Einsicht?

Rückruf-Forderung: Lebensmittel verunreinigt – aber Konzerne ohne Einsicht

Lebensmittel-Hersteller wie Ferrero und Unilever äußern sich zu den Foodwatch-Vorwürfen.
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Lebensmittel-Hersteller wie Ferrero und Unilever äußern sich zu den Foodwatch-Vorwürfen.

Foodwatch fand Mineralöl in Lebensmitteln. Jetzt sprechen Hersteller von Knorr und Nutella.

Dortmund – Mineralöl in Lebensmitteln – das hört sich nicht nur unappetitlich an, sondern könnte auch der Gesundheit schaden. Obwohl Foodwatch in zahlreichen Lebensmitteln den krebserregenden Stoff nachgewiesen hat, kommt es nicht zu Rückrufen*. Firmen wie Unilever und Mars reden sich heraus, berichtet RUHR24*.

VereinFoodwatch
GründerThilo Bode
Gründung2002

Rückruf-Forderung: Mineralöl in Nutella und Knorr-Brühe gefunden

Im vergangenen Jahr untersuchte der gemeinnützige Verein Foodwatch 152 Lebensmittel aus verschiedenen europäischen Ländern. Jedes achte Produkt enthielt demnach Mineralöle (MOAH), darunter auch Nutella und Brühe von Knorr*. Zwar haben einige Unternehmen inzwischen auf die Vorwürfe reagiert, sehen die Verantwortung aber teils woanders.

Auch ist es bislang zu keinen Rückrufen gekommen, die belasteten Produkte stehen weiter in den Regalen der Supermärkte und Discounter* und können gekauft werden. Das liegt auch daran, dass es auf europäischer Ebene bislang keine Null-Toleranz-Grenze für Mineralöl in Lebensmitteln gibt.

Rückruf von Foodwatch gefordert: Alnatura sieht den Fehler nicht bei sich

Die betroffenen Unternehmen selbst haben ganz eigene Erklärungen für das entdeckte Mineralöl. Alnatura spricht von einer „umweltbedingten Grundbelastung“. Demnach sei es kaum zu vermeiden, dass Spuren von Mineralöl nachgewiesen werden. Die betroffene Hühnerbouillon bleibt weiter im Verkauf.

Foodwatch hat zu diesem Statement eine klare Meinung: „Faule Ausrede.“ Immerhin haben die Tester zahlreiche Produkte untersucht, die keine Spuren von MOAH enthielten.

Mars verkauft Brotaufstrich trotz Rückruf-Forderung weiter und sieht keine Probleme

Die Firma Mars sieht derweil kein Problem bei ihrem Brotaufstrich „Milky Way Kakao und Milch Duo Crème“, der in Österreich verkauft wird. Das Produkt steht weiter in den Regalen, da Mars überzeugt ist, dass der Aufstrich gründlich getestet wurde und sicher sei.

Getestet wurden die Rohstoffe und fertigen Produkte allerdings von den Lieferanten. Foodwatch betont aber, der Produzent selbst (hier Mars) stünde in der Pflicht, die Lebensmittelsicherheit sicherzustellen.

Foodwatch fordert Rückruf: Knorr-Brühe belastet – Unilever schiebt die Schuld auf die Verpackungen

In den Knorr-Brühwürfeln des Unternehmens Unilever wurden laut Foodwatch bis zu 52 mg MOAH pro Kilo gefunden. Dem Bericht zufolge eine hochgradige Belastung. Unilever Frankreich hat anschließend eigene Untersuchungen angestellt und behauptet nun, das Produkt sei sicher. Die Ergebnisse rückt das Unternehmen allerdings nicht heraus.

Maßnahmen werden also nicht ergriffen. Ein Problem wird aber dennoch thematisiert: „Das Grundproblem ist die Herstellung von Karton aus recyceltem Altpapier. Besonders Rückstände von Zeitungsdruckfarben auf Mineralölbasis gelangen über die Recyclingfasern in den Karton“, erklärt Unilever gegenüber dem ORF.

Foodwatch verweist allerdings darauf, dass es anderen Herstellern derweil gelingt, funktionierende Barrieren in Verpackungen zu nutzen. Brühwürfel der Konkurrenz seien „sauber“.

Der Nutella-Hersteller Ferrero äußert sich zu den Foodwatch-Anschuldigungen.

Nutella-Hersteller äußert sich zu Rückruf-Vorwürfen und stellt eigene Nachforschung an

Der Nutella-Hersteller Ferrero hat ebenfalls eigene Nachforschungen angestellt und teilte die Ergebnisse auch mit Foodwatch. Demnach konnten keine Kontaminationen der Nutella-Probe nachgewiesen werden.

Außerdem spricht sich das Unternehmen gegenüber der Bild-Zeitung für spezifische und klare Verordnungen zu Mineralöl in Lebensmitteln aus.

Lebensmittelverband: Mineralöl nicht gefährlich – kein Rückruf notwendig

Der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft, der Lebensmittelverband Deutschland, meint derweil, dass Mineralöle in Lebensmitteln nicht gefährlich seien. Der Verband erklärt gegenüber der Bild-Zeitung: „Der Gesetzgeber würde sich nicht mit Orientierungswerten und Toleranzen begnügen, wenn es sich um gefährliche Substanzen handeln würde.“

Foodwatch sieht das anders und begründet das mit Berichten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Die habe festgestellt, „dass jeglicher Gehalt an aromatischen Kohlenwasserstoffen in Lebensmitteln ein Risiko darstellt“.

Video: Foodwatch warnt vor krebserregenden Stoffen in beliebten Eissorten

Bundesamt: Bewertung nicht möglich – dennoch sollte MOAH minimiert werden

Das Bundesamt für Risikobewertung schreibt: „Meist handelt es sich dabei (Anm. d. Redaktion: MOAH) um eine komplexe Mischung aus überwiegend alkylierten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, zu denen auch krebserzeugende Substanzen gehören können. Eine gesundheitliche Bewertung ist aufgrund der unzureichenden Datenlage nicht möglich.“

Generell seien solche Kontaminationen von Lebensmitteln allerdings unerwünscht. „Aus Sicht des BfR sollten daher die Übergänge von Mineralöl aus Recyclingpapier und -pappe auf Lebensmittel sowie auch der Eintrag aus anderen Quellen minimiert werden.“ *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA