Lebensgefahr laut Hersteller

Rückruf wegen Zyanidvergiftung - Snack kann Gesundheit ernsthaft gefährden

Zwei Produkte sind von einem Rückruf betroffen. Der Grund ist ernst: Denn der Hersteller warnt vor einer Vergiftung, die sogar tödlich enden könnte.

NRW – Sie sollen gesund sein, den Körper mit Mineralien wie Zink, Magnesium, Eisen und Aminosäuren versorgen und sogar ein Mittel gegen Krebs sein. Diese Gerüchte sind zwar immer wieder im Umlauf, doch wie 24garten berichtet, wissenschaftlich nicht bewiesen. Verbraucher, die gerne bittere Aprikosenkerne essen, sollten bei zwei Produkten aber vorsichtig sein. Denn ihr auf der Homepage des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlichter Rückruf hat einen sehr ernst zu nehmenden Hintergrund.

FruchtAprikose
Wissenschaftliche BezeichnungPrunus armeniaca
FamilieRosengewächse (Rosaceae)

Rückruf: Zwei Produkte mit Aprikosenkernen überschreiten Zyanid-Grenzwerte

Wie der Hersteller, die niederländische Firma Liroy B.V., erklärt, überschreiten sowohl GL Apricot Seeds (Nam Hang) sowie GL Apricot Seeds (Pak Hang) der Marke Golden Lily mit den jeweiligen Chargen Zyanid-Grenzwerte – und zwar so sehr, dass die Firma vor gesundheitlichen Folgeschäden nach dem Verzehr warnt. Das Unternehmen erklärt, dass Aprikosenkerne von Natur aus Amygdalin enthalte, „das nach dem Verzehr Zyanid freisetzen“ könne.

Zwar könne der menschliche Körper kleine Mengen davon ausscheiden, größere Portionen in Form von Snacks hingegen könnten zu einer Zyanidvergiftung und damit sogar zum Tod führen. Das bestätigt auch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Die Behörde erklärt, dass es sich bei Zyanid ohnehin um ein Salz der Blausäure handele, die als hochgiftige Substanz „in gebundener Form in einigen Lebensmitteln vorkommt.“

Rückruf: Blausäure in Aprikosenkernen kann zu einer Zyanidvergiftung führen

Ähnlich wie bei Leinsamen gehe laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) insbesondere von bitteren Aprikosenkernen und Mandeln mit einem hohen Blausäuregehalt eine Gefahr aus. Das Institut rate „Verbrauchern deshalb, nicht mehr als zwei bittere Aprikosenkerne pro Tag zu verzehren oder völlig auf den Verzehr zu verzichten.“

Im aktuellen Fall sind die beiden folgenden Produkten vom Rückruf betroffen:

  • 1. Produkt: GL Apricot Seeds (Pak Hang), Golden Lily
  • Hersteller (Inverkehrbringer): Liroy B.V., Niederlande
  • Datum der Erstveröffentlichung: 24.06.2022
  • Grund der Warnung: Überschreitung der Zyanid-Grenzwerte
  • Verpackungseinheit: 30x100g 
  • Haltbarkeit: alle MHDs
  • Los-Kennzeichnung: 101163  

Hier sind laut dem BVL die sechs Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen von dem Rückruf betroffen.

  • 2. Produkt: GL Apricot Seeds (Nam Hang), Golden Lily
  • Hersteller (Inverkehrbringer): Liroy B.V., Niederlande
  • Datum der ersten Veröffentlichung: 27.06.2022
  • Grund der Warnung: Überschreitung der Zyanid-Grenzwerte
  • Verpackungseinheit: 30x100g 
  • Haltbarkeit: alle MHDs
  • Los-Kennzeichnung: 101158 

Hier betrifft der Rückruf mit Bayern, Hessen, Sachsen nur drei Bundesländer.

Rückruf: Verzehr von wenigen Aprikosenkernen kann schon zur Vergiftung führen

Es könnte bereits nach dem Konsum weniger Kerne „zu Vergiftungserscheinungen kommen“, weshalb idealerweise „völlig auf den Verzehr der rohen Kerne“ verzichtet werden sollte, berichtet das LGL. Der Hersteller erklärt auf Grundlage dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass die Symptome einer solchen Vergiftung „Schwäche und Verwirrtheit, Angst, Ruhelosigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Atembeschwerden und Kurzatmigkeit, Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle und Herzstillstand“ sein könnten.

Dementsprechend bittet die Firma Liroy B.V. seine Kunden, das Produkt nicht zu verbrauchen. Gegen Erstattung könne man es in der Verkaufsstelle zurückgeben. Ob dafür der Kaufbeleg erforderlich sei, erklärte das Unternehmen nicht.

Rückruf: Blausäure in Aprikosenkernen verschwindet durch Erhitzen

Wunderheilungen und angebliche gesundheitsfördernde Wirkungen als Folgen des Verzehrs roher, bitterer Aprikosenkerne sind nicht zu erwarten. Wenn überhaupt, dann sollten sie laut der Importagentur priestoph „nur in kleinen Mengen konsumiert werden.“ Entwarnung gibt das LGL nur in einem Fall.

Bittere Aprikosenkerne haben in der Regel einen erhöhten Blausäuregehalt und sind deshalb gefährlich für den menschlichen Körper.

Denn wenn die Aprikosenkerne ausreichend erhitzt werden, verflüchtige „sich die hitzeempfindliche Blausäure.“ Entsprechend gehe von „verarbeiteten Erzeugnissen, wie z.B. Marzipan, Persipan und Gepäck (...) keine Gesundheitsgefährdung aus.“ Anstatt die bitteren Kerne roh zu verzehren, sollten sie also sicherheitshalber in Form dieser verarbeiteten Produkte konsumiert werden.

Rubriklistenbild: © Jdidi Wassim/Zuma Wire/Imago

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