auch Ausnahmen geben.

„Hindert dieselbe Ursache zeitgleich mehrere Arbeitnehmer an ihrer Arbeitsleistung, fällt das aus dem gesetzlichen Rahmen einer bezahlten Freistellung“, erklärt Fachanwältin Kati Kunze aus Berlin. Könnte ein Eis-Wetter im aktuellen Ausmaß so ein Grund sein?

Laut dem Bundesarbeitsgericht sind Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet den Lohn zu zahlen, wenn die Mitarbeiter wegen Glatteis, Hochwasser oder gar Verkehrsstörungen nicht zur Arbeit erscheinen können. Persönliche Ausnahmefälle oder unverschuldete Unfälle seien laut Kunze aber sehr wohl als Grund anerkannt.

Rechte von Arbeitnehmer bei Schnee-Chaos in NRW: Das ist entscheidend

Viel Spielraum oder Kompromisse gibt es in puncto Schnee-Chaos leider nicht. Denn auch wenn der Wetterdienst dringlich davor warnt, das Haus zu verlassen, ist der Chef nicht zur bezahlten Freistellung verpflichtet. Er muss den Lohn für die ausgefallenen Arbeitsstunden also nicht bezahlen. Kunze rät Angestellten hier, nach dem „normalen Menschenverstand“ zu entscheiden. Wie gefährlich ist es wirklich, raus zu gehen?

Immerhin: Abmahnen oder Kündigen darf der Chef nicht, wenn die Mitarbeiter wegen des Schnee-Chaos fehlen. Hierbei handelt es sich nämlich um übergeordnete Gründe. Gilt das auch bei Verspätungen wegen des Wetters?

Zu spät wegen Schnee-Chaos: Ausreden helfen nicht

Grundsätzlich tragen Arbeitnehmer das sogenannte Wegerisiko. Das bedeutet, Angestellte müssen sich selbst darum kümmern, rechtzeitig zur Arbeit zu kommen. Auch technische Aussetzer bei der Bahn gelten laut Rechtsanwalt Stefan Lunk aus Hamburg daher nicht als Ausrede.

Verspätungen für die Mitarbeiter scheinbar nichts können, muss der Chef also nicht tolerieren. Gleiches gilt für unvorhersehbare Verspätungen, wie etwas ausgefallene Züge. „So etwas gehört zum allgemeinen Lebensrisiko“, meint Lunk. Und das trägt ebenfalls der Beschäftigte.

NRW und Deutschland: Bei Schnee-Chaos müssen Angestellte eher losfahren

Vor allem aber, wenn Verspätungen absehbar sind, wie etwa beim aktuellen Schnee-Chaos, kann das einen Chef besonders verärgern. „Der Arbeitgeber darf erwarten, dass seine Angestellten den Wetterbericht verfolgen und sich darauf einstellen“, so Lunk.

Angestellte sollten bei ungemütlichem Wetter in Deutschland und NRW also besser früher aufstehen und eher zur Arbeit fahren, wie wa.de* berichtet. Wer trotzdem unpünktlich ist, muss laut Lunk damit rechnen, dass der Chef den Lohn für die fehlenden Arbeitsstunden nicht zahlt oder die Stunden nach Absprache nacharbeiten lässt.

Ein Bild, welches wohl derzeit in ganz deutlich zu sehen ist: Menschen versuchen, ein Auto aus dem Schnee zu befreien.

Im schlimmsten Fall ist dann aber auch eine Abmahnung möglich. „Das kann aber höchstens diejenigen treffen, die im Winter regelmäßig zu spät erscheinen und dann stets mit derselben Ausrede ankommen“, meint Lunk. Denn auch für Abmahnungen gelte ein Verhältnismäßigkeitsgrundsatz. Bei einmaligen Verspätungen würde kaum ein Arbeitgeber so hart reagieren.

Wer wegen der Corona-Pandemie derzeit von zu Hause aus arbeitet, profitiert also gleich doppelt. Im Homeoffice gibt es auch einige Tricks, um Strom zu sparen.

Unfälle auf dem Arbeitsweg bei Schnee-Chaos: Wenn die Versicherung zahlt

Aber was passiert bei Unfällen wegen des Schnee-Chaos? Wer kommt dafür auf? Die gesetzliche Unfallversicherung akzeptiert nicht jeden Ausrutscher als „Wegeunfall“. Bevor es zur Zahlung kommt, werden die Einzelfälle genau unter die Lupe genommen. „Der Arbeitnehmer muss sich von zu Hause aus auf direktem Weg zur Arbeit befunden haben“, sagt Eberhard Ziegler von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) in Berlin.

Wenn man auf dieser Route einen Umweg aus privaten Gründen gemacht hat, gibt es kein Geld von der gesetzlichen Unfallversicherung. Bei witterungsbedingten Umwegen sieht das anders aus: „Wenn jemand einen anderen Weg nehmen muss, weil er beispielsweise die vereiste Bergkuppe nicht hochkommt, und dann verunglückt, gilt auch das als Wegeunfall“, so Ziegler. *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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