Stiftung Warentest urteilt

Großer Kosmetik-Test 2021: Diese Lippenstifte besser nicht auftragen

Stiftung Warentest hat in der aktuellen Ausgabe Lippenstifte auf den Prüfstand gestellt. Die Inhaltsstoffe können nicht überzeugen.

Deutschland – Ein verführerischer Kussmund, gut gepflegte Lippen und Farbe, die nicht sofort abfärbt – das macht für viele Anwenderinnen einen perfekten Lippenstift aus. Inwieweit die bekannten Kosmetikmarken ihre überschwänglichen Werbeversprechen einhalten und wie gut die Lippenstifte auf dem Kosmetikmarkt wirklich sind, hat Stiftung Warentest jetzt geprüft. Das ernüchternde Fazit: Einen Sieger gibt es nicht, insbesondere in puncto Inhaltsstoffe enttäuschen viele Produkte.

Stiftung WarentestVerbraucherorganisation
SitzBerlin
Gründung4. Dezember 1964, Berlin

Lippenstift bei Stiftung Warentest – so wurde geprüft

Getestet wurden von der Verbraucherorganisation insgesamt 17 Lippenstifte mit rot-bräunlichen Tönen in Rosenholz, die 2021 besonders angesagt sind. Die Produkte wurden zwischen Februar und April 2021 im Einzelhandel eingekauft.

Im Labor wurde die Lippenstifte auf kritische Inhaltsstoffe hin geprüft. Zudem flossen auch die kosmetischen Eigenschaften wie Haltbarkeit oder Deckkraft in das Ergebnis mit ein (weitere Testberichte auf RUHR24).

Lippenstifte im Test: kritischer Stoff in jedem Produkt – das Ergebnis enttäuscht

Das Gesamtergebnis macht nicht unbedingt Lust auf Lippenfarbe. Denn Testsieger gibt es nicht – die Noten „Gut“ oder „Sehr gut“ werden gar nicht vergeben.

Insgesamt erhalten 15 Produkte die Note „Befriedigend“ – zwei fallen mit „mangelhaft“ komplett durch. Der Grund für das schlechte Abschneiden der Kosmetik: In jedem Produkt findet Stiftung Warentest einen Schadstoff, der im Verdacht steht, das Erbgut zu schädigen.

Lippenstift-Test – erbgutschädigender Stoff wird zum Problem

Konkret handelt es sich dabei um Titandioxid. Der Stoff, den jeder der getesteten Lippenstifte enthält, wird seit Frühjahr 2021 von der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) als nicht sicher eingestuft.

Die Efsa begründet ihre Neubewertung damit, dass eine erbgutschädigende Wirkung von Titandioxid nicht ausgeschlossen werden könne. Der Stoff findet beispielsweise auch als Lebensmittelzusatzstoff, in Kaugummis oder Zahnpasta Verwendung. Eine mögliche Gefahr bestehe bei oraler Aufnahme, auf der Haut gilt Titandioxid als unbedenklich.

Stiftung Warentest: Anwenderinnen verschlucken bis zu fünf Lippenstifte im Jahr – mitsamt der Schadstoffe

Allerdings ist die Verwendung in Lippenstiften ebenfalls kritisch zu betrachten. Denn wie Stiftung Warentest erklärt, könnten Anwenderinnen, die sich regelmäßig die Lippen schminken, täglich bis zu 57 Milligramm Farbmasse verschlucken – das seien umgerechnet sage und schreibe fünf Lippenstifte im Jahr.

Die Verbraucherorganisation bezieht sich dabei auf Worst-Case-Berechnungen des wissenschaftlichen Ausschusses für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission.

Natürlich schön: Lippen ohne Schminke.

Lippenstift im Test: Schadstoffe – diese beiden Produkte fallen durch

Beim Verschlucken der Lippenfarbe wird aber nicht nur Titandioxid zum Problem. In einigen Produkten weisen die Prüfer zusätzlich Mineralölbestandteile (Mosh) sowie Mosh-ähnliche Kohlenwasserstoffe nach. Diese können sich im Körper anreichern und gelten als bedenklich.

Zwei der Lippenstifte enthalten besonders viel der genannten Schadstoffe und fallen daher komplett durch – bemerkenswerterweise das teuerste Luxusprodukt sowie ein günstiges aus der Drogerie:

Das Ergebnis zeigt: Ob teuer oder preiswert – Lippenstifte können im Test nicht überzeugen. Für alle, die auf Lippenfarbe dennoch nicht verzichten möchten, empfehlen die Tester unter anderen drei Naturkosmetik-Produkte – wobei auch diese Titandioxid enthalten.

Corona-Effekt: Ladenhüter – niemand braucht Lippenstifte unter der Maske

Aus gesundheitlicher Sicht scheint es daher sinnvoller zu sein, komplett auf Lippenkosmetik zu verzichten. Während der Corona-Pandemie wurden Lippenstifte ohnehin viel seltener benutzt – schließlich macht das Schminken unter der Maske wenig Sinn.

Bereits im Herbst 2020 berichtete Tagesschau.de von einem umgekehrten „Lipstick-Effekt“: Anders als sonst in wirtschaftlichen Krisen wurde deutlich weniger Lippenstifte verkauft – die Produkte wurden zu echten Ladenhütern. Augenkosmetik wie Wimperntusche hat hingegen einen regelrechten Boom erfahren.

Rubriklistenbild: © Vladimir Vuletik/Zoonar/picture alliance

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