Verbraucherschutz

Noch mehr Rückrufe? Ferrero könnte lange Kette von Konsequenzen auslösen

Um zukünftig Verbraucher besser schützen zu können, fordert der Verbraucherschutz klare Maßnahmen. Bereits jetzt sollen Lehren aus 2022 gezogen werden.

NRW – Das Jahr 2022 war für Verbraucher bisher alles andere als einfach. Nicht nur der Ferrero-Skandal, der Schokoladenfans immer noch in Atem hält, sondern auch der Rückruf von Kosmetika oder Nahrungsergänzungsmitteln beschäftigen das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Aus der Behörde gibt es deshalb eine klare Forderung.

BehördeBundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
Gründung 2002
HauptsitzBraunschweig, Niedersachsen

Verbraucherschutz: Forderung nach systematischer Erfassung von Keimen

Um Krankheitsausbrüche durch Lebensmittel schneller stoppen und aufklären zu können, will das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit laut der Lebensmittelzeitung krankheitsauslösende Keime in Zukunft systematisch erfassen und den Datenaustausch unter den Behörden verbessern. Gegenüber Zeitungen der Funke Mediengruppe erklärte Präsident Friedel Cramer, dass diese Erfassung wichtig sei, „um bei einem Krankheitsausbruch die ursächlich verantwortlichen Lebensmittel zu identifizieren und epidemiologische Untersuchungen durchzuführen.“

Diese Untersuchungen könnten Cramer zufolge „idealerweise durch entsprechende Genomsequenzierungen pathogener Keime ergänzt werden.“ Dieses Vorgehen, auch DNA-Sequenzierung genannt, wird bereits seit knapp 30 Jahren in der Forschung angewandt, um Ausbrüche von Krankheitserregern zu untersuchen.

Verbraucherschutz: 2022 bereits mehr als 80 Lebensmittel zurückgerufen

Die Forderung nach einer systematischen Erfassung von Keimen kommt angesichts der hohen Anzahl an Rückrufen dieses Jahr nicht überraschend. Laut übereinstimmenden Medienberichten, die sich auf das BVL beziehen, sei es im bisherigen Jahr 2022 schon zu mehr als 80 Lebensmittel-Rückrufen gekommen.

Rechne man weitere Bedarfsgegenstände sowie Kosmetika dazu, seien es bereits jetzt insgesamt 93 Produkte, vor denen das BVL warnt. Zum Vergleich: Im Jahr 2021 gab es zu diesem Zeitpunkt noch 65 Rückrufe.

Der Verbraucherschutz fordert nach Rückruf-Rekorden deutliche Konsequenzen.

Verbraucherschutz: Daten sollen Bundes- wie Landesbehörden zugänglich sein

Neben der systematischen Erfassung ist Friedel Cramer zufolge auch ein verbesserter Datenaustausch zwischen Bund und Ländern wichtig. Seiner Ansicht nach sollten die Daten der amtlichen Kontrollen „zentral vorliegen und sowohl den zuständigen Landes- wie Bundesbehörden zu Auswertungen zugänglich sein.“

Das BVL sollte von den einzelnen Landesbehörden demzufolge nicht nur die Daten der Produktproben, sondern auch der einzelnen Betriebskontrollen erhalten. Der Salmonellen-Ausbruch bei Ferrero im belgischen Arlon und die damit verbundenen Kontrollen in Deutschland sowie in ganz Europa ziehen somit weitreichende Folgen nach sich. Die koordinierende deutsche Bundesbehörde für den Verbraucherschutz will zukünftig Keime systematisch erfassen und die Zusammenarbeit untereinander durch Bürokratieabbau vereinfachen.

Rubriklistenbild: © Imago/Marc Gruber

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