Warnung vor akuter Gefahr

Rückruf von Gebäck: Hersteller warnt vor Pflanzengift

Ein Hersteller von italienischem Gebäck ruft aktuell in mehreren Bundesländern ein Produkt zurück. Im darin verwendeten Sesam wurde Pflanzengift nachgewiesen.

Deutschland – Bei dem nachgewiesenen Pflanzengift handelt es sich um Ethylenoxid. Rückstände des giftigen Gases in Lebensmitteln mit Sesam sind bereits seit Herbst 2020 ein Problem. Aktuell warnt auch die Stiftung Warentest daher vor dem Verzehr von einigen Lebensmitteln mit Sesam. Die Europäische Kommission hat mittlerweile sogar die Einfuhrbeschränkungen verschärft.

ChemikalieEthylenoxid (kurz: EO)
BeschreibungFarbloses, hochentzündliches Gas mit süßlichem Geruch
VerwendungDesinfektionsmittel für Nahrungsmittel, für organische Dämmstoffe (Wolle, Pflanzenfasern) oder für medizinische Geräte

Rückruf wegen Ethylenoxid in Sesam: italienisches Gebäck besser nicht verzehren

Ethylenoxid wird unter anderem in der Medizinbranche als Desinfektionsmittel eingesetzt. Es tötet Schimmel, Bakterien und Pilze ab. In einigen Ländern kommt es daher auch als Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. In der EU ist diese Verwendung seit Langem verboten.

Denn als Gas ist Ethylenoxid giftig und gilt als krebserregend und erbgutschädigend. Auch der Verzehr von mit Ethylenoxid belasteten Lebensmitteln, die den zugelassenen Höchstwert überschreiten, gilt als gesundheitsgefährdend. Dabei geht vom Verzehr keine akute Gefahr aus. Produkte, die wegen der Überschreitung der zugelassenen Höchstmenge des Pflanzengiftes zurückgerufen werden, sollten aber wegen der krebserregenden und erbgutschädigenden Wirkung nicht mehr gegessen werden (alle Rückrufe und Warnungen auf RUHR24.de).

Rückruf von italienischem Gebäck wegen Pflanzengift – diese Produkte sind betroffen

Bei dem vom aktuellen Rückruf betroffenen Produkten handelt es sich um folgende Grissini, die von der Gunz Warenhandels GmbH vertrieben worden sind:

  • Grissini Brotgebäckstangen mit Leinsamen, Sesam und Mohn 230g der Marke „STIRATINI“ (EAN: 9002859090912)
  • Grissini Brotgebäckstangen mit Sesam 250g der Marke „STIRATINI“ (EAN: 078548293062)
  • Grissini Brotgebäckstangen mit Sesam 150g der Marke „STIRATINI“ (EAN: 9002859095153)
  • Betroffen sind dabei die folgenden Mindesthaltbarkeitsdaten: 31.08.2021, 19.09.2021, 23.09.2021, 02.10.2021, 08.10.2021, 14.10.2021, 15.10.2021, 20.10.2021
Aktuell von einem Rückruf betroffen: italienische Grissini der Marke Stiratini

Rückruf von Grissini: wichtige Infos für Verbraucher

Die vom Rückruf betroffenen Grissini wurden in insgesamt vierzehn Bundesländern verkauft, darunter auch Nordrhein-Westfalen. Wo das Gebäck im Handel war, darüber werden keine Angaben gemacht.

Kunden, die eines der Produkte erworben haben, haben aufgrund des öffentlichen Rückrufs das Recht, es zurückzugeben. Der Kaufpreis muss dann entweder erstattet oder eine Produktalternative angeboten werden.

Rückruf wegen Ethylenoxid: Europäische Kommission und Stiftung Warentest warnen

Die Fälle von Rückrufen wegen Ethylenoxid haben mittlerweile derartige Ausmaße angenommen, dass die EU die Einfuhrbeschränkungen verschärft hat. In zahlreichen Kontrollen wurden verunreinigte Sesamsamen gefunden und an das Europäische Schnellwarnsystem (RASFF) gemeldet. Im entsprechenden Amtsblatt der EU heißt es zu Ethylenoxid:

„Diese Mengen überschreiten den gemäß der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 des Europäischen Parlaments und des Rates (4) geltenden Rückstandshöchstgehalt von 0,05 mg/kg für Ethylenoxid um mehr als das Tausendfache.“

Auch die Stiftung Warentest warnt aktuell vor dem Verzehr von Lebensmittel mit Sesam aus Indien. In einem Test von insgesamt 44 Produkten mit Sesam waren zwar nur vier belastet – hier wurde die Höchstmenge, die gerade noch als wenig bedenklich gilt, aber deutlich überschritten.

Ethylenoxid in Lebensmitteln – Stiftung Warentest rät von Sesambrötchen ab

Viele Sesamprodukte kann man nach Ansicht der Tester bedenkenlos verzehren. Kommen die Produkte allerdings aus Indien oder ist das Herkunftsland unklar, sollte man sie lieber nicht essen, so die Tester.

Auch von frischen Sesambrötchen oder -kringeln rät Stiftung Warentest ab. Aufgrund der vermehrten Warnungen sind viele Lebensmittelanbieter mittlerweile für die Problematik sensibilisiert worden und lassen ihre Sesamware testen. Auch Ikea hat mittlerweile ein beliebtes Produkt wegen Ethylenoxid aus dem Verkauf genommen.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa, Gunz Warenhandels GmbH; Collage: RUHR24

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