Landesamt schlägt Alarm

Untersuchung schockt: Schmuck enthält häufig giftige Schwermetalle

Achtung bei Modeschmuck
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Warnung: Modeschmuck ist häufig mit giftigen Schwermetallen belastet.

Was schön glitzert und funkelt, birgt oftmals eine dunkle Gefahr. Das niedersächsische Landesamt hat Modeschmuck aus dem Internet untersucht und Erschreckendes festgestellt.

Oldenburg – Günstiger Modeschmuck ist insbesondere bei Kindern und jungen Menschen beliebt. Eine Untersuchung des Instituts für Bedarfsgegenstände hat nun aber erschreckende Ergebnisse zutage gefördert. Modeschmuck kann zu einer echten Gefahrenquelle für denjenigen werden, der sich die bunten Perlen, Ohrringe oder Ketten anlegt. Denn: Bei einem Großteil der Proben wurden giftige Schwermetalle nachgewiesen.

LaborInstitut für Bedarfsgegenstände Lüneburg
DachorganisationNiedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
AufgabenUntersuchung und Beurteilung von Spielwaren, Putzmitteln, Kosmetik, Gegenstände mit Lebensmittelkontakt

Günstiger Modeschmuck aus dem Internet häufig mit giftigen Schwermetallen belastet

Bereits seit 2015 gibt das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves), dem das Institut für Bedarfsgegenstände unterliegt, die Untersuchung von Modeschmuck in Auftrag. Bei der aktuellen Überprüfung lag der Fokus jedoch vor allem auf günstigem Modeschmuck aus dem Internet (mehr Warn-Hinweise bei RUHR24).

Der Hintergrund: In der EU gibt es Grenzwerte für Schwermetalle wie Blei oder Cadmium. Durch den Online-Handel finden jedoch immer wieder Produkte den Weg nach Europa und auf den deutschen Markt, die die Grenzwerte mit den gesundheitsgefährdenden Schwermetallen überschreiten. Insbesondere bei Modeschmuck, der im Internet angeboten wird, ist das häufig der Fall. Nicht selten kommt es deshalb auch zu Rückrufen von Schmuck.

Landesamt schlägt Alarm: Modeschmuck kann Gesundheit gefährden

Blei und Cadmium können unter anderem über die Nahrung aufgenommen werden. Durch falsche Entsorgung von Akkus, als Pestizid- und Düngemittel oder durch andere vom Menschen verursachte Quellen können die giftigen Schwermetalle in die Lebensmittel gelangen – und somit auch auf dem Teller landen. Aber auch über die Luft können die Substanzen aufgenommen werden. Also auch dann, wenn man belasteten Modeschmuck am Körper trägt.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit informiert über die möglichen Gesundheitsgefahren durch Schwermetalle wie Blei und Cadmium. So ist davon auszugehen, dass Blei eine neurotoxische Wirkung – also eine schädigende Wirkung auf Nervenzellen – hat. Cadmium hingegen steht im Verdacht, krebserregend zu sein und bei einer langfristigen vermehrten Aufnahme die Nieren zu schädigen.

Insbesondere bei günstigem Modeschmuck im Internet besteht die Gefahr, dass dieser mit Schwermetallen belastet ist.

Modeschmuck enthält Schwermetalle: 30 Prozent der Proben sind auffällig

Für die Untersuchung vom niedersächsischen Landesamt wurden Hals- und Fußketten, Anhänger, Ohrringe und Ringe im Internet bestellt und auf die giftigen Schwermetalle hin überprüft. Insgesamt 39 Schmuckstücke wurden analysiert. Das Ergebnis ist erschreckend. So stellte das Labor folgendes fest:

  • Bei sechs Proben war der Bleigehalt über der zulässigen Höchstmenge von 0,05 Prozent.
  • Bei einer Teilprobe konnte ein Gehalt von 94 Prozent Blei festgestellt werden, das überschreitet den Grenzwert um Längen.
  • Insgesamt überschritten fünf Proben den Höchstgehalt an Cadmium. Auch wies ein Schmuckstück einen Cadmium-Gehalt von 92 Prozent auf. Damit besteht der Schmuck fast komplett aus giftigen Stoffen.
  • Bei über 50 Prozent (20 Proben) des Modeschmucks fehlte die richtige Kennzeichnung, die jedoch bei jedem Verbraucherprodukt gesetzlich vorgeschrieben ist.
  • Insgesamt wurden bei 30 Prozent der Schmuckstücke eine Grenzwertüberschreitung mit den Schwermetallen festgestellt.
  • Nur elf Proben entsprachen vollständig den Vorgaben hinsichtlich der Kennzeichnungselemente sowie den Gehalten an den geprüften Schwermetallen Blei und Cadmium.

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Warnung vor Modeschmuck: Vergiftung droht aufgrund von Schwermetallen

Für die Untersuchung des Modeschmucks werden die Ringe, Ketten und Armbänder in Einzelteile zerlegt. Teilweise entnahmen die Prüfer aus einem Schmuckstück bis zu fünf Einzelproben. Das liegt daran, dass beispielsweise eine Kette aus mehreren Gliedern, wie zum Beispiel Verschluss, Anhänger oder Befestigung besteht. Jedes Einzelteil kann sich aus einem anderen Material zusammensetzen, weshalb eine Einzeluntersuchung laut dem Laves unabdingbar ist.

Auch das Verbrauchermagazin Öko-Test hat bereits Modeschmuck untersucht. Sie fanden bei Produkten, die es bei Bijou Brigitte, claire‘s oder H&M zu kaufen gibt, ähnlich bedenkliche Bestandteile. Das Gesamturteil fiel jedoch deutlich besser aus. Von 15 untersuchten Schmuckstücken, waren elf frei von Schwermetallen. In den anderen vier wurden die Grenzwerte jedoch um ein Vielfaches überschritten.

Das Landesamt weist abschließend darauf hin, dass die Gefahr, die von dem Modeschmuck aufgrund der hohen Schwermetall-Belastung ausgeht, oftmals unterschätzt werde. Insbesondere wenn Kinder Kleinteile des Schmucks verschlucken, kann es nicht nur zu inneren Verletzungen kommen, sondern auch zu Vergiftungen. Wenn die verschluckten Teile, Blei oder Cadmium enthalten, können sie so ebenfalls vom Körper aufgenommen werden.

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