Verunreinigt statt gesund

Rückruf von Nahrungsergänzung: Einige kritische Grenzwerte überschritten

Bei einem Nahrungsergänzungsmittel besteht der Verdacht, dass sich in den Produkten Rückstände von Ethylenoxid befinden. Der Hersteller informiert nun über einen Rückruf.

Dortmund – Die Rückrufe aufgrund von mit Ethylenoxid verunreinigten Lebensmitteln reißen nicht ab. Inzwischen wird das Pflanzenschutz- und Begasungsmittel, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein, sogar bei Gewürzen und Nahrungsergänzungsmitteln nachgewiesen. Das ist auch bei dem jüngsten Rückruf der Fall.

ChemikalieEthylenoxid (kurz: EO)
BeschreibungFarbloses, hochentzündliches Gas mit süßlichem Geruch
FormelC2H4O
VerwendungDesinfektionsmittel für Nahrungsmittel, organische Dämmstoffe (Wolle, Pflanzenfasern), medizinische Geräte und Pflanzenschutzmittel (außerhalb der EU)

Rückruf von Nahrungsergänzung: Warnung wegen Ethylenoxid in Produkten

Diesmal trifft es ein Produkt der Qidosha GmbH. Das Unternehmen hatte bekannt gegeben, dass bei einer ihrer Produkt-Linien an Nahrungsergänzungsmitteln der Verdacht besteht, mit Ethylenoxid verunreinigt zu sein. So kann es nicht ausgeschlossen werden, dass sich „in den Produkten Rückstände von Ethylenoxid befinden, die über den Rohstoff Garcinia Cambogia Extrakt hineingelangt sind“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung.

Konkret ist von dem Rückruf folgendes Nahrunsgergänzungsmittel betroffen:

  • Produkt: Qidosha In-Shape
  • Mindesthaltbarkeitsdatum: 12/2022
  • Inhalt: Dosen udn Refill-Bags mit je 120 Kapseln
  • Chargenbezeichnung: 201200176 und 201200177
  • Chargengröße gesamt: 294 Gläser und 200 Refill Bags
Die Qidosha GmbH muss ein Nahrungsergänzungsmittel wegen Verdacht auf Ethylenoxid zurückrufen.

Rückruf von Nahrungsergänzungsmittel: Hersteller kann Gesundheitsgefahr nicht ausschließen

Wie das Unternehmen mitteilt, wurde in einer Analyse des Rohstoffs festgestellt, dass gleich mehrere Chemikalien nachgewiesen werden konnten, die den Grenzwert überschreiten. Es sind jedoch alles chemische Verbindungen, die als Zwischenprodukte bei der Herstellung von Ethylenoxid anfallen. So heißt es unter anderem in dem Bericht, dass der Rohstoff 77 Milligramm/Kilo 2-Chlorethanol, 0,98 Milligramm/Kilo freies Ethylenoxid und 43 Milligramm/Kilo Ethylenoxid enthält.

Unter anderem 2-Chlorethanol ist ein Abbauprodukt von Ethylenoxid und zählt zu den giftigsten organischen Halogen-Verbindungen. Wie die Qidosha GmbH selbst angibt, kann daher bei dem Verzehr des Nahrungsergänzungsmittels nicht ausgeschlossen werden, dass es die Gesundheit beeinträchtigen kann (mehr Rückrufe und Warnungen bei RUHR24)

Kunden, die das Nahrungsergänzungsmittel, das den Fettstoffwechsel ankurbeln soll, gekauft haben, sollten es also auf keinen Fall einnehmen. Denn Ethylenoxid steht im Verdacht, bei kontinuierlichem Verzehr über einen längeren Zeitraum, krebserregend zu wirken und erbgutverändernd zu sein.

Rückruf von Nahrungsergänzung: Betroffene Kunden bekommen kostenlos Ersatz

Das Unternehmen mit Sitz im niedersächsischen Buchholz gibt an, dass das Nahrungsergänzungsmittel vor allem über Amazon und den firmeneigenen Online-Shop verkauft wurde. Die beiden betroffenen Chargen waren im Zeitraum von Januar bis April 2021 im Angebot. Kunden, sollten also unbedingt nachsehen, ob sie von dem Rückruf betroffen sind.

Sollte das der Fall sein, bietet die Qidosha GmbH an, dass die Kunden kostenlos ein neues Nahrungsergänzungsmittel zugesandt bekommen. Außerdem sollen sie die verunreinigten Produkte an das Unternehmen zurückschicken.

Ethylenoxid in Lebensmitteln, Gewürzen und Nahrungsergänzung: Das Problem ist kein neues

Das Problem mit Ethylenoxid gibt es schon seit längerer Zeit. Bereits seit mehr als 30 Jahren gilt in der EU ein Verbot für Ethylenoxid in Pflanzenschutzmitteln. In Desinfektionsmitteln ist der Wirkstoff laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aber erlaubt, allerdings nur, wenn kein Kontakt zu Lebensmittel besteht. Auch außerhalb der EU ist das Pestizid noch im Einsatz – unter anderem als Spritzmittel zum Schutz vor Pilzbefall.

Dadurch gibt es immer wieder den Fall, dass auch in Lebensmitteln in Deutschland der Gift-Stoff nachgewiesen wird. Da das Problem nicht abzureißen scheint, wie eine regelrechte Rückruf-Welle in den vergangenen Monaten gezeigt hat, fordern Verbraucherzentralen die Politik und Behörden auf, wirksame und einheitliche Maßnahmen zu ergreifen, damit diese Produkte gar nicht erst auf den Markt gelangen. Außerdem sollen strengere Kontrollen sowie schärfere Grenzwerte eingeführt werden, so die Forderung der Verbraucherschutzorganisationen.

Rubriklistenbild: © LOIC VENANCE/AFP, Collage: RUHR24

Mehr zum Thema