Extrakt vom „Wunderbaum“

Rückruf von Nahrungsergänzung: Vergiftung durch Pestizid droht

Nahrungsergänzungsmittel sollen eigentlich gut für die Gesundheit sein. Wenn jedoch Ethylenoxid nachgewiesen wird, ist das alles andere als gesund. Aktuell gibt es deshalb einen Rückruf.

Dortmund – Das Pflanzenschutzmittel Ethylenoxid hat bereits für viele Rückrufe in Deutschland gesorgt. Besonders Sesamprodukte waren häufig davon betroffen. In letzter Zeit wird die Substanz, die als gesundheitsgefährdend eingestuft wird, immer wieder in Nahrungsergänzungsmitteln gefunden. Der neuste Rückruf trifft ein Produkt der Bio Moringa Oleifera GmbH.

Öko-DrogerieMoringa Oleifera GmbH
SitzKatsdorf, Österreich
Vertrieb der ProdukteOnline-Shop, Sanitas GmbH & Co. KG
Fokus aufMoringa-Produkte

Rückruf von Nahrungsergänzungsmittel: Moringa-Kapseln mit Ethylenoxid belastet

Anfang Juli wurde in mehreren Produkten der Bärbel Drexel GmbH das Pflanzenschutzmittel nachgewiesen. Ein Rückruf der Nahrungsergänzungsmittel war die Folge. Nun, wenige Woche später, trifft es die Bio Moringa Oleifera GmbH. Ein Unternehmen, mit Sitz im österreichischen Katsdorf, das sich auf Nahrungsergänzung mit Moringa spezialisiert hat.

Konkret geht es bei dem Rückruf um folgendes Produkt:

  • Produkt: Bio Moringa Kapseln
  • Verpackungsgröße: 120 Kapseln
  • Chargennummer: OMLP220033
  • Mindesthaltbarkeitsdatum: 05.08.2023
  • PZN-Nummer: 10407518

Der Vertrieb des Nahrungsergänzungsmittels erfolgte unter anderem über den firmeneigenen Online-Shop, aber auch über die Sanitas GmbH & Co. KG. Ein Geschäft in Steinheim in NRW, das vor allem Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Deshalb sind von dem Rückruf nicht nur Kunden in Österreich, sondern auch in Deutschland betroffen (mehr Rückrufe bei RUHR24).

Rückruf von Nahrungsergänzung mit Moringa – heilende Wirkung wissenschaftlich nicht klar

Warum nehmen Menschen überhaupt Nahrungsergänzungsmittel mit Moringa? Moringa Oleifera wird auch als Wunderbaum oder Baum des Lebens bezeichnet. Seine Früchte und Blätter sollen besonders nährstoffreich sein. Moringa-Präparate sollen daher neben essenziellen Aminosäuren, Mineralstoffen und einer großen Palette an Vitaminen auch entzündungshemmend wirken sowie das Immunsystem stärken.

Wie so häufig bei Nahrungsergänzungsmitteln ist es aber auch bei Moringa der Fall, dass wissenschaftliche Belege fehlen. Bislang wurden zu wenige oder nur Studien in minderer Qualität durchgeführt, um sicher sagen zu können, ob Moringa die Gesundheit verbessert. Auch eine therapeutische Wirkung gegen Krebs durch Moringa ist nicht durch aussagekräftige wissenschaftliche Studien belegt.

Diese Moringa-Kapseln sind aktuell von einem Rückruf betroffen.

Die wissenschaftliche Misslage betrifft auch potenzielle Nebenwirkungen bei Einnahme von Moringa-Präparaten. Bislang wurden aber bei der Einnahme der empfohlenen Tagesdosis noch keine unerwünschten Effekte bekannt. Bei anderen Nahrungsergänzungsmitteln sieht es da ganz anderes aus. So ist aktuell ein Produkt mit Liponsäure von einem Rückruf betroffen. Die Dosierung liegt deutlich über der empfohlenen Menge, weshalb die Einnahme unter anderem einen Herzinfarkt auslösen kann. Wie Merkur.de* berichtet, wurde außerdem vor kurzem ein weiteres Moringa-Produkt zurückgerufen.

Rückruf: Nahrungsergänzung mit Pflanzenschutzmittel belastet – Vergiftung droht

Im Falle des aktuellen Rückrufs der Moringa-Kapseln ist nicht die Dosierung das Problem, sondern dass in dem Nahrungsergänzungsmittel eine erhöhte Menge an Ethylenoxid nachgewiesen wurde. Ethylenoxid ist ein giftiges Pestizid, das in der EU verboten ist – in anderen Ländern außerhalb der EU jedoch nicht, weshalb es immer wieder vorkommt, dass insbesondere importierte Produkte mit dem Pflanzenschutzmittel belastet sind. Zuletzt wurde es auch in Magnesium-Tabletten der Marke Abtei nachgewiesen.

Ethylenoxid steht im Verdacht sowohl krebserregend als auch als Erbgut schädigend zu sein – und das bereits in geringen Konzentrationen. Generell ist sie für den Menschen auch giftig, weshalb die typischen Symptome einer Vergiftung wie Kopfschmerzen, Schwindel und Erbrechen auftreten können.

Außerdem gilt das Mittel reizend für die Haut und die Atemwege – jedoch nur, wenn man direkt mit dem Pestizid in Berührung kommt. Werden Rückstände in Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln nachgewiesen, ist für Verbraucher die einmalige Aufnahme nicht unbedingt akut gefährlich, die regelmäßige Einnahme gilt aber als gesundheitsgefährdend. Kunden, die die Moringa-Kapsel zuhause haben, sollten diese deshalb auf keinen Fall nehmen.

Nahrungsergänzungsmittel mit Moringa von Rückruf betroffen: Firma reagiert

Deshalb hat die Bio Moringa Oleifera GmbH auch reagiert und die betroffenen Kapseln aus dem Verkauf genommen. Das Unternehmen weist darauf hin, dass von dem Rückruf nur diese Charge betroffen ist. Andere Chargen sowie weitere Moringa-Produkte seien nicht verunreinigt.

Kunden, die das Präparat gekauft haben, können es in den jeweiligen Verkaufsstellen gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgeben – auch ohne Vorlage des Kassenbons. *Merkur ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Franziska Kraufmann/dpa

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