Innovation in der Ernährung

Rügenwalder entwickelt Labor-Fleisch – und nennt Verkaufsstart im Supermarkt

Pflanzliche Ersatzprodukte gibt es in Supermärkten bereits viele. Ein Unternehmen nimmt sich jetzt die Herstellung von Fleisch aus Zellen vor.

Dortmund – In Deutschland lebt etwa 9 Prozent der Bevölkerung vegetarisch. Laut aktuellem Trend könnte sich der Anteil in den kommenden Jahren noch weiter erhöhen. Die Hersteller für Ersatzprodukte wie die Tönnies-Marke „Gutfried“ verzeichnen daher einen regelrechten Vegan-Boom.

Neben Ersatzprodukten auf pflanzlicher Basis könnte bald auch Fleisch aus Zellen in die Supermärkte und Discounter kommen. Ein möglicher Verkaufszeitpunkt wird auch genannt.

Fleisch aus dem Labor im Supermarkt: Fleisch-Marke stellt neue Produktidee vor

Pünktlich zum Weltvegantag am 1. November hat der Fleischproduzent Rügenwalder Mühle eine große Ankündigung gemacht. Ein Fleischprodukt mit Fettzellen aus dem Labor soll in Zukunft auf den Markt kommen. Dafür arbeitet das Unternehmen nun mit dem Schweizer Start-up Mirai Foods zusammen. Das Fleisch soll aus pflanzlichen Proteinen und kultiviertem Rinderfett bestehen.

Mirai Foods hat sich auf kultiviertes Rindfleisch spezialisiert, das sich aus natürlich vorkommenden Zellen zusammensetzt. Ziel ist ein markttaugliches Produkt, das ohne die Schlachtung eines Tieres auskommt.

Geschmacklich soll sich das Ersatzprodukt von den herkömmlichen abheben. Denn in den meisten pflanzlichen Alternativen wird Kokosfett verwendet. Ersetzt man dieses mit kultivierten Tierfett, verbessere sich laut Rügenwalder der Geschmack des Produktes.

Rügenwalder nennt möglichen Verkaufsstart von Labor-Fleisch: Zielgruppe sind auch Fleischesser

Der Verkauf von zellbasiertem Fleisch in den Supermärkten könnte laut Rügenwalder frühestens 2025 starten. Das liege unter anderem an den für Deutschland und der EU erforderlichen Zulassungsanforderungen für neue Lebensmittel. Doch wie funktioniert die Entwicklung und Herstellung von kultiviertem Fleisch?

Fleisch aus Zellen soll bald auf den Markt kommen.

Für die Entwicklung von kultiviertem Fleisch ist nach Angaben von Rügenwalder lediglich eine Gewebeprobe von Nutztieren erforderlich. Die darin enthaltenen Zellen werden dann für die Herstellung des Fleisches genutzt. Laut den Herstellern sei das daraus entwickelte Rinderfett dann aber frei von tierischen Inhaltsstoffen.

Möglich sind dann auch Produkte wie Hackfleisch, Steak und Filets. Rewe hat in ausgewählten Filialen bereits eine vegane Fleischtheke eröffnet, in denen die Produkte vielleicht zukünftig verkauft werden könnten.

Die Fleischproduzenten wollen mit dem kultivierten Rindfleisch auch Fleischesser ansprechen. Denn es gehe bei der Entwicklung neben dem Tierwohl auch um das Thema Nachhaltigkeit. „Kultiviertes Fleisch ist einer der größten Hebel für nachhaltigen Fleischkonsum“, betont Rügenwalder.

Rügenwalder ist bereits am ersten Kulturfleischbauernhof der Welt beteiligt und weitet die Entwicklung von kultivierten Ersatzprodukten nun weiter aus. Die Kooperation mit Mirai Foods sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer innovativen und nachhaltigen Ernährung.

Rubriklistenbild: © Joerg Boethling; Westend61/Imago; Collage: RUHR24

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